Archiv der Kategorie: Online-Supervision

Neue Podcast-Episode zum Thema „Was ist Mailberatung?“

Heute gibt es eine neue Podcastfolge zum Thema „Was ist Mailberatung?“ Was genau ist Onlineberatung per Mail und worauf muss man vor allem technisch achten? Es geht um die Besonderheiten dieser Form der Onlineberatungs-Kommunikation und die Achtsamkeit des Wortes – online wie offline.

3AE3F6D1-F7B8-4866-8695-15B3B6475263

Bitte kein digitaler Aktionismus – Beratung in Krisenzeiten!

Seit gestern steht nun fest, in Deutschland wird sich in den nächsten Wochen das öffentliche Leben auf das Nötigste reduzieren – Ausgang offen. Dies hat massive Auswirkungen auch auf Beratungsstellen und therapeutische Praxen.

Menschen, die Rat, Hilfe, Unterstützung und (therapeutische) Begleitung brauchen werden diese in den nächsten Wochen weniger Möglichkeiten haben, diese Angebote in Anspruch zu nehmen. Sei es, weil sie unter häuslicher Quarantäne stehen oder Angst haben, sich ins öffentliche Leben zu begeben oder aber weil zumindest denkbar ist, dass auch Beratungsstellen in den nächsten Wochen ihren Präsenzbetrieb zeitweilig einstellen oder reduzieren müssen (Eltern, die daheim bleiben müssen, um Kinder zu betreuen usw.).

Und so entwickeln sich derzeit auch viele Überlegungen, wie in der aktuellen Situation reagiert werden kann. Das ist gut und es ist naheliegend, dass nun auch Einrichtungen/Fachkräfte, die Onlineberatung bislang für sich nicht in Betracht gezogen haben, sich nun mit der Frage beschäftigen, wie sie ab kommender Woche für ihre Klientel auch über digitale Wege erreichbar sind.

Doch hier müssen wir jetzt aufpassen: Bitte kein digitaler Aktionismus!! Wenn ab Montag „alle einfach mal online gehen“ setzen wir damit zwei fatale Signale:

  1. Onlineberatung kann man einfach so per (unverschlüsselter) Mail, Chat, Messenger oder Video machen – das ist nicht der Fall! Auch (und gerade) in Zeiten der Krise benötigen wir verlässliche und sichere Kommunikationskanäle. Denn die Regeln des Datenschutzes (DSGVO) und die gesetzlichen Regelungen für ganz bestimmte Berufsgruppen (und dazu gehören in der Regel alle Berater*innen in den einschlägigen Beratungsstellen, Stichwort §203 StGB) ändern sich nicht aufgrund einer weltweiten Pandemie.
  2. Jede*r der*die Beratung kann, kann auch einfach Onlineberatung – auch das ist nicht richtig! Onlineberatung benötigt besondere Kompetenzen, die zunächst erlernt werden müssen. Auch face-to-face Beratung wurde vorher gelernt – wir setzen jetzt ja auch nicht Maschinenbauingenieur*innen oder Bäckermeister*innen  in die psychosoziale Krisenberatung, nur weil diese vielleicht gut reden können.

Wenn sich diese beiden Vorstellungen in den Köpfen derer, die Entscheidungen treffen müssen, verfestigen, hat dies dramatische Auswirkungen auf die Qualität und Sicherheit von Beratung.

Wir brauchen also – wie in allen anderen Felder die aktuell von der Pandemie und der daraus resultierenden Krise betroffen sind – besonnene und durchdachte Lösungen. Datenschutzhinweise können nicht aufgeweicht werden, Beratungskompetenz darf nicht reduziert werden.

Das was wir jetzt gerade in der Sozialwirtschaft erleben ist ein weiterer Hinweis dafür, was langfristig wird passieren müssen: Plattformökonomie.

