Archiv der Kategorie: Zukunft der Beratung

Coronakrise, Homeoffice, Durchbruch der Onlineberatung – eine Zwischenbilanz

Am 10. März hatte ich dies auf meine Instagram-Account gepostet:

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Heute war mein erster von 16 Tagen im #homeoffice Nein nicht wegen #Coronavirus sondern weil unser Institut umgebaut wird. Das ist für mich jetzt erstmal gar nicht so eine neue Erfahrung da ich ohnehin insgesamt mehr als 50% meiner #Erwerbsarbeit (aus angestellter und #freiberuflichkeit ) im homeoffice erledige. Neu ist aber, dass auch mein ganzes Team von Zuhause aus arbeitet und wir unsere gesamte Arbeitszeit so verbringen. Heute habe ich den Arbeitstag mit einer Nachricht an meine Kolleg*innen begonnen: „Schickt mal einen Bild von Eurem Arbeitsplatz“. Das hat tatsächlich #büroatmosphäre erzeugt – ganz virtuell! Im Bild ist mein Arbeitsplatz zu sehen Ich werde das jetzt mal täglich dokumentieren – auch als kleine #Selbstreflexion Wann mache ich was? Und wie gelingt es mit dem Team im Austausch zu bleiben? Es wird eine Mischung aus meinen beiden Jobs in Bildern und Texten. Noch wer hier im Homeoffice? • #systemischeberatung #systemischescoaching #systemischetherapie #onlineberatung #nework #zuhause #zuhausearbeiten #worklifebalance #digitalisierung

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An dem Tag wusste ich noch nicht, dass es weitaus mehr als 16 Tage werden würden, die ich im Homeoffice verbringen würde. Denn eigentlich war nur geplant, für die Zeit des Umbaus bei uns im Institut, in das Homeoffice auszuweichen. Rückblickend war es ein großes Glück, denn ich habe mich zu einer Zeit „Homeoffice-fit“ machen können (also mit LAN-Kabel, Headset, gutem Arbeitsplatz etc.), als noch nicht das ganze Chaos losging und alles mögliche an Hardware bestellt und schnell vergriffen war.

Dann kam der „shut-down“ und die ersten Absagen von geplanten Präsenzveranstaltungen trudelten herein. In wenigen Tagen verlor ich viele wichtige Aufträge, die zunächst ins Ungewisse verschoben wurden oder eben ersatzlos gestrichen wurden.

Gleichzeitig das große Glück: Das was ich tue, wenn ich angestellt und selbständig arbeite ist größtenteils auch online möglich. Mir ist klar, dass dies in der aktuellen Situation ein unglaubliches Privileg ist. Und ich sehe, wie Kolleg*innen, die vollkommen auf die Präsenz angewiesen sind/waren, in massive wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten…

Es hat nicht mal eine Woche gedauert, dann explodierte mein Postfach: Eine Anfrage nach der nächsten, wie denn nun auf Onlineberatung umgesattelt werden könne und was dabei zu beachten wäre. Und auch in der medialen Wahrnehmung ist Onlineberatung plötzlich etwas ganz selbstverständliches. Und Bundesministerin Dr. Giffey weist z. B. explizit auf diese Möglichkeit Beratung in Anspruch zu nehmen hin und die NummergegenKummer erhält zusätzliche Mittel.

Ich stehe dieser ganzen Entwicklung nach wie vor mit ambivalenten Gefühlen gegenüber, was ich auch schon in meinem Blogpost am 14. März 2020 zum Ausdruck gebracht habe. Einerseits finde ich es gut und richtig, wie sich nun alle, die beratend und begleitend tätig sind, mit Onlineberatung zumindest als Option beschäftigen müssen. Andererseits stimmt es mich auch ein wenig traurig, dass es eine solche Notsituation braucht(e), damit nun endlich „alle“ aufwachen und sich bewusst machen, dass wir in einem Zeitalter der digitalen Transformation leben und dies eben auch die psychosoziale Beratung betrifft.

