Archiv der Kategorie: Mediatisierung

Beratung via Messenger – und wie mache ich das jetzt!?

Grundvoraussetzung für eine vertrauliche Onlineberatung per Messenger ist zunächst einmal das Verwenden einer sicheren Softwarelösung. Und das ist in der Tat momentan oftmals noch das Problem: Welches Tool kann ich eigentlich guten Gewissens verwenden? Ich bitte um Verständnis, dass ich hier keine Empfehlungen für ein Produkt abgeben kann und will. Ich mache keine Werbung für Softwarefirmen und ich kann auch nicht sicherstellen, dass ein Tool, dass ich heute empfehle, in ein paar Monaten oder Jahren vielleicht gänzlich ungeeignet ist.

Daher nur soviel: Als Anbieter*in eines vertraulichen Beratungsgesprächs muss ich dafür Sorge tragen, dass der Gesprächsinhalt nicht von Dritten mitgelesen werden kann. Bei der Suche nach einem geeigneten Messenger, sollte dieser also vor allem in Hinblick auf seinen Umgang im Verschlüsseln und Speichern (bzw. Nicht-Speichern) von Daten geprüft werden. Einige gute Hinweise finden sich zudem in den Handlungsempfehlungen für die Praxis aus der Studie „Face-to-Face und mehr – neue Modelle für Mediennutzung in der Beratung“ der FH Nordwestschweiz (Prof.’in Martina Hörmann).

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Neben der Frage nach der Technik geht es vor allem aber um die Frage des „Wie“. Wie kann per Messenger Beratung gestaltet werden? Die Kommunikation mittels eines Messengers zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. Zum einen kann ein ständiger Wechsel zwischen asynchroner und quasi-synchroner Kommunikation stattfinden, da ich im Messenger sowohl „chatten“ kann, als auch wie bei einer Mail zwischen den Antworten größere Zeitabstände liegen können. Während bei einer Mail klar ist, dass es etwas dauern kann, bis eine Rückantwort kommt und beim Beratungs-Chat ebenso vereinbart ist „nun sind wir beide die nächste Stunde miteinander im Gespräch“, müssen diese Regeln via Messenger neu verhandelt werden. Es ist – schaut man auf die private Messengerkommunikation – ein ungeschriebenes Gesetz, dass alles möglich ist: Entweder ich bekomme gleich eine Antwort von meinem*meiner Gesprächspartner*in oder aber, es kann auch ein paar Stunden, Tage oder gar Wochen dauern. Und dies scheint so auch akzeptiert.

Für die Beratung braucht es hier jedoch Absprachen. Ich muss als Berater*in also den Prozess strukturieren und steuern und deutlich machen, wie das Beratungsgespräch bzw. der Beratungsprozess via Messenger „laufen“ soll. Sonst kommt es schneller zur größeren Missverständnissen, die das Gespräch stören.

Es ist also nicht zuletzt um auch eigene Grenzen zu setzen und keine Dauererreichbarkeit zu suggerieren, notwendig für die Beratung im Messenger klare Regeln zu vereinbaren. Dies kann durch eine Terminierung für einen Chat im Messenger geschehen oder durch klare Absprachen, wann mit der nächsten Antwort des Beraters*der Beraterin zu rechnen ist.

Was methodisch via Messenger alles möglich ist kommt in einem gesonderten Beitrag in Kürze!

Messenger in der Onlineberatung

Zunächst einmal: Es heißt wirklich Messenger und nicht Messanger wie ich immer wieder an unterschiedlichsten Stellen lese. Messenger ist – wer hätte es gedacht 😉 – englisch und bedeutet nichts anderes als „Bote“ oder „Kurier“ es hat also mit der Message  (Nachricht), die die Botin zwar bringt, erstmal nur indirekt zu tun.

Im Laufe des letzten Jahres tauchte vermehrt die Fragestellung auf, ob und wie Messenger in der Onlineberatung eingesetzt werden (können). Diese Diskussion ist nicht zuletzt aufgrund der Tatsache entstanden, dass (private) Mailkommunikation, gerade bei jüngeren Altersgruppen, immer mehr abnimmt. Die Nutzung von Messengerdiensten, vor allem von WhatsApp hingegen ist auf einen neuen Höchststand angelangt. So wird WhatsApp von 91% der  14-29jährigen und von immerhin 81% der 30-49jährigen täglich genutzt (s. ARD/ZDF Onlinestudie 2019).

Insofern liegt die Frage nahe, wenn „Alle“ per Messenger kommunizieren, ob nicht auch künftig ein Teil der (Online)Beratung über diesen Kommunikationskanal stattfinden kann oder soll.