Doch was gibt es jetzt für kurzfristige Lösungen: Meine Empfehlung wäre, dass die, die über Onlineberatungskompetenzen verfügen, diese nun verstärkt anbieten und einsetzen. Gleichzeitig halte ich es für vertretbar, wenn nicht für Onlineberatung qualifizierte Berater*innen per datensicherer/verschlüsselter Videoberatung ein Angebot zur Verfügung stellen. Es gibt hierfür technisch sichere Lösungen – es kommt darauf an, dass die Kommunikation verschlüsselt stattfindet, so wenig Daten wir möglich gespeichert werden und der Serverstandort möglichst in Deutschland ist. Weitere Anregungen und Empfehlungen für sichere Kommunikationswege gibt es hier (klick)

Ärzte, die Videosprechstunden anbieten können hier Hinweise für gute Softwarelösungen geben. Auch Videoberatung ist nicht Face-to-Face Beratung. Ich halte dies aber insofern für vertretbar, da Kommunikation in Form eines mündlichen Gesprächs stattfindet und dafür sind Beratungsfachkräfte gut ausgebildet. Weitere (methodische) Hinweise zur Videoberatung gibt es hier (klick)

Und ganz wichtig: Wir dürfen jetzt nicht die vergessen, für die ein Onlinekanal – aus welchen Gründen auch immer – nicht erreichbar oder nutzbar ist. „Einfach“ auf Onlineberatung umzusteigen bedeutet auch, dass wir viele Menschen allein lassen, für die nur eine face-to-face Beratung in Frage kommt. Onlinekommunikation, ob textbasiert oder per Video, hat Begrenzungen. Wir dürfen nicht vergessen, dass gerade jetzt für manche Menschen der Rückzug aus dem öffentlichen Raum auch höchst problematische Folgen haben kann, die nicht (ausschließlich) online „aufgefangen“ werden können.

Es braucht also mehr als eine Lösung. Eine gemeinsame Plattform der großen Träger, über die Beratungsangebote unterschiedlichster Art bereitgestellt und koordiniert werden…das wär’s, finde ich.

Beratung in Zeiten der Pandemie…

Es ist erstaunlich, was gerade passiert. Wir erleben weltweit eine der größten Gesundheitskatastrophen der letzten Jahrzehnte und noch ist nicht klar, wie und wann das Ganze enden wird. Neben Hysterie und unerklärlichen Toilettenpapier-Hamsterkäufen passieren gerade im Netz momentan spannende Dinge.

Natürlich lebe ich in meiner Twitter-Bubble – die Accounts, denen ich folge, werden in der Regel von netzaffinen Menschen betrieben, die sich mit der Frage beschäftigen, wie die Digitalisierung, insbesondere in der Sozialen Arbeit, menschlich und sinnstiftend gestaltet werden kann. Das was ich da beobachte ist eine Mischung aus Solidaritätsaktionen (wie die #NachbarschaftsChallenge die Benedikt Geyer von Natascha Strobl aufgegriffen hat) und konstruktiven Ideenpools, die sich mit der Beantwortung der Frage beschäftigen, wie wir unsere Erwerbsarbeit in Zeiten von Covid-19 und der heute von der WHO ausgerufenen Pandemie digital gestalten können.

Diese Frage betrifft natürlich auch in besonderem Maße das Arbeitsfeld von Berater*innen und Therapeut*innen. Unsere Klientel ist auch weiterhin auf Beratung/Begleitung/Unterstützung angewiesen – vielleicht gerade jetzt. Und häufig haben wir es hierbei auch mit Menschen zu tun, die aus unterschiedlichsten Gründen zu den sogenannten Risikogruppen gehören, für die die aktuelle Situation besonders schwer zu bewältigen ist.

Was also tun? Es liegt nahe auch Beratungsgespräche in den virtuellen Raum zu verlegen und damit sicher zu stellen, dass Menschen, die gerade jetzt unsere Hilfe und Unterstützung benötigen, diese weiterhin in Anspruch nehmen können.

Nun tauchen aber zwei Probleme auf, für die es eine schnelle Lösung braucht: Auf der einen Seite benötigen Beratungsstellen – sofern sie nicht bereits Onlineberatung anbieten –  eine geeignete technische Ausstattung. Auch wenn wir uns in einer Krisensituation befinden, die manche auch als „Ausnahmesituation“ interpretieren, gelten weiterhin die wichtigen Grundsätze der Beratung, wie Vertraulichkeit des Wortes und Datenschutz.  Auf der anderen Seite müssen Berater*innen in der Lage sein, Software und Hardware zu bedienen und ihre Beratungskompetenzen auch im virtuellen Raum methodisch fundiert einzusetzen. Und dann braucht es in den Einrichtungen Menschen, die ein Onlineberatungsangebot auch technisch implementieren können. Es scheitert hierbei an Fachkompetenz und finanziellen Mitteln – beide Aspekte können nicht den Berater*innen vor Ort zum Vorwurf gemacht werden, es ist vielmehr ein strukturelles Problem, das in der Sozialen Arbeit immer wieder auftaucht.