Meine Sorge ist auch nach wie vor, dass die Zeit „nach der Krise“ nicht unbedingt zu einer Verstetigung der jetzt entwickelten Konzepte und Maßnahmen im digitalen Raum führen wird, sondern vielmehr, dass Viele froh darüber sein werden, dass es nun auch wieder „wie gewohnt“ fact-to-face geht. Nicht zuletzt, da es gut möglich ist, dass einige jetzt gar nicht die allerbesten Erfahrungen mit der Onlineberatung machen werden.

Und bitte nicht falsch verstehen: Es ist gut und wichtig, dass es irgendwann auch wieder face-to-face gehen wird, nicht zuletzt weil viele Menschen aktuell exkludiert werden, für die Beratung über digitale Wege nicht geeignet oder realisierbar ist!

Gleichwohl: Ich wünsche mir, dass sich aus dieser Phase – deren Länge wir noch nicht kennen, aber es ist gut denkbar, dass wir noch einige Monate unter starken Einschränkungen Beratung realisieren müssen! – ein konstruktiver fachlicher Diskurs entwickelt, der es uns ermöglicht, Beratung konzeptionell neu zu fassen.

Ich hoffe, dies gelingt und nicht zuletzt empfehle ich derzeit allen, die (jetzt zum ersten Mal) Erfahrungen in der Onlineberatung sammeln, dies gut zu dokumentieren. Vielleicht bleibt jetzt auch an der einen oder anderen Stelle etwas Zeit, um im Team in regelmäßigen Abständen auszuwerten, was sich bewährt und gut funktioniert und wo noch immer blinde Flecken sind.
Aus diesen dokumentierten Erfahrungen lassen sich später dann Bedarfe für Konzeptentwicklung, Fort- und Weiterbildung sowie technische/Hardware-Anschaffungen formulieren.

Ich wünsche allen, die in der Beratung tätig sind, dass sie jetzt die Möglichkeit ergreifen können, an der Weiterentwicklung der digitalen Sozialen Arbeit aktiv mitzuwirken. Denn, wie das Caritasmotto 2019 schon sagte: Sozial braucht digital!

Hilfreiche Ressourcen rund um die digitale Beratung in Zeiten der Coronakrise

In den letzten zwei Wochen hat sich einiges getan und so wurden inzwischen viele hilfreiche Ressourcen entwickelt und größtenteils öffentlich zur Verfügung gestellt. Ich nenne hier nur ein paar, die aber größtenteils auf weitere Quellen verweisen.

Empfehlungen der Fachgruppe Onlineberatung & Medien zur Onlineberatung in Zeiten der Coronakrise (Engelhardt & Wenzel):

https://www.dgsf.org/ueber-uns/gruppen/fachgruppen/online-beratung/onlineberatung-in-zeiten-der-coronakrise

Handlungsempfehlungen zur kurzfristigen Umsetzung von Onlineberatung in Zeiten der Coronakrise (Reindl & Engelhardt):

https://www.e-beratungsinstitut.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/03/IEB_1012_INFO_Onlineberatung_Corona_public.pdf   

Handreichung zur Krisenberatung am Telefon und per Video (Wenzel/Jaschke/Engelhardt)

https://www.e-beratungsjournal.net/wp-content/uploads/2020/04/wenzel_et_al.pdf  

Empfehlungen und FAQ für Fachkräfte in den Frühen Hilfen (Sammlung zu verschiedenen Themen):

https://www.fruehehilfen.de/service/antworten-auf-praxisfragen/corona-zeiten-empfehlungen-und-faq-fuer-fachkraefte-in-den-fruehen-hilfen/

Empfehlungen von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie zur Durchführung von videobasierter Psychotherapie:

https://lppkjp.de/wp-content/uploads/2020/03/EmpfehlungenVideobasierte-Psychotherapie_DGPs_IG-E-Health_20200326.pdf  