Zunächst einmal ist klar: Onlineberatung per WhatsApp geht natürlich aus Datenschutzgründen auf keinen Fall. Es braucht also eine sichere Alternative. Und da scheiden sich schon die Geister. Threema wird hier häufig herangeführt, ist aber im Gegensatz zu den anderen gängigen Messengern (z. B. Signal, Telegram) nicht kostenlos. Kann ich also Ratsuchenden zumuten, dass sich sich diesen Messenger überhaupt leisten?

So haben sich auch Onlineberatungssoftware-Anbieter an die Arbeit gemacht und sichere Messenger entwickelt, bzw. Tools, die für Ratsuchende auf dem Smartphone im „look and feel“ wie ein Messenger funktionieren, für die Beratenden allerdings als Desktopversion laufen.

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Denn das ist häufig die zweite Frage, die sich Berater*innen stellen: Heißt das, dass ich jetzt rund um die Uhr per Messenger und Smartphone für meine Klient*innen erreichbar sein muss?!
Nein, das heißt es nicht, denn das kann (in der Mehrzahl der Konstellationen) sicherlich nicht der Anspruch von einer psychosozialen Beratung sein – und ob dies überhaupt sinnvoll wäre sei zudem dahingestellt.

Es geht also vielmehr darum zu überlegen: Wie können wir Beratende auf das sich verändernde Onlinekommunikationsverhalten (potentieller) Ratsuchender reagieren. Und inwieweit lässt sich per Messenger eine Beratung überhaupt realisieren?

Ein häufiges „Problem“ hierbei ist aus meiner Sicht der fehlende Perspektivwechsel. Für Ratsuchende kann die Möglichkeit über einen Smartphone-Messenger dank mobilem Internet und Hotspots von nahezu jedem Ort aus eine Beratung in Anspruch zu nehmen ein großer Gewinn sein. Und nur weil unsereins vielleicht Schwierigkeiten hat, auf dem Display des Smartphones längere Nachrichten zu verfassen, so muss dies noch lange nicht für die Ratsuchenden gelten. Nicht zuletzt kann diese Schwierigkeit auch durch die Spracheingabefunktion des Smartphones umgangen werden und damit auch Zielgruppen einen Zugang zu einer textbasierten Beratung verschaffen, für die Schreiben eher hochschwellig ist.
Ebenso können Funktionen wie das Versenden von Bildern, Videos oder Sprachnachrichten die Möglichkeiten der Ratsuchenden, sich mitzuteilen, erweitern. Sie können so Tools verwenden, die sie häufig auch in ihrer privaten Kommunikation einsetzen und die ihnen vertraut und geläufig sind.

Für uns Beratende bedeutet dies zunächst einmal: Wir müssen uns umstellen. Wieder einmal. Nun hatten wir uns doch gerade daran gewöhnt mit Texten zu arbeiten und nun auch noch mit Bildern, Audios und Videos!? Oh Schreck! 🙂 Oder aber: Oh ja! Das könnte spannend werden!

Ich hoffe auf Letzteres und werde in den nächsten Wochen zu diesem Thema immer mal wieder etwas bloggen…

Das eigene Mediennutzungsverhalten – eine Selbstreflexion

Gerade sitze ich im Zug auf dem Weg nach München. Auf den Ohren die Kopfhörer, um Musik zu hören, das Smartphone am Tisch im Lademodus und der Laptop vor der Nase, um diesen Blogbeitrag zu schreiben.

Tatsächlich entsteht dieser Beitrag, da ich ein wenig ein schlechtes Gewissen habe… Den Blog habe ich in den letzten Monaten zunehmend weniger bespielt, obwohl ich sogar extra vor einiger Zeit die Domain http://www.onlinecoachingblog.net gekauft habe, um auf den ganzen Werbekram hier verzichten zu können.

Ähnliches passiert auf meinem Twitteraccount, den ich eine ganze Weile doch recht intensiv genutzt habe und als eine gewinnbringende Möglichkeit empfunden habe, um kurze Mitteilungen los zu werden, über Themen und Menschen, die mich interessieren informiert zu bleiben und die Community zu nutzen, wenn eine Frage schnell geklärt werden sollte (noch nie hatte ich so schnell fünf mögliche Seminarräume in HH, wie in den 10 Minuten nachdem ich auf twitter nach Empfehlungen gefragt hatte!). Aber auch auf twitter bin ich inzwischen weniger aktiv, lese zwar noch hier und da mit, aber verfolge nicht mehr täglich, was in meiner timeline los ist.