Und beide Punkte lassen sich nicht kurzfristig lösen und so ist davon auszugehen, dass die bestehenden Onlineberatungsangebote in den nächsten Wochen vermehrte Nachfrage erleben werden. Viele Menschen, die verunsichert sind, werden alle möglichen Kanäle nutzen, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten – und so werden vermutlich auch in den Onlineberatungsstellen Fragestellungen auftauchen, die eigentlich in die (ohnehin schon überlastete) Hotline der Gesundheitsämter und ähnlicher Expert*innenangebote gehören.

(Hoch)Schulen machen sich Gedanken, wie sie ihr Lehrangebot online abbilden können. Größere und kleinere Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter*innen ins Homeoffice – eine sinnvolle und präventive Maßnahme. Aber was heißt das für die Berater*innen in den psychosozialen Beratungsstellen? Möglich wäre einiges, wenn Rahmenbedingungen und Infrastruktur hierfür geschaffen werden können (s. o.).

Deutschland zeigt gerade, zu was es fähig ist, wenn es will (oder muss) – ich wünsche mir, dass wir aus dieser Krise lernen und die kreativen Lösungen, die wir jetzt erarbeiten werden, nachhaltig und auch über den Pandemie-Zeitraum hinaus systematisch weiterentwickeln.

Beratung via Messenger – und wie mache ich das jetzt!?

Grundvoraussetzung für eine vertrauliche Onlineberatung per Messenger ist zunächst einmal das Verwenden einer sicheren Softwarelösung. Und das ist in der Tat momentan oftmals noch das Problem: Welches Tool kann ich eigentlich guten Gewissens verwenden? Ich bitte um Verständnis, dass ich hier keine Empfehlungen für ein Produkt abgeben kann und will. Ich mache keine Werbung für Softwarefirmen und ich kann auch nicht sicherstellen, dass ein Tool, dass ich heute empfehle, in ein paar Monaten oder Jahren vielleicht gänzlich ungeeignet ist.

Daher nur soviel: Als Anbieter*in eines vertraulichen Beratungsgesprächs muss ich dafür Sorge tragen, dass der Gesprächsinhalt nicht von Dritten mitgelesen werden kann. Bei der Suche nach einem geeigneten Messenger, sollte dieser also vor allem in Hinblick auf seinen Umgang im Verschlüsseln und Speichern (bzw. Nicht-Speichern) von Daten geprüft werden. Einige gute Hinweise finden sich zudem in den Handlungsempfehlungen für die Praxis aus der Studie „Face-to-Face und mehr – neue Modelle für Mediennutzung in der Beratung“ der FH Nordwestschweiz (Prof.’in Martina Hörmann).

background-blank-business-commerce-583847

Neben der Frage nach der Technik geht es vor allem aber um die Frage des „Wie“. Wie kann per Messenger Beratung gestaltet werden? Die Kommunikation mittels eines Messengers zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. Zum einen kann ein ständiger Wechsel zwischen asynchroner und quasi-synchroner Kommunikation stattfinden, da ich im Messenger sowohl „chatten“ kann, als auch wie bei einer Mail zwischen den Antworten größere Zeitabstände liegen können. Während bei einer Mail klar ist, dass es etwas dauern kann, bis eine Rückantwort kommt und beim Beratungs-Chat ebenso vereinbart ist „nun sind wir beide die nächste Stunde miteinander im Gespräch“, müssen diese Regeln via Messenger neu verhandelt werden. Es ist – schaut man auf die private Messengerkommunikation – ein ungeschriebenes Gesetz, dass alles möglich ist: Entweder ich bekomme gleich eine Antwort von meinem*meiner Gesprächspartner*in oder aber, es kann auch ein paar Stunden, Tage oder gar Wochen dauern. Und dies scheint so auch akzeptiert.

Für die Beratung braucht es hier jedoch Absprachen. Ich muss als Berater*in also den Prozess strukturieren und steuern und deutlich machen, wie das Beratungsgespräch bzw. der Beratungsprozess via Messenger „laufen“ soll. Sonst kommt es schneller zur größeren Missverständnissen, die das Gespräch stören.