Artikel Kühne/Hintenberger Zur Onlineberatung und -therapie in Zeiten der Krise (e-beratungsjournal.net):

https://www.e-beratungsjournal.net/wp-content/uploads/2020/03/kuehne_hintenberger.pdf  

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Beratung in Zeiten der Pandemie…

Es ist erstaunlich, was gerade passiert. Wir erleben weltweit eine der größten Gesundheitskatastrophen der letzten Jahrzehnte und noch ist nicht klar, wie und wann das Ganze enden wird. Neben Hysterie und unerklärlichen Toilettenpapier-Hamsterkäufen passieren gerade im Netz momentan spannende Dinge.

Natürlich lebe ich in meiner Twitter-Bubble – die Accounts, denen ich folge, werden in der Regel von netzaffinen Menschen betrieben, die sich mit der Frage beschäftigen, wie die Digitalisierung, insbesondere in der Sozialen Arbeit, menschlich und sinnstiftend gestaltet werden kann. Das was ich da beobachte ist eine Mischung aus Solidaritätsaktionen (wie die #NachbarschaftsChallenge die Benedikt Geyer von Natascha Strobl aufgegriffen hat) und konstruktiven Ideenpools, die sich mit der Beantwortung der Frage beschäftigen, wie wir unsere Erwerbsarbeit in Zeiten von Covid-19 und der heute von der WHO ausgerufenen Pandemie digital gestalten können.

Diese Frage betrifft natürlich auch in besonderem Maße das Arbeitsfeld von Berater*innen und Therapeut*innen. Unsere Klientel ist auch weiterhin auf Beratung/Begleitung/Unterstützung angewiesen – vielleicht gerade jetzt. Und häufig haben wir es hierbei auch mit Menschen zu tun, die aus unterschiedlichsten Gründen zu den sogenannten Risikogruppen gehören, für die die aktuelle Situation besonders schwer zu bewältigen ist.

Was also tun? Es liegt nahe auch Beratungsgespräche in den virtuellen Raum zu verlegen und damit sicher zu stellen, dass Menschen, die gerade jetzt unsere Hilfe und Unterstützung benötigen, diese weiterhin in Anspruch nehmen können.

Nun tauchen aber zwei Probleme auf, für die es eine schnelle Lösung braucht: Auf der einen Seite benötigen Beratungsstellen – sofern sie nicht bereits Onlineberatung anbieten –  eine geeignete technische Ausstattung. Auch wenn wir uns in einer Krisensituation befinden, die manche auch als „Ausnahmesituation“ interpretieren, gelten weiterhin die wichtigen Grundsätze der Beratung, wie Vertraulichkeit des Wortes und Datenschutz.  Auf der anderen Seite müssen Berater*innen in der Lage sein, Software und Hardware zu bedienen und ihre Beratungskompetenzen auch im virtuellen Raum methodisch fundiert einzusetzen. Und dann braucht es in den Einrichtungen Menschen, die ein Onlineberatungsangebot auch technisch implementieren können. Es scheitert hierbei an Fachkompetenz und finanziellen Mitteln – beide Aspekte können nicht den Berater*innen vor Ort zum Vorwurf gemacht werden, es ist vielmehr ein strukturelles Problem, das in der Sozialen Arbeit immer wieder auftaucht.

Und beide Punkte lassen sich nicht kurzfristig lösen und so ist davon auszugehen, dass die bestehenden Onlineberatungsangebote in den nächsten Wochen vermehrte Nachfrage erleben werden. Viele Menschen, die verunsichert sind, werden alle möglichen Kanäle nutzen, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten – und so werden vermutlich auch in den Onlineberatungsstellen Fragestellungen auftauchen, die eigentlich in die (ohnehin schon überlastete) Hotline der Gesundheitsämter und ähnlicher Expert*innenangebote gehören.

