Podcastfolge #10 zu den Besonderheiten textbasierter Onlineberatung

Schriftlichkeit erfordert in der Beratung von Beratenden und Ratsuchenden ganz besondere Kompetenzen. Sie ermöglicht jedoch auch einen ganz anderen Zugang zur Beratung und den Themen der Ratsuchenden. Die Prozesssteuerung erfolgt besonders in der Mailberatung stärker durch die Ratsuchenden und ermöglicht ihnen mehr Autonomie, aber auch mehr Verantwortung. Um diese Themen geht es in der Folge.

Hier gehts direkt zur Folge bei Podigee: https://derdreh.podigee.io/11-schriftlichkeit

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Podcastfolge #9 zu ‚Schwierigen Beratungssituationen in der textbasierten Onlineberatung‘

Wie kann in der schriftlichen Beratungskommunikation mit schwierigen Beratungssituationen umgegangen werden? Wiie unterscheidet sich die Arbeitsweise im Chat zur Mailberatung? Und was können Onlineberater*innen für die eigene Psychohygiene tun? Darum gehts in dieser Folge.

Hier gehts direkt zur Folge bei Podigee: https://derdreh.podigee.io/10-schwierigeberatungssituationen

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Neue Podcastfolge zur Videoberatung

Im ersten Jahr der Corona-Pandemie erlebte die Videoberatung einen Boom in der psychosozialen Beratungslandschaft. Bis dato hatte Onlineberatung fast ausschließlich schriftlich stattgefunden und plötzlich haben ganz viele Berater*innen den Videokanal für sich entdeckt. Was bei der Videoberatung zu beachten ist, wird in dieser Folge besprochen.

Hier gehts direkt zur Folge bei Podigee: https://derdreh.podigee.io/9-videoberatung

Weihnachtspause!

Das letzte Seminar für 2020 ist geschafft, nun geht es in die Ferienzeit.

Das Jahr 2020 wird wohl als das „Corona-Jahr“ in die Geschichte der Menschheit eingehen. Für mich persönlich ist die faszinierendste Entdeckung in diesem Jahr gewesen, wie wieder einmal ein weltumspannendes Ereignis das Thema Onlineberatung für mich so sehr in den Mittelpunkt rückt.
Im Jahr 2001, als am 11. September die Welt für einen Moment aufhörte, sich zu drehen, entdeckte ich die Onlineberatung für mich. Und nun, 19 Jahre später, als die Welt wieder stillsteht, entdeckten ganz viele Andere die Onlineberatung plötzlich für sich!

In diesem Jahr wurde viel ausprobiert und experimentiert. Es waren Sätze zu hören wie „das geht doch gar nicht!“ aber auch viele Aussagen wie „Mensch, das hätte ich ja nicht für möglich gehalten!“.
Onlineberatung ist im Jahr 2020 unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie in vielen Beratungsbereichen zu dem einzig möglichen Kommunikationskanal geworden. Viele empfanden dies als Einschränkung, manche aber auch als Chance, sich mit neuen Kommunikationsformen, technischen Herausforderungen und methodischen Experimentierfelder zu befassen.

Gleichzeitig hat mich fasziniert, wie sich die Vorstellung darüber, was Onlineberatung sei, gefühlt „über Nacht“ verändert hat. Onlineberatung wird nun häufig synonym mit Videoberatung verwendet und beschränkt damit die bisherige begriffliche Einordung auf nur einen Einzelaspekt des Onlineberatens. Blickt man auf die letzten 25 Jahre psychosozialer Onlineberatung zurück, spielte die Videoberatung kaum eine Rolle – unter den Corona-Bedingungen erlebt sie nun einen Boom! Mir ist es daher wichtig, dass wir im Blick behalten, dass Onlineberatung weitaus mehr als „nur“ Videoberatung ist. Denn dies ist das entscheidende Alleinstellungsmerkmal der internetgestützten Kommunikation: Sie kann über mehr als einen Kanal erfolgen und gerade die verschriftliche Beratungskommunikation schafft mit ihren Eigenheiten noch einmal einen ganz neuen Zugang zu Methoden, Möglichkeiten und Dynamiken im Beratungsprozess.