Es ist also nicht zuletzt um auch eigene Grenzen zu setzen und keine Dauererreichbarkeit zu suggerieren, notwendig für die Beratung im Messenger klare Regeln zu vereinbaren. Dies kann durch eine Terminierung für einen Chat im Messenger geschehen oder durch klare Absprachen, wann mit der nächsten Antwort des Beraters*der Beraterin zu rechnen ist.

Was methodisch via Messenger alles möglich ist kommt in einem gesonderten Beitrag in Kürze!

Messenger in der Onlineberatung

Zunächst einmal: Es heißt wirklich Messenger und nicht Messanger wie ich immer wieder an unterschiedlichsten Stellen lese. Messenger ist – wer hätte es gedacht 😉 – englisch und bedeutet nichts anderes als „Bote“ oder „Kurier“ es hat also mit der Message  (Nachricht), die die Botin zwar bringt, erstmal nur indirekt zu tun.

Im Laufe des letzten Jahres tauchte vermehrt die Fragestellung auf, ob und wie Messenger in der Onlineberatung eingesetzt werden (können). Diese Diskussion ist nicht zuletzt aufgrund der Tatsache entstanden, dass (private) Mailkommunikation, gerade bei jüngeren Altersgruppen, immer mehr abnimmt. Die Nutzung von Messengerdiensten, vor allem von WhatsApp hingegen ist auf einen neuen Höchststand angelangt. So wird WhatsApp von 91% der  14-29jährigen und von immerhin 81% der 30-49jährigen täglich genutzt (s. ARD/ZDF Onlinestudie 2019).

Insofern liegt die Frage nahe, wenn „Alle“ per Messenger kommunizieren, ob nicht auch künftig ein Teil der (Online)Beratung über diesen Kommunikationskanal stattfinden kann oder soll.

Zunächst einmal ist klar: Onlineberatung per WhatsApp geht natürlich aus Datenschutzgründen auf keinen Fall. Es braucht also eine sichere Alternative. Und da scheiden sich schon die Geister. Threema wird hier häufig herangeführt, ist aber im Gegensatz zu den anderen gängigen Messengern (z. B. Signal, Telegram) nicht kostenlos. Kann ich also Ratsuchenden zumuten, dass sich sich diesen Messenger überhaupt leisten?

So haben sich auch Onlineberatungssoftware-Anbieter an die Arbeit gemacht und sichere Messenger entwickelt, bzw. Tools, die für Ratsuchende auf dem Smartphone im „look and feel“ wie ein Messenger funktionieren, für die Beratenden allerdings als Desktopversion laufen.

4FA45D6A-8299-4CCA-86F1-735004A754B4_1_201_a

Denn das ist häufig die zweite Frage, die sich Berater*innen stellen: Heißt das, dass ich jetzt rund um die Uhr per Messenger und Smartphone für meine Klient*innen erreichbar sein muss?!
Nein, das heißt es nicht, denn das kann (in der Mehrzahl der Konstellationen) sicherlich nicht der Anspruch von einer psychosozialen Beratung sein – und ob dies überhaupt sinnvoll wäre sei zudem dahingestellt.

Es geht also vielmehr darum zu überlegen: Wie können wir Beratende auf das sich verändernde Onlinekommunikationsverhalten (potentieller) Ratsuchender reagieren. Und inwieweit lässt sich per Messenger eine Beratung überhaupt realisieren?

Ein häufiges „Problem“ hierbei ist aus meiner Sicht der fehlende Perspektivwechsel. Für Ratsuchende kann die Möglichkeit über einen Smartphone-Messenger dank mobilem Internet und Hotspots von nahezu jedem Ort aus eine Beratung in Anspruch zu nehmen ein großer Gewinn sein. Und nur weil unsereins vielleicht Schwierigkeiten hat, auf dem Display des Smartphones längere Nachrichten zu verfassen, so muss dies noch lange nicht für die Ratsuchenden gelten. Nicht zuletzt kann diese Schwierigkeit auch durch die Spracheingabefunktion des Smartphones umgangen werden und damit auch Zielgruppen einen Zugang zu einer textbasierten Beratung verschaffen, für die Schreiben eher hochschwellig ist.
Ebenso können Funktionen wie das Versenden von Bildern, Videos oder Sprachnachrichten die Möglichkeiten der Ratsuchenden, sich mitzuteilen, erweitern. Sie können so Tools verwenden, die sie häufig auch in ihrer privaten Kommunikation einsetzen und die ihnen vertraut und geläufig sind.

