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13. Fachforum Onlineberatung

Am 21. und 22. September ist es wieder soweit: Zum 13. Mal veranstalten wir am Institut für die Beratung der Technischen Hochschule Nürnberg das Fachforum Onlineberatung – in diesem Jahr, wegen Corona, komplett als online Tagung!

Und so wird alles etwas anders als sonst und ist für uns alle extra aufregend! Wir hoffen und drücken die Daumen, dass mit der Technik alles klappt und die Teilnehmenden viel aus den zwei Tagen mitnehmen können!

Ich werde in diesem Jahr einen Workshop zum Thema „Lessons Learned – Beratung nach Corona“ anbieten und bin sehr gespannt auf die Erfahrungen und Reflektionen der Teilnehmer*innen!

Beratung in Zeiten der Pandemie…

Es ist erstaunlich, was gerade passiert. Wir erleben weltweit eine der größten Gesundheitskatastrophen der letzten Jahrzehnte und noch ist nicht klar, wie und wann das Ganze enden wird. Neben Hysterie und unerklärlichen Toilettenpapier-Hamsterkäufen passieren gerade im Netz momentan spannende Dinge.

Natürlich lebe ich in meiner Twitter-Bubble – die Accounts, denen ich folge, werden in der Regel von netzaffinen Menschen betrieben, die sich mit der Frage beschäftigen, wie die Digitalisierung, insbesondere in der Sozialen Arbeit, menschlich und sinnstiftend gestaltet werden kann. Das was ich da beobachte ist eine Mischung aus Solidaritätsaktionen (wie die #NachbarschaftsChallenge die Benedikt Geyer von Natascha Strobl aufgegriffen hat) und konstruktiven Ideenpools, die sich mit der Beantwortung der Frage beschäftigen, wie wir unsere Erwerbsarbeit in Zeiten von Covid-19 und der heute von der WHO ausgerufenen Pandemie digital gestalten können.

Diese Frage betrifft natürlich auch in besonderem Maße das Arbeitsfeld von Berater*innen und Therapeut*innen. Unsere Klientel ist auch weiterhin auf Beratung/Begleitung/Unterstützung angewiesen – vielleicht gerade jetzt. Und häufig haben wir es hierbei auch mit Menschen zu tun, die aus unterschiedlichsten Gründen zu den sogenannten Risikogruppen gehören, für die die aktuelle Situation besonders schwer zu bewältigen ist.

Was also tun? Es liegt nahe auch Beratungsgespräche in den virtuellen Raum zu verlegen und damit sicher zu stellen, dass Menschen, die gerade jetzt unsere Hilfe und Unterstützung benötigen, diese weiterhin in Anspruch nehmen können.

Nun tauchen aber zwei Probleme auf, für die es eine schnelle Lösung braucht: Auf der einen Seite benötigen Beratungsstellen – sofern sie nicht bereits Onlineberatung anbieten –  eine geeignete technische Ausstattung. Auch wenn wir uns in einer Krisensituation befinden, die manche auch als „Ausnahmesituation“ interpretieren, gelten weiterhin die wichtigen Grundsätze der Beratung, wie Vertraulichkeit des Wortes und Datenschutz.  Auf der anderen Seite müssen Berater*innen in der Lage sein, Software und Hardware zu bedienen und ihre Beratungskompetenzen auch im virtuellen Raum methodisch fundiert einzusetzen. Und dann braucht es in den Einrichtungen Menschen, die ein Onlineberatungsangebot auch technisch implementieren können. Es scheitert hierbei an Fachkompetenz und finanziellen Mitteln – beide Aspekte können nicht den Berater*innen vor Ort zum Vorwurf gemacht werden, es ist vielmehr ein strukturelles Problem, das in der Sozialen Arbeit immer wieder auftaucht.

Und beide Punkte lassen sich nicht kurzfristig lösen und so ist davon auszugehen, dass die bestehenden Onlineberatungsangebote in den nächsten Wochen vermehrte Nachfrage erleben werden. Viele Menschen, die verunsichert sind, werden alle möglichen Kanäle nutzen, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten – und so werden vermutlich auch in den Onlineberatungsstellen Fragestellungen auftauchen, die eigentlich in die (ohnehin schon überlastete) Hotline der Gesundheitsämter und ähnlicher Expert*innenangebote gehören.