Schöne Feiertage und: Zuhause bleiben!

Krisenberatung am Telefon und per Video in Zeiten von Corona – aktualisierte Handreichung!

Die bereits im März erschienene Handreichung zur Krisenberatung am Telefon und per Video in Zeiten von Corona wurde aktualisiert. Darin wird auf die aktuelle Situation im Herbst 2020 eingegangen, erste Studien zu Auswirkungen der Coronakrise benannt und nun auch das Thema „Beziehungen und Sexualität bei Kontaktbeschränkungen“ beleuchtet.

Hier gehts zur Handreichung (klick)

Kommt jetzt die zweite Welle!?

Ja na klar – bei der Überschrift denken sich manche jetzt „Hä, lebt die hinterm Mond? Wir sind doch schon mittendrin!“. Das stimmt natürlich, wenn es auf die Pandemieentwicklung bezogen wird. Meine Frage zielt aber in Richtung der Notwendigkeit (wieder) Onlineberatung anbieten zu müssen/können/dürfen.

Aber zunächst ein kurzer Rückblick auf die letzten acht Monate. Schon relativ zu Beginn der Pandemie in Deutschland und Europa haben viele Beratungsstellen (notgedrungen) auf Onlineberatung umgestellt. Einige waren ohnehin schon online und haben einfach mehr von dem gemacht, was es bereits gab. Es konnte daher auch auf vorhandene Strukturen relativ unproblematisch aufgesetzt werden: Die PCs waren da, die Fachkräfte geschult, die Software für sichere Kommunikation vorhanden und vor allem war das Angebot bereits vielen Klient*innen bekannt.

Andere mussten ins kalte Wasser springen und haben diesen Sprung mal mehr mal weniger elegant vollzogen: Träger, die die entsprechenden (finanziellen) Ressourcen zur Verfügung hatten, haben Schulungen organisiert und noch schnell eine Software eingekauft. Denn auch das ist momentan, so hört man, ein Problem. Zumindest bei einem Onlineberatungs-Softwareanbieter, der sicherlich zu den führenden in Deutschland gehört, scheint das Telefon und damit der Kundenservice seit einigen Monaten kaum besetzt zu sein. Die Nachfrage nach adäquaten Lösungen zur Umsetzung eines Onlineberatungsangebots scheint also auch exponentiell gewachsen zu sein…

Bei anderen, die vielleicht auch nicht die Mittel und Möglichkeiten hatten, wurde dann teils sehr kreativ nach Lösungen gesucht und autodidaktisch ins Onlineberatungsgeschäft eingestiegen. Und leider gibt es auch (ob großer oder kleiner Träger) Beispiele, die leider etwas grausig sind. Das Thema Datenschutz ist immer „das Problem“. Und dies kann man oftmals gar nicht nur allein denen zum Vorwurf machen, die eben versuchen schnell und unkompliziert für ihre Klientel ein Angebot aus dem Boden zu stampfen. Wie bei den Schulen wurde das Thema „Digitalisierung“ auch in der Sozialen Arbeit in den letzten Jahren größtenteils verpennt.

Dann kam der Sommer und endlich durfte man wieder „richtig“ beraten – ja, so habe ich das durchaus häufiger gehört. Richtige Beratung geht also, wenn zwei (oder mehr) in einer Beratungsstelle zusammen in einem Raum sitzen und miteinander sprechen. Hm, irgendwie komisch – haben also davor alle „falsch“ beraten? Oder eben „nicht so richtig gut“ oder…

Ja oder! Oder haben sich einige Beratende dabei einfach nicht so wohl, so sicher und versiert wie sonst gefühlt? Ich tippe auf letzteres, denn natürlich weiß jede*r der*die Onlineberatung richtig gelernt hat, dass man auch schriftlich oder gar per Video „richtig“ beraten kann. Man muss es eben können. Gleiches gilt ja auch für die, die nicht gelernt haben ein mündliches Beratungsgespräch in der Präsenz zu führen – auch die fühlen sich dabei ja nicht richtig wohl.