(Hoch)Schulen machen sich Gedanken, wie sie ihr Lehrangebot online abbilden können. Größere und kleinere Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter*innen ins Homeoffice – eine sinnvolle und präventive Maßnahme. Aber was heißt das für die Berater*innen in den psychosozialen Beratungsstellen? Möglich wäre einiges, wenn Rahmenbedingungen und Infrastruktur hierfür geschaffen werden können (s. o.).

Deutschland zeigt gerade, zu was es fähig ist, wenn es will (oder muss) – ich wünsche mir, dass wir aus dieser Krise lernen und die kreativen Lösungen, die wir jetzt erarbeiten werden, nachhaltig und auch über den Pandemie-Zeitraum hinaus systematisch weiterentwickeln.

Onlinekurs „Systemische Onlineberatung“ beim praxis institut süd

Ich freue mich riesig darauf ab September beim praxis institut für systemische beratung süd einen Onlinekurs zur „Einführung in die systemische Onlineberatung“ anbieten zu dürfen.

Der Kurs umfasst 5 Module (50 EU) und findet ausschließlich online statt. Wir arbeiten auf einer Lernplattform und nutzen zudem einen virtuellen Kursraum für „live“-Seminare im Netz. Das wird spannend! 🙂

Messenger in der Onlineberatung

Zunächst einmal: Es heißt wirklich Messenger und nicht Messanger wie ich immer wieder an unterschiedlichsten Stellen lese. Messenger ist – wer hätte es gedacht 😉 – englisch und bedeutet nichts anderes als „Bote“ oder „Kurier“ es hat also mit der Message  (Nachricht), die die Botin zwar bringt, erstmal nur indirekt zu tun.

Im Laufe des letzten Jahres tauchte vermehrt die Fragestellung auf, ob und wie Messenger in der Onlineberatung eingesetzt werden (können). Diese Diskussion ist nicht zuletzt aufgrund der Tatsache entstanden, dass (private) Mailkommunikation, gerade bei jüngeren Altersgruppen, immer mehr abnimmt. Die Nutzung von Messengerdiensten, vor allem von WhatsApp hingegen ist auf einen neuen Höchststand angelangt. So wird WhatsApp von 91% der  14-29jährigen und von immerhin 81% der 30-49jährigen täglich genutzt (s. ARD/ZDF Onlinestudie 2019).

Insofern liegt die Frage nahe, wenn „Alle“ per Messenger kommunizieren, ob nicht auch künftig ein Teil der (Online)Beratung über diesen Kommunikationskanal stattfinden kann oder soll.

Zunächst einmal ist klar: Onlineberatung per WhatsApp geht natürlich aus Datenschutzgründen auf keinen Fall. Es braucht also eine sichere Alternative. Und da scheiden sich schon die Geister. Threema wird hier häufig herangeführt, ist aber im Gegensatz zu den anderen gängigen Messengern (z. B. Signal, Telegram) nicht kostenlos. Kann ich also Ratsuchenden zumuten, dass sich sich diesen Messenger überhaupt leisten?

So haben sich auch Onlineberatungssoftware-Anbieter an die Arbeit gemacht und sichere Messenger entwickelt, bzw. Tools, die für Ratsuchende auf dem Smartphone im „look and feel“ wie ein Messenger funktionieren, für die Beratenden allerdings als Desktopversion laufen.

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Denn das ist häufig die zweite Frage, die sich Berater*innen stellen: Heißt das, dass ich jetzt rund um die Uhr per Messenger und Smartphone für meine Klient*innen erreichbar sein muss?!
Nein, das heißt es nicht, denn das kann (in der Mehrzahl der Konstellationen) sicherlich nicht der Anspruch von einer psychosozialen Beratung sein – und ob dies überhaupt sinnvoll wäre sei zudem dahingestellt.

Es geht also vielmehr darum zu überlegen: Wie können wir Beratende auf das sich verändernde Onlinekommunikationsverhalten (potentieller) Ratsuchender reagieren. Und inwieweit lässt sich per Messenger eine Beratung überhaupt realisieren?