Für uns Beratende bedeutet dies zunächst einmal: Wir müssen uns umstellen. Wieder einmal. Nun hatten wir uns doch gerade daran gewöhnt mit Texten zu arbeiten und nun auch noch mit Bildern, Audios und Videos!? Oh Schreck! 🙂 Oder aber: Oh ja! Das könnte spannend werden!

Ich hoffe auf Letzteres und werde in den nächsten Wochen zu diesem Thema immer mal wieder etwas bloggen…

Kleiner Podcast zum Thema „Online-Supervision und Online-Coaching“

In dieser kleinen Podcastfolge teile ich ein paar Gedanken zum Thema „Online-Supervision und Online-Coaching“. Es geht vor allem um die Frage, wie ich als Supervisor*in oder Coach mein eigenes Angebot methodisch umsetzen kann und welche Besonderheiten sich bei einem online durchgeführten Coaching bzw. Supervisionskontakt ergeben können.

C538B7FD-FFB4-4E4D-B21C-85DA8C2F0ED5

Fragwürdige Beratungsanfrage – ein paar Gedanken zu sogenannten „fakes“ in der Onlineberatung

Ich hatte einige sehr spannende Supervisionsaufträge in den letzten Wochen und ich nehme als Supervisorin auch immer etwas mit. Dieses Mal eine neue Beschreibung für Anfragen oder Situationen in der Onlineberatung bei denen der Eindruck entsteht, dass das Geschriebene nicht der „Wahrheit“ entspricht.

Häufig höre ich dann in diesem Zusammengang den Begriff „fake“, den ich selbst nicht passend finde, da ein „fake“ in meinem Verständnis eine ganz bewusste Täuschung ist, die im Kern auch etwas bösartiges hat oder zumindest auf Kosten anderer Beteiligter stattfindet,

Eine Teilnehmer*in in der Supervision brachte die Beschreibung einer „fragwürdigen Anfrage“ ein und um diese Beschreibung sind wir länger gekreist.
Ich finde sie treffend, weil sie einen Moment beschreibt, in dem ich eine Anfrage als besonders würdig zu be- und hinterfragen empfinde. Dies ist übrigens auch die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „fragwürdig“: Etwas lädt zu einer Frage ein. Und wenn man bei dieser Ursprungsbedeutung bleibt, bietet sie eine ganz neue Perspektive auf das Geschriebene.

Es geht also nicht um negative Zuschreibungen und Bewertungen („Da will mich doch jemand verarschen“) dessen, was mir die Ratsuchende Person geschrieben hat, sondern vielmehr darum, dass ich meine Resonanz auf das Geschriebene ganz besonders würdige und be-/hinterfrage.

Das wird eine feste Beschreibung für mich – bis jemand eine bessere bringt!

Kleiner Podcast zum Thema „Vielschreibende Ratsuchende“

Da ich in den letzten Wochen in verschiedenen Supervisionskontexten mit Onlineberater*innen immer wieder mit dem Thema „Wie gehen wir mit Klient*innen um, die viel schreiben“ konfrontiert wurde, habe ich hierzu mal einen kleinen Podcast aufgenommen.

Ein paar Ideen und Anregungen stecken darin, vor allem aber ein paar Impulse zur Selbstreflexion. Vielleicht sind „Vielschreiber*innen“ ja auch richtig tolle Ratsuchende 😉

Viel Spaß beim Zuhören!

Meine eigene Onlineberatungs-Geschichte

Der erste Monat des Jahres 2019 ist fast schon wieder rum und ich habe festgestellt, dass ich dieses Jahr mit der Onlineberatung „volljährig“ werde. Vor genau 18 Jahren habe ich angefangen selbst online zu beraten. Die Zeit (im Netz) vergeht wie im Flug…

Ich erzähle meine eigene Onlineberatungs-Geschichte immer wieder mal in Seminaren oder bei Vorträgen, weil man meistens ja doch gefragt wird, wie lange man das selbst schon macht, über das man spricht. Ich erinnere mich ziemlich genau an meinen ersten Kontakt zur Onlineberatung, weil dieser eng verknüpft ist mit einem weltverändernden Ereignis: Dem 11. September 2001.