Und dennoch: Es war eine Bärenaufgabe, die viele Beratende in den letzten Monaten zu bewältigen hatten. Mit wenig Mitteln, kaum technischer Ausstattung und manchmal ganz ohne Schulungsmaßnahme in das Onlineberatungsgeschäft, noch hinzu in einer so unsicheren Zeit, zu starten, das war und ist wirklich eine Leistung! Und die gilt es auch zu würdigen.

Jetzt kommt der Herbst und Winter und wir werden wieder über Monate mit unterschiedlichen Beschränkungen (ob nun angeordnet oder selbstverordnet) leben müssen. Kommt jetzt also „die zweite Welle der Onlineberatung“?! Ich wünschte, ich könnte jetzt schreiben: Nein! Und zwar nicht, weil Corona einfach verschwindet, sondern weil wir Onlineberatung nicht als eine zwangsläufige und temporär begrenzte Reaktion auf pandemiebedingte Einschränkungen einsetzen. Sondern weil sie sich nun endlich etabliert und als Regelangebot (inkl. Finanzierungsstruktur!) in die Beratungs- (und Therapie-) Landschaft verankert wird.

Dazu bräuchte es aber neben dem politischen Willen über die Finanzierungsstrukturen von Beratungsangeboten neu nachzudenken und diese zukunftsfähig zu regeln auch die Bereitschaft sich von einem beratungstheoretischen Verständnis zu lösen, dass nach wie vor Mündlichkeit und Präsenz in den Mittelpunkt rückt. Oder wie Joachim Wenzel 2013 schon vorschlug,

„…dass Berater nicht länger das Gespräch als ihr zentrales Medium ansehen, sondern ihr Beratungsverständnis generell auf Kommunikation hin erweitern, wie auch immer diese konkret realisiert wird. Wenn die Kommunikation im Mittelpunkt des professionellen Beratungshandelns stehen würde, wäre es möglich, die Beratung insgesamt theoretisch neu zu fassen, und Fragen der Medienbildung würden damit in die Beratungsfachlichkeit mit hineingenommen werden.“ (S. 228)

Wenn es uns gelingt, die nun bevorstehenden Monate zu nutzen, um weitern an Konzepten zu feilen, Berater*innen zu qualifizieren, Klient*innen mit einzubeziehen und die Beschränkungen als Spielraum für neue Möglichkeiten zu interpretieren, sind wir besser gerüstet für das nächste Jahr und die Zeit danach. Ob mit oder ohne Virus.

Kann jetzt jeder Onlineberatung? Podcast-Interview

Es ist schon einige Zeit her, dass mich Hendrik Epe für seinen Ideequadrat Podcast interviewt hat. Das Interview fand im April statt, als die Corona-Pandemie gerade Ihren Höhepunkt erreicht hatte und viele Beratende auf Onlineberatung „umgestiegen“ sind.

Im Podcast sprechen wir über Qualität und Kompetenzen und das, was sich auch in Zukunft in Sachen (Online)Beratung verändern wird und muss.

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Corona-Reflexion, Teil 2

Nun sind schon wieder fast 7 Wochen vergangen, seit ich das letzte Mal hier darüber schrieb, was sich bei mir durch die irre Corona-Situation (gibt es irgendein gute Wort dafür!?) getan hat. Zeit mal wieder kurz durchzuschnaufen und zu schauen, was heute ist.

