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7 Schritte auf dem Weg zum eigenen Onlineberatungs-Angebot

„Alle sind doch online, darum haben wir jetzt auch ein Onlineberatungs-Angebot“, so höre ich manchmal, wenn mir erzählt wird, warum eine Einrichtung jetzt auch Onlineberatung anbietet. Der Hintergedanke ist ja durchaus ganz richtig. Der Weg zum eigenen Angebot sollte aber – damit es gelingen kann – in mehreren Schritten erfolgen.

Ich möchte Ihnen sieben Schritte vorstellen, die hilfreich sein könnten, wenn Sie ein Onlineberatungsangebot planen. „Onlineberatung um des Online-sein-Wollens“ sollte hierbei eine untergeordnete Rolle spielen. Denn zunächst sollten Sie folgende Fragen beantworten:

1. Schritt „Ist die Zielgruppe, die ich erreichen will im Netz unterwegs?“
Die Antwort lautet mit hoher Wahrscheinlichkeit „Ja“. Denn wenn man sich die aktuellen Studien zur Internetnutzung anschaut, auf die ich in diesem Artikel schon einmal hingewiesen habe, wird deutlich: Nahezu jede/r hat heute zumindest die Möglichkeit das Netz zu nutzen. Dennoch macht es Sinn genau hinzuschauen und bei den Betroffenen auch einmal direkt nachzufragen. Niemand kann einem soviele wichtige Informationen in der Planungsphase geben, wie diejenigen, die man mit einem künftigen angebot erreichen möchte!

2. Schritt „Wen will ich mit meinem Angebot erreichen?“
Hier geht es schon um eine konzeptionelle Ausdifferenzierung. Will ich ein Onlineberatungsangebot konzipieren, dass die ganze Zielgruppe (z. B. Eltern- und Jugendberatung) meines bisherigen Beratungsangebots erreicht oder nur bestimmte Teile (z. B. Jugendliche)?

3. Schritt „Was will ich mit meinem Angebot erreichen?“
Wollen Sie einen weiteren Zugangsweg zu Ihrer Beratungsstelle anbieten? Geht es darum ein zusätzliches Angebot für eine geschlossene Gruppe (z. B. begleitene virtuelle Selbsthilfegruppe) anzubieten? Sie müssen sich im klaren sein, was Sie mit Ihrer Onlineberatung erreichen wollen, denn nur so werden Sie ein klar strukturiertes Angebot schaffen können.

4. Schritt „Was bin ich bereit anzubieten?“
Sind Sie 24/7 erreichbar für Ihre Klient/innen? Wie schnell reagieren Sie auf die eingegangenen Anfragen? Werden Sie sich klar darüber, dass Onlineberatung bedeutet, dass Sie eine ratsuchende Person nicht über mehrere Tage warten lassen dürfen. Onlineberatung bedeutet: Schnell reagieren. Eine Erstantwort sollte nicht länger als 48 Stunden dauern.

5. Schritt „Was brauchen meine Klient/innen oder Kund/innen?“
Sie haben nun schon eine Idee davon, was Sie wollen – aber was will Ihre Zielgruppe? Ihre Ziele müssen zu denen Ihrer Klient/innen oder Kund/innen passen. Es ist zwar wichtig, dass Sie wissen, was Sie bereit sind anzubieten, aber wenn es keiner haben will ist dies vergebene Liebesmüh. Prüfen Sie noch einmal, ob beide Seiten zusammenpassen. Haben Ihre Klient/innen im Verlauf eines Beratungsgesprächs vielleicht einmal geäußert, dass es schön wäre, wenn man mit Ihnen auch in der Zwischenzeit in Kontakt bleiben könnte? Wünschen sich andere vielleicht den Austausch mit Gleichgesinnten? Dies sind wichtige Anhaltspunkte für die weitere Konzeption Ihres Angebots.

6. Schritt „Was brauche ich zur Umsetzung meines Plans?“
Hier geht es vor allem um die Frage der Kompetenzen und Technik. Wenn Sie gut gerüstet in die Onlineberatung starten wollen, müssen Sie sich vorher entsprechend qualifizieren. Schauen Sie sich nach Ausbildungsmöglichkeiten um und vergleichen Sie die Angebote. Reicht ein Wochenendkurs? Wollen Sie einen zertifizierten Abschluss als Qualitätsnachweis für Ihre Ausbildung? Fragen Sie andere Onlineberater/innen über Ihre Qualifizerung in Onlineberatung aus. Bereiten Sie sich vor und nehmen Sie die Fachliteratur zur Hand.
Und dann die Technik: Sie wissen jetzt was Sie wollen, aber ist das auch technisch umsetzbar? Welche Tools brauchen Sie? Wollen Sie textbasiert beraten oder ist eine Begegnung im Video-Chat für Sie und Ihre Zielgruppe wichtig? Auch hier gilt: Vergleichen Sie die Angebote der Anbieter und schauen Sie genau hin, was Ihnen geboten wird.