Ein häufiges „Problem“ hierbei ist aus meiner Sicht der fehlende Perspektivwechsel. Für Ratsuchende kann die Möglichkeit über einen Smartphone-Messenger dank mobilem Internet und Hotspots von nahezu jedem Ort aus eine Beratung in Anspruch zu nehmen ein großer Gewinn sein. Und nur weil unsereins vielleicht Schwierigkeiten hat, auf dem Display des Smartphones längere Nachrichten zu verfassen, so muss dies noch lange nicht für die Ratsuchenden gelten. Nicht zuletzt kann diese Schwierigkeit auch durch die Spracheingabefunktion des Smartphones umgangen werden und damit auch Zielgruppen einen Zugang zu einer textbasierten Beratung verschaffen, für die Schreiben eher hochschwellig ist.
Ebenso können Funktionen wie das Versenden von Bildern, Videos oder Sprachnachrichten die Möglichkeiten der Ratsuchenden, sich mitzuteilen, erweitern. Sie können so Tools verwenden, die sie häufig auch in ihrer privaten Kommunikation einsetzen und die ihnen vertraut und geläufig sind.

Für uns Beratende bedeutet dies zunächst einmal: Wir müssen uns umstellen. Wieder einmal. Nun hatten wir uns doch gerade daran gewöhnt mit Texten zu arbeiten und nun auch noch mit Bildern, Audios und Videos!? Oh Schreck! 🙂 Oder aber: Oh ja! Das könnte spannend werden!

Ich hoffe auf Letzteres und werde in den nächsten Wochen zu diesem Thema immer mal wieder etwas bloggen…

Kleiner Podcast zum Thema „Online-Supervision und Online-Coaching“

In dieser kleinen Podcastfolge teile ich ein paar Gedanken zum Thema „Online-Supervision und Online-Coaching“. Es geht vor allem um die Frage, wie ich als Supervisor*in oder Coach mein eigenes Angebot methodisch umsetzen kann und welche Besonderheiten sich bei einem online durchgeführten Coaching bzw. Supervisionskontakt ergeben können.

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Das eigene Mediennutzungsverhalten – eine Selbstreflexion

Gerade sitze ich im Zug auf dem Weg nach München. Auf den Ohren die Kopfhörer, um Musik zu hören, das Smartphone am Tisch im Lademodus und der Laptop vor der Nase, um diesen Blogbeitrag zu schreiben.

Tatsächlich entsteht dieser Beitrag, da ich ein wenig ein schlechtes Gewissen habe… Den Blog habe ich in den letzten Monaten zunehmend weniger bespielt, obwohl ich sogar extra vor einiger Zeit die Domain http://www.onlinecoachingblog.net gekauft habe, um auf den ganzen Werbekram hier verzichten zu können.

Ähnliches passiert auf meinem Twitteraccount, den ich eine ganze Weile doch recht intensiv genutzt habe und als eine gewinnbringende Möglichkeit empfunden habe, um kurze Mitteilungen los zu werden, über Themen und Menschen, die mich interessieren informiert zu bleiben und die Community zu nutzen, wenn eine Frage schnell geklärt werden sollte (noch nie hatte ich so schnell fünf mögliche Seminarräume in HH, wie in den 10 Minuten nachdem ich auf twitter nach Empfehlungen gefragt hatte!). Aber auch auf twitter bin ich inzwischen weniger aktiv, lese zwar noch hier und da mit, aber verfolge nicht mehr täglich, was in meiner timeline los ist.

Gestern Abend habe ich dann einen „Creator“-Account bei Instagram eröffnet. Das nächste Social Media Tool, dass ich nun mal teste und nutze. Teil des Problems oder Teil der Lösung? Diese Frage beschäftigt mich gerade und eine Antwort wird wohl erst in den nächsten Wochen entstehen. Gleichwohl frage ich mich, ob ich einfach nach einer Weile das Interesse an der Nutzung dieser Kanäle verliere oder ob es die Folge einer Überforderung durch zu viele Kommunikationskanäle ist. Wo muss und will ich überall dabei sein und worauf kann ich gut verzichten? Wo sind „die Anderen“ und was verpasse ich, wenn ich nicht dabei bin? Und wieviel Zeit will ich mit Social Media verbringen?

