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Beratung via Messenger – und wie mache ich das jetzt!?

Grundvoraussetzung für eine vertrauliche Onlineberatung per Messenger ist zunächst einmal das Verwenden einer sicheren Softwarelösung. Und das ist in der Tat momentan oftmals noch das Problem: Welches Tool kann ich eigentlich guten Gewissens verwenden? Ich bitte um Verständnis, dass ich hier keine Empfehlungen für ein Produkt abgeben kann und will. Ich mache keine Werbung für Softwarefirmen und ich kann auch nicht sicherstellen, dass ein Tool, dass ich heute empfehle, in ein paar Monaten oder Jahren vielleicht gänzlich ungeeignet ist.

Daher nur soviel: Als Anbieter*in eines vertraulichen Beratungsgesprächs muss ich dafür Sorge tragen, dass der Gesprächsinhalt nicht von Dritten mitgelesen werden kann. Bei der Suche nach einem geeigneten Messenger, sollte dieser also vor allem in Hinblick auf seinen Umgang im Verschlüsseln und Speichern (bzw. Nicht-Speichern) von Daten geprüft werden. Einige gute Hinweise finden sich zudem in den Handlungsempfehlungen für die Praxis aus der Studie „Face-to-Face und mehr – neue Modelle für Mediennutzung in der Beratung“ der FH Nordwestschweiz (Prof.’in Martina Hörmann).

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Neben der Frage nach der Technik geht es vor allem aber um die Frage des „Wie“. Wie kann per Messenger Beratung gestaltet werden? Die Kommunikation mittels eines Messengers zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. Zum einen kann ein ständiger Wechsel zwischen asynchroner und quasi-synchroner Kommunikation stattfinden, da ich im Messenger sowohl „chatten“ kann, als auch wie bei einer Mail zwischen den Antworten größere Zeitabstände liegen können. Während bei einer Mail klar ist, dass es etwas dauern kann, bis eine Rückantwort kommt und beim Beratungs-Chat ebenso vereinbart ist „nun sind wir beide die nächste Stunde miteinander im Gespräch“, müssen diese Regeln via Messenger neu verhandelt werden. Es ist – schaut man auf die private Messengerkommunikation – ein ungeschriebenes Gesetz, dass alles möglich ist: Entweder ich bekomme gleich eine Antwort von meinem*meiner Gesprächspartner*in oder aber, es kann auch ein paar Stunden, Tage oder gar Wochen dauern. Und dies scheint so auch akzeptiert.

Für die Beratung braucht es hier jedoch Absprachen. Ich muss als Berater*in also den Prozess strukturieren und steuern und deutlich machen, wie das Beratungsgespräch bzw. der Beratungsprozess via Messenger „laufen“ soll. Sonst kommt es schneller zur größeren Missverständnissen, die das Gespräch stören.

Es ist also nicht zuletzt um auch eigene Grenzen zu setzen und keine Dauererreichbarkeit zu suggerieren, notwendig für die Beratung im Messenger klare Regeln zu vereinbaren. Dies kann durch eine Terminierung für einen Chat im Messenger geschehen oder durch klare Absprachen, wann mit der nächsten Antwort des Beraters*der Beraterin zu rechnen ist.

Was methodisch via Messenger alles möglich ist kommt in einem gesonderten Beitrag in Kürze!

Messenger in der Onlineberatung

Zunächst einmal: Es heißt wirklich Messenger und nicht Messanger wie ich immer wieder an unterschiedlichsten Stellen lese. Messenger ist – wer hätte es gedacht 😉 – englisch und bedeutet nichts anderes als „Bote“ oder „Kurier“ es hat also mit der Message  (Nachricht), die die Botin zwar bringt, erstmal nur indirekt zu tun.

Im Laufe des letzten Jahres tauchte vermehrt die Fragestellung auf, ob und wie Messenger in der Onlineberatung eingesetzt werden (können). Diese Diskussion ist nicht zuletzt aufgrund der Tatsache entstanden, dass (private) Mailkommunikation, gerade bei jüngeren Altersgruppen, immer mehr abnimmt. Die Nutzung von Messengerdiensten, vor allem von WhatsApp hingegen ist auf einen neuen Höchststand angelangt. So wird WhatsApp von 91% der  14-29jährigen und von immerhin 81% der 30-49jährigen täglich genutzt (s. ARD/ZDF Onlinestudie 2019).

Insofern liegt die Frage nahe, wenn „Alle“ per Messenger kommunizieren, ob nicht auch künftig ein Teil der (Online)Beratung über diesen Kommunikationskanal stattfinden kann oder soll.

Zunächst einmal ist klar: Onlineberatung per WhatsApp geht natürlich aus Datenschutzgründen auf keinen Fall. Es braucht also eine sichere Alternative. Und da scheiden sich schon die Geister. Threema wird hier häufig herangeführt, ist aber im Gegensatz zu den anderen gängigen Messengern (z. B. Signal, Telegram) nicht kostenlos. Kann ich also Ratsuchenden zumuten, dass sich sich diesen Messenger überhaupt leisten?

So haben sich auch Onlineberatungssoftware-Anbieter an die Arbeit gemacht und sichere Messenger entwickelt, bzw. Tools, die für Ratsuchende auf dem Smartphone im „look and feel“ wie ein Messenger funktionieren, für die Beratenden allerdings als Desktopversion laufen.

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Denn das ist häufig die zweite Frage, die sich Berater*innen stellen: Heißt das, dass ich jetzt rund um die Uhr per Messenger und Smartphone für meine Klient*innen erreichbar sein muss?!
Nein, das heißt es nicht, denn das kann (in der Mehrzahl der Konstellationen) sicherlich nicht der Anspruch von einer psychosozialen Beratung sein – und ob dies überhaupt sinnvoll wäre sei zudem dahingestellt.

Es geht also vielmehr darum zu überlegen: Wie können wir Beratende auf das sich verändernde Onlinekommunikationsverhalten (potentieller) Ratsuchender reagieren. Und inwieweit lässt sich per Messenger eine Beratung überhaupt realisieren?

Ein häufiges „Problem“ hierbei ist aus meiner Sicht der fehlende Perspektivwechsel. Für Ratsuchende kann die Möglichkeit über einen Smartphone-Messenger dank mobilem Internet und Hotspots von nahezu jedem Ort aus eine Beratung in Anspruch zu nehmen ein großer Gewinn sein. Und nur weil unsereins vielleicht Schwierigkeiten hat, auf dem Display des Smartphones längere Nachrichten zu verfassen, so muss dies noch lange nicht für die Ratsuchenden gelten. Nicht zuletzt kann diese Schwierigkeit auch durch die Spracheingabefunktion des Smartphones umgangen werden und damit auch Zielgruppen einen Zugang zu einer textbasierten Beratung verschaffen, für die Schreiben eher hochschwellig ist.
Ebenso können Funktionen wie das Versenden von Bildern, Videos oder Sprachnachrichten die Möglichkeiten der Ratsuchenden, sich mitzuteilen, erweitern. Sie können so Tools verwenden, die sie häufig auch in ihrer privaten Kommunikation einsetzen und die ihnen vertraut und geläufig sind.

Für uns Beratende bedeutet dies zunächst einmal: Wir müssen uns umstellen. Wieder einmal. Nun hatten wir uns doch gerade daran gewöhnt mit Texten zu arbeiten und nun auch noch mit Bildern, Audios und Videos!? Oh Schreck! 🙂 Oder aber: Oh ja! Das könnte spannend werden!

Ich hoffe auf Letzteres und werde in den nächsten Wochen zu diesem Thema immer mal wieder etwas bloggen…