Ich saß zu dem Zeitpunkt in Kiel und grübelte über ein Thema für meine Magisterarbeit*. Mein Studienschwerpunktthema war Medienpädagogik und vor 18 Jahren gab es zwar auch schon das Internet, aber Vieles in der Medienpädagogik drehe sich auch noch um das Fernsehen. Es geschah also der 11. September 2001, der zu einem TV-Ereignis wurde, das dem der Mondlandung oder dem Attentat auf John F. Kennedy ziemlich nah kam. Jeder Sender berichtete – in ganz unterschiedlicher Ausprägung und Qualität. Rund um die Uhr konnte man live mitverfolgen, wie erst der eine und dann der andere Turm des World Trade Center, scheinbar wie ein Spielzeugmodell, in sich zusammenstürzten. Man war dabei, als das Pentagon angegriffen wurde und ein weiteres von Terroristen entführtes Flugzeug abstürzte. Es gab zu der Zeit noch kein Facebook oder twitter über das sich die Informationen hätten verbreiten können, wie es heute der Fall war.

Was hat das nun mit meiner Onlineberatung-Geschichte zu tun? Nun, es gab das Internet und es gab AltaVista und in eben jene Suchmaschine gab ich damals die folgenden Suchbegriffe ein: Kinder, Diskussion, 11. September 2001

Und es öffnete sich eine virtuelle Welt, die ich bis dato noch nicht kannte: Eine Onlineberatungsseite für Kinder und Jugendliche namens kids-hotline. Ich verlinke hier auf die Seite des Grimme-Online-Award, den wir mit der kids-hotline 2008 gewonnen haben, da es die kids-hotline inzwischen nicht mehr gibt (sie wurde 2014 mangels Finanzierungsmöglichkeiten vom Trägerverein Kinderschutz e. V. nach 15 Jahren „Betrieb“ geschlossen).

Die Suchmaschine hatte mich auf ein Beratungsforum gelenkt, in dem Jugendliche Beiträge eröffnet hatten, die sich mit den Ereignissen des 11. September 2001 beschäftigten. Ich war fasziniert von dieser Möglichkeit des Austausch unter Gleichaltrigen, begleitet durch professionelle (sozial)pädagogische Fachkräfte. Das Team bestand komplett aus Ehrenamtlichen und das Projekt selbst wurde so auch damals von den Gründern der Seite ehrenamtlich betrieben.

Zeitsprung ins Jahr 2006: Ich bin – nach einer kleinen Pause – weiter als ehrenamtliche Beraterin bei der kids-hotline tätig, die inzwischen so groß geworden ist, dass sie sich nicht mehr als kleines Projekt nebenbei betreiben ließ. Der Kinderschutz e. V. in München hatte vor ein paar Jahren die Trägerschaft übernommen und nun wurde eine hauptamtliche Leitung für die Beratungsstelle gesucht. Für mich ging es vom Norden in den Süden, nach München.

2008: Wir gewinnen den Grimme Online Award! In der Begründung der Jury heißt es:

„Erstmalig wird der Grimme Online Award an ein reines Beratungsangebot vergeben. Damit wird gezeigt, dass sich das publizistische Feld erweitert: Themen und Fragen werden von den Nutzern in hohem Maße selbst gesteuert. Gerade aufgrund dieser Nutzerorientierung entwickelt die Beratungsstelle „kids-hotline“ eine eigenständige und vorbildliche Funktion.“

Was für ein Wahnsinn! Im gleichen Jahr veranstalten wir zum ersten Mal mit der Fakultät Sozialwissenschaften der TH Nürnberg (damals noch Georg Simon Ohm Fachhochschule Nürnberg) das Fachforum Onlineberatung.

Nach viereinhalb Jahren als Leitung bei der kids-hotline zieht es mich zunächst für zwei in die „klassische Soziale Arbeit“ – eine wichtige Erfahrung und ganz ohne Onlineberatung!
Nebenbei war ich schon seit 2008 an der TH Nürnberg  in der Lehre tätig, da ich mit einer Kollegin das Konzept für eine studienbegleitende Weiterbildung zum*zur Onlineberater*in für Studierende der Sozialen Arbeit geschrieben und umgesetzt hatte. Und als inzwischen ausgebildete Supervisorin begann ich mein Wissen aus der Onlineberatung auf die Supervision zu übertragen und habe Online-Supervision angeboten.