Hinter allem steckt natürlich mein berufliches und persönliches Interesse an (digitaler) Kommunikation und dem, was mit den unterschiedlichen Plattformen transportiert werden kann. So erlebe ich es gerade auch als eine ganz neue Herausforderung für Instagram eine Bildsprache zu entwickeln, die Menschen dazu anregt, die Texte zu lesen, die ich unter den Bildern poste. Und ich stelle fest, dass gerade Instagram für mich auch persönlich eine Funktion hat: Es verhält sich wie ein Photoalbum, in dem ich dokumentieren kann, was ich wo gemacht habe – erstmal ohne den Anspruch, dass es jemanden anderen interessieren mag.

Immerhin hat die Hinzunahme eines weiteren Social Media Kanals auch dazu geführt, dass ich mal wieder gebloggt habe 😉 Insofern: Schauen wir mal, was sich daraus in den nächsten Wochen und Monaten ergibt. Und wer mag: Folgen kann man mir auf Instagram natürlich auch (username: emily.m.engelhardt)

12. Fachforum Onlineberatung – Programm jetzt online

Am 16./17.09.2019 ist es wieder soweit: Zum 12. Mal veranstaltet das Institut für E-Beratung gemeinsam mit der Onlineberatung der Caritas, der BKE Onlineberatung, SEXTRA (pro familia) und der DGOB die größte Tagung zur Onlineberatung im deutschsprachigen Raum.

Unter der Überschrift „Soziale Innovation braucht Onlineberatung“ wird an zwei Tagen in Nürberg in Vorträgen und Workshops diskutiert und genetzwerkt. Weil ich jeden einzelnen Workshop richtig gut und empfehlenswert finde, hier die ganze Themenübersicht:

 Außerdem gibt es in diesem Jahr vor dem Start des Fachforums am Montagmorgen einen „Einsteiger-Workshop“ für Neulinge in der Onlineberatung, der von Petra Risau und Stefan Kühne angeboten wird.

Alle Infos zum Programm, den Referent*innen und das Anmeldeformular findet man unter www.fachforum-onlineberatung.de

Also: Anmelden und dabeisein!! 🙂

Meine eigene Onlineberatungs-Geschichte

Der erste Monat des Jahres 2019 ist fast schon wieder rum und ich habe festgestellt, dass ich dieses Jahr mit der Onlineberatung „volljährig“ werde. Vor genau 18 Jahren habe ich angefangen selbst online zu beraten. Die Zeit (im Netz) vergeht wie im Flug…

Ich erzähle meine eigene Onlineberatungs-Geschichte immer wieder mal in Seminaren oder bei Vorträgen, weil man meistens ja doch gefragt wird, wie lange man das selbst schon macht, über das man spricht. Ich erinnere mich ziemlich genau an meinen ersten Kontakt zur Onlineberatung, weil dieser eng verknüpft ist mit einem weltverändernden Ereignis: Dem 11. September 2001.

Ich saß zu dem Zeitpunkt in Kiel und grübelte über ein Thema für meine Magisterarbeit*. Mein Studienschwerpunktthema war Medienpädagogik und vor 18 Jahren gab es zwar auch schon das Internet, aber Vieles in der Medienpädagogik drehe sich auch noch um das Fernsehen. Es geschah also der 11. September 2001, der zu einem TV-Ereignis wurde, das dem der Mondlandung oder dem Attentat auf John F. Kennedy ziemlich nah kam. Jeder Sender berichtete – in ganz unterschiedlicher Ausprägung und Qualität. Rund um die Uhr konnte man live mitverfolgen, wie erst der eine und dann der andere Turm des World Trade Center, scheinbar wie ein Spielzeugmodell, in sich zusammenstürzten. Man war dabei, als das Pentagon angegriffen wurde und ein weiteres von Terroristen entführtes Flugzeug abstürzte. Es gab zu der Zeit noch kein Facebook oder twitter über das sich die Informationen hätten verbreiten können, wie es heute der Fall war.

