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11. Fachforum Onlineberatung am 17./18.09.2018 in Nürnberg

Es ist wieder so weit! Am 17./18. September 2018 laden wir wieder zum Fachforum Onlineberatung nach Nürnberg ein. Dieses Jahr steht das Fachforum unter dem Motto „Onlineberatung in Zeiten der Digitalisierung“. Den Eröffnungsvortrag zu diesem Thema hält Prof. Nadia Kutscher von der Universität Köln, die sich seit vielen Jahren u. a. mit dem Themenkomplex Digitalisierung der Sozialen Arbeit beschäftigt.

An zwei Tagen werden wir in der bewährten Mischung aus Vorträgen, Diskussionen und Workshops darüber diskutieren, welche Auswirkungen sich aus der Digitalisierung für die Onlineberatung ergeben.

Hier der Ankündigungstext für das 11. Fachforum Onlineberatung:

Wie verändert sich unsere Lebenswelt durch die immer stärker fortschreitende Digitalisierung? Und welche Auswirkungen ergeben sich hieraus für die psychosoziale Beratungslandschaft und insbesondere auch für die Onlineberatung? Das 11. Fachforum Onlineberatung lädt dazu ein, sich mich diesen und weiteren Fragestellungen zu beschäftigen.
Der lebensweltliche Alltag von Fachkräften und Klient*innen Sozialer Arbeit und angrenzender Disziplinen wird immer häufiger durch (digitale) Medien durchdrungen und beeinflusst. Auswirkungen dieser Entwicklung zeigen sich sowohl in den Beratungsanlässen von Klient*innen, als auch in der medialen Realisierung von Beratungsprozessen (Onlineberatung/Blended Counseling).
Die aktuelle Debatte greift nun auch die sich aus der Digitalisierung ergebenden neuen Möglichkeiten des professionellen Handelns von Fachkräften Sozialer Arbeit auf. So gilt es für Träger und Einrichtungen bei ihrer strategischen Planung und Konzeptentwicklung diese Chancen in den Mittelpunkt zu rücken und zu prüfen, welchen Platz die Onlineberatung künftig einnehmen wird.
Der „digital turn“ in der Beratung wird weiter Fahrt aufnehmen – es gilt, ihn sinnvoll zu gestalten! Das diesjährige Fachforum möchte hierzu Austausch, Denkanstöße und Vernetzungsmöglichkeiten bieten.

Das Institut für E-Beratung der TH Nürnberg veranstaltet jährlich im September zusammen mit der Deutschsprachigen Gesellschaft für psychosoziale Onlineberatung (DGOB), der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke), der Online-Beratung des Deutschen Caritasverbandes (caritas.de/onlineberatung) sowie des pro familia SEXTRA Onlineberatungs-Projektes (sextra) das Fachforum Onlineberatung.

Alle Infos zum Programm und zur Anmeldung unter: www.fachforum-onlineberatung.de

Beraten ohne sich gegenüber zu sitzen? Geht das denn!?

Immer wieder wird mir diese Frage gestellt. Seltsamerweise (oder auch nicht?) vor allem von den Beratenden. Für Kund/innen oder Klient/innen scheint es weit weniger fraglich zu sein, dass eine Beratung auch internetgestützt stattfinden kann und man sich nicht zwingend im gemütlichen Beratungszimmerchen gegenübersitzen muss, damit die Beratung auch wirklich gelingen kann.

Auch scheinen die einzelnen beratend tätigen Berufsgruppen hierzu unterschiedliche Haltungen zu haben. Die Skepsis der (Sozial-)Pädagogen und Psychotherapeuten scheint eher darauf bezogen, dass sich aufgrund der Kanalreduktion ja gar nicht richtig einschätzen ließe, wie es dem/der Klient/in wirklich gehe. Ich neige dann zurück zu fragen, ob sie sich denn 100%ig sicher seien, die „richtige“ Einschätzung treffen zu können, wenn ihnen jemand gegenüber sitzt. Sicher richtig ist aber: Es fehlen bei den textbasierten Beratungsformen die visuell wahrnehmbaren Reize, also muss ich als Berater/in lernen, aus dem Text heraus zu Einschätzungen zu kommen. Und was liegt da näher, als noch mehr nachzufragen bei meinem Ratsuchenden? Im besten Fall führt dieses Nachfragen nämlich zu mindestens diesen beiden Effekten:

  • der/die Ratsuchende fühlt sich in seinen/ihren Anliegen sehr ernst genommen („Da macht sich jemand die Mühe, mich wirklich verstehen zu wollen.“)
  • der/die Ratsuchende ist dazu aufgefordert, eine möglichst genaue Beschreibung seiner/ihrer Gedanken, Gefühle etc. schriftlich zu verfassen – es findet eine stärkere (Selbst-)Reflexion statt

Bei den Coaches, die sich ins Netz trauen stelle ich fest, dass Online-Coaching häufig in Form von videogestützten oder in 3-D-Räumen avatarunterstützt stattfindenden Formaten angeboten wird. Warum das so ist, ist mir selbst noch nicht klar. Irgendwer Ideen?