(Hoch)Schulen machen sich Gedanken, wie sie ihr Lehrangebot online abbilden können. Größere und kleinere Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter*innen ins Homeoffice – eine sinnvolle und präventive Maßnahme. Aber was heißt das für die Berater*innen in den psychosozialen Beratungsstellen? Möglich wäre einiges, wenn Rahmenbedingungen und Infrastruktur hierfür geschaffen werden können (s. o.).

Deutschland zeigt gerade, zu was es fähig ist, wenn es will (oder muss) – ich wünsche mir, dass wir aus dieser Krise lernen und die kreativen Lösungen, die wir jetzt erarbeiten werden, nachhaltig und auch über den Pandemie-Zeitraum hinaus systematisch weiterentwickeln.

Beraten ohne sich gegenüber zu sitzen? Geht das denn!?

Immer wieder wird mir diese Frage gestellt. Seltsamerweise (oder auch nicht?) vor allem von den Beratenden. Für Kund/innen oder Klient/innen scheint es weit weniger fraglich zu sein, dass eine Beratung auch internetgestützt stattfinden kann und man sich nicht zwingend im gemütlichen Beratungszimmerchen gegenübersitzen muss, damit die Beratung auch wirklich gelingen kann.

Auch scheinen die einzelnen beratend tätigen Berufsgruppen hierzu unterschiedliche Haltungen zu haben. Die Skepsis der (Sozial-)Pädagogen und Psychotherapeuten scheint eher darauf bezogen, dass sich aufgrund der Kanalreduktion ja gar nicht richtig einschätzen ließe, wie es dem/der Klient/in wirklich gehe. Ich neige dann zurück zu fragen, ob sie sich denn 100%ig sicher seien, die „richtige“ Einschätzung treffen zu können, wenn ihnen jemand gegenüber sitzt. Sicher richtig ist aber: Es fehlen bei den textbasierten Beratungsformen die visuell wahrnehmbaren Reize, also muss ich als Berater/in lernen, aus dem Text heraus zu Einschätzungen zu kommen. Und was liegt da näher, als noch mehr nachzufragen bei meinem Ratsuchenden? Im besten Fall führt dieses Nachfragen nämlich zu mindestens diesen beiden Effekten:

  • der/die Ratsuchende fühlt sich in seinen/ihren Anliegen sehr ernst genommen („Da macht sich jemand die Mühe, mich wirklich verstehen zu wollen.“)
  • der/die Ratsuchende ist dazu aufgefordert, eine möglichst genaue Beschreibung seiner/ihrer Gedanken, Gefühle etc. schriftlich zu verfassen – es findet eine stärkere (Selbst-)Reflexion statt

Bei den Coaches, die sich ins Netz trauen stelle ich fest, dass Online-Coaching häufig in Form von videogestützten oder in 3-D-Räumen avatarunterstützt stattfindenden Formaten angeboten wird. Warum das so ist, ist mir selbst noch nicht klar. Irgendwer Ideen?

Ich kann nur Vermutungen anstellen: Müssen Coaches visuell wahrgenommen werden (als Avatar oder über die Webcam), weil das Medium „der Coach“ für den Prozess eine wichtige Rolle spielt? Mh, unbefriedigend. Irgendwas muss doch dahinter stecken, dass ich eigentlich fast keine Coaches finden kann, die ihr Beratungsangebot textgebunden zur Verfügung stellen? Jedenfalls scheint bei den Coaches die Skepsis, das Eine oder Andere auch mal „online“ stattfinden zu lassen etwas weniger groß zu sein – vielleicht weil Coaching oft im Businessbereich stattfindet und dort auch Videokonfrenzen und die Zusammenarbeit in virtuellen Teams üblicher ist.

Aber nochmal zurück zur Ausgangsfrage: Geht das? Ja, es geht. (Wäre ja auch schräg einen Blog zu einem Thema zu eröffnen, das gar nicht funktioniert, logo.) Viel interessanter ist hierbei sicherlich die Frage nach der Wirksamkeit dieser Form von Beratung. Hierzu werde ich in Zukunft noch etwas schreiben, möchte an dieser Stelle aber auf ein interessantes Forschungs-Projekt an der Leuphana Universität Lüneburg hinweisen. Dort werden sogenannte „onlinebasierte Internettrainings“ entwickelt, angewendet und evaluiert. Sie können hier ausführlich lesen worum es geht.

Eine Antwort auf die Frage: Und wie genau geht es denn nun? werde ich versuchen in einem meiner nächsten Artikeln hier zu geben. Vielleicht kann mir in der Zwischenzeit jemand die Coachingfrage beantworten?