Was hat das nun mit meiner Onlineberatung-Geschichte zu tun? Nun, es gab das Internet und es gab AltaVista und in eben jene Suchmaschine gab ich damals die folgenden Suchbegriffe ein: Kinder, Diskussion, 11. September 2001

Und es öffnete sich eine virtuelle Welt, die ich bis dato noch nicht kannte: Eine Onlineberatungsseite für Kinder und Jugendliche namens kids-hotline. Ich verlinke hier auf die Seite des Grimme-Online-Award, den wir mit der kids-hotline 2008 gewonnen haben, da es die kids-hotline inzwischen nicht mehr gibt (sie wurde 2014 mangels Finanzierungsmöglichkeiten vom Trägerverein Kinderschutz e. V. nach 15 Jahren „Betrieb“ geschlossen).

Die Suchmaschine hatte mich auf ein Beratungsforum gelenkt, in dem Jugendliche Beiträge eröffnet hatten, die sich mit den Ereignissen des 11. September 2001 beschäftigten. Ich war fasziniert von dieser Möglichkeit des Austausch unter Gleichaltrigen, begleitet durch professionelle (sozial)pädagogische Fachkräfte. Das Team bestand komplett aus Ehrenamtlichen und das Projekt selbst wurde so auch damals von den Gründern der Seite ehrenamtlich betrieben.

Zeitsprung ins Jahr 2006: Ich bin – nach einer kleinen Pause – weiter als ehrenamtliche Beraterin bei der kids-hotline tätig, die inzwischen so groß geworden ist, dass sie sich nicht mehr als kleines Projekt nebenbei betreiben ließ. Der Kinderschutz e. V. in München hatte vor ein paar Jahren die Trägerschaft übernommen und nun wurde eine hauptamtliche Leitung für die Beratungsstelle gesucht. Für mich ging es vom Norden in den Süden, nach München.

2008: Wir gewinnen den Grimme Online Award! In der Begründung der Jury heißt es:

„Erstmalig wird der Grimme Online Award an ein reines Beratungsangebot vergeben. Damit wird gezeigt, dass sich das publizistische Feld erweitert: Themen und Fragen werden von den Nutzern in hohem Maße selbst gesteuert. Gerade aufgrund dieser Nutzerorientierung entwickelt die Beratungsstelle „kids-hotline“ eine eigenständige und vorbildliche Funktion.“

Was für ein Wahnsinn! Im gleichen Jahr veranstalten wir zum ersten Mal mit der Fakultät Sozialwissenschaften der TH Nürnberg (damals noch Georg Simon Ohm Fachhochschule Nürnberg) das Fachforum Onlineberatung.

Nach viereinhalb Jahren als Leitung bei der kids-hotline zieht es mich zunächst für zwei in die „klassische Soziale Arbeit“ – eine wichtige Erfahrung und ganz ohne Onlineberatung!
Nebenbei war ich schon seit 2008 an der TH Nürnberg  in der Lehre tätig, da ich mit einer Kollegin das Konzept für eine studienbegleitende Weiterbildung zum*zur Onlineberater*in für Studierende der Sozialen Arbeit geschrieben und umgesetzt hatte. Und als inzwischen ausgebildete Supervisorin begann ich mein Wissen aus der Onlineberatung auf die Supervision zu übertragen und habe Online-Supervision angeboten.

2012: Gründung des Instituts für E-Beratung an der TH Nürnberg – ich darf als Geschäftsführerin das Institut strategisch aufbauen. Wir starten mit Weiterbildungskursen für externe Fachkräfte, Forschung rund um die Themen „Qualität“ oder „Unterstützung pflegender Angehöriger“ und helfen Einrichtungen ihr eigenes Onlineberatungsangebot zu realisieren.