7. Schritt „Wie mache ich mein Angebot bekannt?“
Sie haben Ihr Konzept, die Beratungsplattform steht, aber kein Ratsuchender meldet sich? Auch im Netz müssen Sie Öffentlichlkeitsarbeit und Akquise betreiben. Wenn Sie schon eine Homepage hatten, um Ihr bisheriges Angebot zu bewerben, platzieren Sie die Onlineberatung an prominenter Stelle, so dass sie schnell gefunden wird. Vernetzen Sie sich mit anderen Einrichtungen und bitten um Verlinkung zu Ihrem Angebot. Erzählen Sie was Sie tun – nicht nur, dass Sie jetzt auch online beraten, sondern was genau dort passiert und welchen Nutzen Ihre Zielgruppe davon hat!
Weitere Aktionen wie gezielte Werbemaßnahmen, eine Facebookseite etc. müssen Sie je nach Ihrem Einsatzgebiet und Angebot abwägen. Viel wichtiger: Erzählen Sie Ihren Klient/innen und Kund/innen davon – sie tragen es ggf. weiter oder nehmen Ihr Angebot in Anspruch. Vielleicht kennen Sie jemanden bei Ihrer örtlichen Tageszeitung, der ein Interview mit Ihnen machen möchte…?

Und dann gibt es doch noch einen 8. Schritt: Prüfen Sie stetig Ihr Angebot. Erreichen Sie diejenigen, die Sie erreichen wollten? Fühlen Sie sich sicher im Beraten? Wie wollen Sie supervidiert werden (vielleicht ja online?).

Vielleicht helfen Ihnen diese Fragen als Anregung bei der Umsetzung Ihres Angebots. Wenn Sie Rückmeldungen, Anregungen oder Erfahrungen teilen wollen, freue ich mich darüber.

 

Was ist eigentlich Onlineberatung?

Diese Frage mag auf den ersten Blick ja etwas banal erscheinen. aber wie das mit Begriffen nunmal so ist, werden sie oft nicht ganz trennscharf verwendet und wenn es um das Thema „Beratung“ geht, passiert dies vielleicht umso häufiger.

Beratung an sich ist schon ein so weit dehnbarer Begriff, was ist dann also mit der Onlineberatung. Wird das „Online“ einfach nur der Beratung vorangestellt und macht damit schon das Charakteristische aus?

Es scheint zudem so, dass je nach Kontext der Begriff Onlineberatung unterschiedlich „gefüllt“ wird: Im psychosozialen Beratungsbereich wird mit Onlineberatung meistens eine schriftliche Beratung assoziiert, im Coaching und unter Supervisoren scheint hier vermehrt von videogestützten Verfahren die Rede zu sein.

Die Vielzahl an oftmals synonym verwendeten Begriffen erschwert EinsteigerInnen und Fachfremden zudem oft die Orientierung. Nicht zuletzt deshalb, haben meine Kollegin Steffi Storch und ich versucht, die „Beratung im Netz“ einmal begrifflich systematisch zu untersuchen und den Versuch einer Einordnung vorzunehmen. Der Artikel ist – neben vielen anderen spannenden Themen – im neuen e-beratungsjournal erschienen.

Das ist mehr als Unterricht über’s Netz…

…was die Web-Individualschule  aus Bochum da macht. Gestern las ich diesen wirklich spannenden Artikel über die Arbeit dieser besonderen Schule auf Süddeutsche Online und muss seitdem darüber nachdenken, was wir für’s Coaching und Beraten daraus lernen können.

Besonders gut gefällt mir der Satz, den man auf der Startseite der Web-Schule lesen kann:

„Wir sprechen nicht nur die Sprache der Eltern, wir sprechen auch die der Schüler.“

An dieser Schule werden Kinder unterrichtet, die aus den unterschiedlichensten Gründen nicht die Regelschule vor Ort besuchen können oder wollen. Gäbe es dieses Angebot für sie nicht, würden sie wohl einfach zu Hause bleiben und den Schulbesuch verweigern oder unter größtem Leidensdruck in der Schule erscheinen, aber vermutlich wenig aus dem Unterricht mitnehmen.

Hier sehe ich eine Parallele für die Beratung: Mit internetgestützten Beratungsformaten ermöglichen wir es auch Menschen Unterstützung in Anspruch zu nehmen, die ein konventionelles Angebot nicht aufsuchen würden. Im sozialen Beratungsbereich ist dies inzwischen angekommen und wird auch als eines der Hauptargumente für ein Onlineberatungsangebot herangeführt.

Wenn es uns hier gelingt „die Sprache der Klient/innen“ zu sprechen – bzw. es müsste vielmehr „zu schreiben“ heißen – schaffen wir einen echten Mehrwert für die Menschen, die sonst nicht erreichbar wären.

In Hinblick auf die im Artikel der Süddeutschen genannten Beispiele stellt sich mir noch die Frage, welche Angebote neben den reinen Lernangeboten den Schüler/innen gemacht werden, um nach Abschalten des Laptop auch wieder den Zugang zu „realen Welt“ zu finden. Ein internetgestütztes Beratungsangebot hier anzuschließen, könnte eine wertvolle Ergänzung sein, die diesen Übergang ermöglicht.