Und eigentlich beschreibt das „durchschnaufen“ schon ganz gut die Situation. Mein Eindruck ist, dass sich die erste hektische Phase des „Wir müssen jetzt unbedingt auch alle online beraten können!“ ein bisschen gelegt hat. Inzwischen gehen natürlich auch einige Einrichtungen schon wieder zurück in die Präsenzberatung und dennoch beschäftigen sich viele noch mit der Frage „Was sollen wir tun, wenn ein zweiter Lockdown kommt?“.

Aus meiner Perspektive ist dies wieder zu kurz gedacht: Nur zu reagieren (und sich ggf. jetzt mal ein bisschen darauf vorzubereiten), weil eine Situation die anderen Möglichkeiten des Arbeitens beschränkt, halte ich weder für die beraterische Arbeit, noch für diejenigen, die auf diese angewiesen sind und/oder sie in Anspruch nehmen möchten für besonders zielführend. Insofern begrüße auch auch die durchaus sehr differenzierten Auseinandersetzungen mit der Situation, die eher langfristige Perspektiven des Beratens in einer digitalen Welt betrachten – ganz unabhängig von Coronaviren und deren Folgen.

Und so höre ich inzwischen auch vermehrt Stimmen, die eher diskutieren möchten, was man aus den letzten Wochen lernen kann, wie man die Erfahrungen nun reflektiert bewerten und daraus Strategien und Konzepte für die Zukunft entwickeln kann. Nicht in erster Linie, um für einen zweiten ‚lock down‘ gewappnet zu sein, sondern vielmehr, um die Dinge auf Spur zu bringen, die ohnehin schon angestanden hätten.

Sorge bereitet mir nach wie vor der Umgang mit Standards und Qualität. Während in vielen Bereich Datenschutz und Beratungsqualität (hinterlegt mit einer entsprechenden Qualifizierung für das eigene Tun) schon immer als ‚das Wichtigste überhaupt!‘ benannt wurden, scheinen im digitalen Raum nun andere Regeln zu gelten – manchmal nämlich: gar keine.

Wir haben die letzte 20 Jahre so vieles für die Qualität von Onlineberatung und entsprechende Standards in diesem Feld getan – hier muss nun gut aufgepasst werden, dass nicht Beliebigkeit und Wildwuchs Überhand gewinnen.

Insofern müssen sich Entscheider*innen in den Organisationen dafür einsetzen, dass Beratungsfachkräfte qualifiziert werden, technologische Voraussetzungen geschaffen werden und Qualitätsstandards diskutiert und umgesetzt werden. Hier muss das Rad nicht neu erfunden werden – es gibt ja schon alles Mögliche hierzu!

Die Beratungsfachgesellschaften müssen sich ebenso positionieren und – auch in ihrem eigenen Interesse – Anforderungen definieren, die von Beratenden zu erfüllen sind. Hierzu gehören Ethikrichtlinien, wie beispielsweise bei der DGSF:

„Bei der medial vermittelten Form der Beratung bedarf es dabei der Aneignung grundlegender Kompetenzen in Bezug auf das genutzte Beratungsmedium sowie einer medienspezifischen fachlichen Auseinandersetzung und Reflexion dieser Beratungsprozesse.“

Und auch wenn ich vollstes Verständnis für die vielen selbständig beratend tätigen Personen habe, denen durch die Beschränkungen der vergangenen Wochen Existenznot droht(e): Auch diese müssen daran interessiert sein, sich entsprechend zu qualifizieren, um die Menschen, die sie begleiten weiterhin fachlich gut zu beraten!

Vieles tut sich: Weiterbildungsinstitute nehmen Onlineberatungs-Fortbildungen in ihr Programm auf, Fachverbände stellen Infos zur Verfügung, Organisationen qualifizieren Mitarbeiter*innen…

Und dennoch gibt es weiterhin viel zu tun. Es wird kein „nach Corona können wir endlich wieder ’normal‘ beraten“ geben – wer das noch denkt hat wirklich nichts kapiert.