Letztes Jahr dann noch ein echtes Highlight: Mein Lehrbuch Onlineberatung erscheint. Etwas, von dem ich insgeheim schon länger geträumt hatte, nämlich es einfach mal alles aufzuschreiben, war „einfach so“ passiert.

Jetzt also volljährig und ich überlege, wie ich das Ganze gebührend feiere… Beschenkt wurde ich eigentlich schon all die Jahre und insofern bin ich vor allem dankbar. Dieser zufällige Moment – entstanden aus einer der größten Katastrophen, die die Menschheit sich vorstellen konnte – hat mein berufliches (aber auch mein privates) Leben entscheidend geprägt und unglaublich spannend gemacht. So darf es weitergehen…

*Achso, die Magisterarbeit ging dann doch um’s Fernseh-Thema – das Wort Onlineberatung kommt darin kein einziges Mal vor 😉

Ausblick auf 2019

Das Jahr hat nur noch wenige Wochen und gefühlt begeben sich alle schon ein wenig in Winterschlaf. Ich sitze gerade im Zug nach Hannover zum „Netzwerk-Forschung“ der DGSv, das in Form eines barCamp stattfinden wird, um dort mit den anderen Teilnehmer*innen über die Nutzung digitaler Medien in der Supervision zu diskutieren. Aber danach ist auch für mich Schluss für dieses Jahr und Urlaub steht an 🙂

Bevor ich auf 2019 blicke, ein kurzer Rückblick auf das Jahr 2018. Es ist viel passiert in Sachen Digitalisierung & Mediatisierung der Beratung (Supervision und Coaching mit gedacht!). Zwei persönliche Highlights waren für mich dieses Jahr das 11. Fachforum Onlineberatung, das wir mit über 200 Teilnehmer*innen im September in Nürnberg veranstaltet haben. Und natürlich die Veröffentlichung meines Lehrbuchs Onlineberatung bei Vandenhoeck & Ruprecht im Herbst diesen Jahres.

Insgesamt nehme ich wahr, dass dieses Jahr an vielen Ecken und Enden sehr intensiv über das Thema „Digitalisierung“ diskutiert wurde. In zahlreichen Tagungen tauchte das Thema im Titel auf und in Arbeitskreisen etc. wurde das Thema aufgegriffen. Unklar ist für mich noch die Ausrichtung: Wird konstruktiv, zukunftsgerichtet und mit Offenheit gegenüber neuen Technologien diskutiert oder eher auf Defizite und mögliche Gefahren hingewiesen? Ersteres würde ich mir wünschen und das ist dann auch der Ausblick für 2019 – oder der Wunsch für das neue Jahr: Mehr mutige Ideen und das Umsetzen dieser!

Der Kalender für 2019 ist schon ganz schön voll, aber auf ein paar Veranstaltungen freue ich mich schon jetzt ganz besonders:

Wir werden zum 11. Mal unsere Weiterbildung zum*r zertifizierten Onlineberater*in anbieten. Im März startet ein Kurs und ein nächster dann im Oktober. Alle Infos dazu gibt es hier

Im April findet die Frühjahrstagung der DGSF zum Thema „Systemische Praxis und Lehre im digitalen Wandel!? – Aufgaben, Perspektiven und Chancen“ statt. Hierbei wird nun auch endlich die Frage der Qualifizierung von (systemischen) Berater*innen thematisiert.

Gespannt bin ich auch auf die zweitägige Veranstaltung in Kiel, die ich im Juni beim Paritätischen Schleswig-Holstein leiten darf und bei der sich dezidiert Führungskräfte zur Digitalisierung der Beratung in Form eines Workshops informieren (und entscheiden!) können.

Und dann steht natürlich im September (16./17.09.2019) wieder das Fachforum Onlineberatung an – das Programm hierzu sollte im Mai auf der Webseite des Instituts für E-Beratung online stehen.

Ich wünsche allen Leser*innen hier eine gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Start in das Jahr 2019!