2012: Gründung des Instituts für E-Beratung an der TH Nürnberg – ich darf als Geschäftsführerin das Institut strategisch aufbauen. Wir starten mit Weiterbildungskursen für externe Fachkräfte, Forschung rund um die Themen „Qualität“ oder „Unterstützung pflegender Angehöriger“ und helfen Einrichtungen ihr eigenes Onlineberatungsangebot zu realisieren.

Letztes Jahr dann noch ein echtes Highlight: Mein Lehrbuch Onlineberatung erscheint. Etwas, von dem ich insgeheim schon länger geträumt hatte, nämlich es einfach mal alles aufzuschreiben, war „einfach so“ passiert.

Jetzt also volljährig und ich überlege, wie ich das Ganze gebührend feiere… Beschenkt wurde ich eigentlich schon all die Jahre und insofern bin ich vor allem dankbar. Dieser zufällige Moment – entstanden aus einer der größten Katastrophen, die die Menschheit sich vorstellen konnte – hat mein berufliches (aber auch mein privates) Leben entscheidend geprägt und unglaublich spannend gemacht. So darf es weitergehen…

*Achso, die Magisterarbeit ging dann doch um’s Fernseh-Thema – das Wort Onlineberatung kommt darin kein einziges Mal vor 😉

Ausblick auf 2019

Das Jahr hat nur noch wenige Wochen und gefühlt begeben sich alle schon ein wenig in Winterschlaf. Ich sitze gerade im Zug nach Hannover zum „Netzwerk-Forschung“ der DGSv, das in Form eines barCamp stattfinden wird, um dort mit den anderen Teilnehmer*innen über die Nutzung digitaler Medien in der Supervision zu diskutieren. Aber danach ist auch für mich Schluss für dieses Jahr und Urlaub steht an 🙂

Bevor ich auf 2019 blicke, ein kurzer Rückblick auf das Jahr 2018. Es ist viel passiert in Sachen Digitalisierung & Mediatisierung der Beratung (Supervision und Coaching mit gedacht!). Zwei persönliche Highlights waren für mich dieses Jahr das 11. Fachforum Onlineberatung, das wir mit über 200 Teilnehmer*innen im September in Nürnberg veranstaltet haben. Und natürlich die Veröffentlichung meines Lehrbuchs Onlineberatung bei Vandenhoeck & Ruprecht im Herbst diesen Jahres.

Insgesamt nehme ich wahr, dass dieses Jahr an vielen Ecken und Enden sehr intensiv über das Thema „Digitalisierung“ diskutiert wurde. In zahlreichen Tagungen tauchte das Thema im Titel auf und in Arbeitskreisen etc. wurde das Thema aufgegriffen. Unklar ist für mich noch die Ausrichtung: Wird konstruktiv, zukunftsgerichtet und mit Offenheit gegenüber neuen Technologien diskutiert oder eher auf Defizite und mögliche Gefahren hingewiesen? Ersteres würde ich mir wünschen und das ist dann auch der Ausblick für 2019 – oder der Wunsch für das neue Jahr: Mehr mutige Ideen und das Umsetzen dieser!

Der Kalender für 2019 ist schon ganz schön voll, aber auf ein paar Veranstaltungen freue ich mich schon jetzt ganz besonders:

Wir werden zum 11. Mal unsere Weiterbildung zum*r zertifizierten Onlineberater*in anbieten. Im März startet ein Kurs und ein nächster dann im Oktober. Alle Infos dazu gibt es hier

Im April findet die Frühjahrstagung der DGSF zum Thema „Systemische Praxis und Lehre im digitalen Wandel!? – Aufgaben, Perspektiven und Chancen“ statt. Hierbei wird nun auch endlich die Frage der Qualifizierung von (systemischen) Berater*innen thematisiert.

Gespannt bin ich auch auf die zweitägige Veranstaltung in Kiel, die ich im Juni beim Paritätischen Schleswig-Holstein leiten darf und bei der sich dezidiert Führungskräfte zur Digitalisierung der Beratung in Form eines Workshops informieren (und entscheiden!) können.

Und dann steht natürlich im September (16./17.09.2019) wieder das Fachforum Onlineberatung an – das Programm hierzu sollte im Mai auf der Webseite des Instituts für E-Beratung online stehen.

Ich wünsche allen Leser*innen hier eine gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Start in das Jahr 2019!