Ich kann nur Vermutungen anstellen: Müssen Coaches visuell wahrgenommen werden (als Avatar oder über die Webcam), weil das Medium „der Coach“ für den Prozess eine wichtige Rolle spielt? Mh, unbefriedigend. Irgendwas muss doch dahinter stecken, dass ich eigentlich fast keine Coaches finden kann, die ihr Beratungsangebot textgebunden zur Verfügung stellen? Jedenfalls scheint bei den Coaches die Skepsis, das Eine oder Andere auch mal „online“ stattfinden zu lassen etwas weniger groß zu sein – vielleicht weil Coaching oft im Businessbereich stattfindet und dort auch Videokonfrenzen und die Zusammenarbeit in virtuellen Teams üblicher ist.

Aber nochmal zurück zur Ausgangsfrage: Geht das? Ja, es geht. (Wäre ja auch schräg einen Blog zu einem Thema zu eröffnen, das gar nicht funktioniert, logo.) Viel interessanter ist hierbei sicherlich die Frage nach der Wirksamkeit dieser Form von Beratung. Hierzu werde ich in Zukunft noch etwas schreiben, möchte an dieser Stelle aber auf ein interessantes Forschungs-Projekt an der Leuphana Universität Lüneburg hinweisen. Dort werden sogenannte „onlinebasierte Internettrainings“ entwickelt, angewendet und evaluiert. Sie können hier ausführlich lesen worum es geht.

Eine Antwort auf die Frage: Und wie genau geht es denn nun? werde ich versuchen in einem meiner nächsten Artikeln hier zu geben. Vielleicht kann mir in der Zwischenzeit jemand die Coachingfrage beantworten?

Warum Coaches online beraten müssen

Das Strahlen im Gesicht meiner Kundin hätten Sie sehen sollen! Sie stand vor einem beruflichen Wechsel und damit vor einem Umzug in eine andere Stadt. Wir hatten einen Coachingprozess mit mehreren Treffen hinter uns und trafen uns nun zu unserer letzten gemeinsamen Sitzung. Das es aber nur das letzte Treffen sein sollte bei dem wir uns direkt gegenübersitzen sollten, wusste meine Kundin zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Meine Kundin begann also damit zu berichten, wie ihr das Coaching geholfen habe. Gleichwohl sei sie jetzt schon etwas unsicher, was sie in der neuen Stelle und Stadt erwarten werde. „Es ist schade, dass wir uns jetzt verabschieden müssen. Ich würde Sie am liebsten als Coach mitnehmen“, sagte sie. Und ich antwortete „Dann machen Sie es doch!“

Schweigen. Verblüffung und etwas Verwirrung machte sich im Gesicht meiner Kundin breit. Nun war ihr ziemlich sicher klar, dass ich nicht die gut 600 Kilometer hinter ihr her reisen würde, damit wir unseren Coachingprozess fortsetzen könnten, also klärte ich sie auf: Darüber, dass ich ihr künftig auch online ein Coaching anbieten könne und sie so in den ersten 100 Tagen im neuen Job begleiten würde. Erleichterung und ein strahlendes Gesicht schlugen mir entgegen. Eine klassische win-win-Situation: Meine Kundin war glücklich darüber, dass sie ihren Coachingprozess fortsetzen konnte und ich durfte mich auf weitere Honorare freuen.

Nun ist mir wichtig deutlich zu machen, dass es nicht um ein „wir bleiben per Mail in Kontakt“ geht. Online-Coaching bedeutet, dass ich eine qualifizierte Beratung über eine Beratungssoftware anbiete, die die Notwendigkeit einer datensicheren Speicherung und Übertragung unseres Coachingprozesses berücksichtigt. Das ist echte Arbeit und nicht nur ein lockerer Kontakt, in dem man sich mal berichtet, wie es so läuft. Hierzu werde ich in meinen nächsten Artikeln mehr schreiben.

Menschen die Beratung anbieten (ob als Coaches, Supervisor_innen oder Trainer_innen) sollten die Chance das Internet für ihr Angebot zu nutzen nicht verstreichen lassen. Es geht nicht darum einen Trend zu folgen und eben „auch online“ zu sein, sondern darum die Möglichkeiten einer internetgestützten Beratung zu nutzen, um

  • neue Kund_innen zu gewinnen
  • den Bedürfnissen von zeitlich stärker eingeschränkten Menschen (und dazu gehören nicht nur Top-Manager, sondern auch Eltern oder selbständig Tätige) gerecht zu werden
  • eine Form von Beratung anzubieten, die neue Reflexions- und Entwicklungsmöglichkeiten bei den Kund_innen fördert.

Dass es hierfür mehr bedarf als „nur“ der Fähigkeit beraten zu können, liegt eigentlich auf der Hand. Denn über das Netz zu beraten heißt eben auch ganz anders zu beraten als bisher. Als Beratende muss ich damit umgehen, dass mir nur ein Text zur Verfügung steht oder aber ich muss mich mit den technischen Unwegsamkeiten eines Video-Chats herumschlagen. Es bedarf also besonderer Kompetenzen und Qualifikationen, um auch online eine gute Beratung anbieten zu können.

Welche Erfahrungen haben Sie bislang gemacht? Als Coach oder auch als Kund_in eines solchen Beratungsangebots? Ich bin gespannt auf Ihre Rückmeldungen. Empfehlen möchte ich Ihnen außerdem das Interview, das Svenja Hofert für ihr Online-Magazin zum Thema Online-Coaching mit Brigitte Koch geführt hat.