Gestern Abend habe ich dann einen „Creator“-Account bei Instagram eröffnet. Das nächste Social Media Tool, dass ich nun mal teste und nutze. Teil des Problems oder Teil der Lösung? Diese Frage beschäftigt mich gerade und eine Antwort wird wohl erst in den nächsten Wochen entstehen. Gleichwohl frage ich mich, ob ich einfach nach einer Weile das Interesse an der Nutzung dieser Kanäle verliere oder ob es die Folge einer Überforderung durch zu viele Kommunikationskanäle ist. Wo muss und will ich überall dabei sein und worauf kann ich gut verzichten? Wo sind „die Anderen“ und was verpasse ich, wenn ich nicht dabei bin? Und wieviel Zeit will ich mit Social Media verbringen?

Hinter allem steckt natürlich mein berufliches und persönliches Interesse an (digitaler) Kommunikation und dem, was mit den unterschiedlichen Plattformen transportiert werden kann. So erlebe ich es gerade auch als eine ganz neue Herausforderung für Instagram eine Bildsprache zu entwickeln, die Menschen dazu anregt, die Texte zu lesen, die ich unter den Bildern poste. Und ich stelle fest, dass gerade Instagram für mich auch persönlich eine Funktion hat: Es verhält sich wie ein Photoalbum, in dem ich dokumentieren kann, was ich wo gemacht habe – erstmal ohne den Anspruch, dass es jemanden anderen interessieren mag.

Immerhin hat die Hinzunahme eines weiteren Social Media Kanals auch dazu geführt, dass ich mal wieder gebloggt habe 😉 Insofern: Schauen wir mal, was sich daraus in den nächsten Wochen und Monaten ergibt. Und wer mag: Folgen kann man mir auf Instagram natürlich auch (username: emily.m.engelhardt)

Ausblick auf 2019

Das Jahr hat nur noch wenige Wochen und gefühlt begeben sich alle schon ein wenig in Winterschlaf. Ich sitze gerade im Zug nach Hannover zum „Netzwerk-Forschung“ der DGSv, das in Form eines barCamp stattfinden wird, um dort mit den anderen Teilnehmer*innen über die Nutzung digitaler Medien in der Supervision zu diskutieren. Aber danach ist auch für mich Schluss für dieses Jahr und Urlaub steht an 🙂

Bevor ich auf 2019 blicke, ein kurzer Rückblick auf das Jahr 2018. Es ist viel passiert in Sachen Digitalisierung & Mediatisierung der Beratung (Supervision und Coaching mit gedacht!). Zwei persönliche Highlights waren für mich dieses Jahr das 11. Fachforum Onlineberatung, das wir mit über 200 Teilnehmer*innen im September in Nürnberg veranstaltet haben. Und natürlich die Veröffentlichung meines Lehrbuchs Onlineberatung bei Vandenhoeck & Ruprecht im Herbst diesen Jahres.

Insgesamt nehme ich wahr, dass dieses Jahr an vielen Ecken und Enden sehr intensiv über das Thema „Digitalisierung“ diskutiert wurde. In zahlreichen Tagungen tauchte das Thema im Titel auf und in Arbeitskreisen etc. wurde das Thema aufgegriffen. Unklar ist für mich noch die Ausrichtung: Wird konstruktiv, zukunftsgerichtet und mit Offenheit gegenüber neuen Technologien diskutiert oder eher auf Defizite und mögliche Gefahren hingewiesen? Ersteres würde ich mir wünschen und das ist dann auch der Ausblick für 2019 – oder der Wunsch für das neue Jahr: Mehr mutige Ideen und das Umsetzen dieser!

Der Kalender für 2019 ist schon ganz schön voll, aber auf ein paar Veranstaltungen freue ich mich schon jetzt ganz besonders:

Wir werden zum 11. Mal unsere Weiterbildung zum*r zertifizierten Onlineberater*in anbieten. Im März startet ein Kurs und ein nächster dann im Oktober. Alle Infos dazu gibt es hier

Im April findet die Frühjahrstagung der DGSF zum Thema „Systemische Praxis und Lehre im digitalen Wandel!? – Aufgaben, Perspektiven und Chancen“ statt. Hierbei wird nun auch endlich die Frage der Qualifizierung von (systemischen) Berater*innen thematisiert.

Gespannt bin ich auch auf die zweitägige Veranstaltung in Kiel, die ich im Juni beim Paritätischen Schleswig-Holstein leiten darf und bei der sich dezidiert Führungskräfte zur Digitalisierung der Beratung in Form eines Workshops informieren (und entscheiden!) können.

Und dann steht natürlich im September (16./17.09.2019) wieder das Fachforum Onlineberatung an – das Programm hierzu sollte im Mai auf der Webseite des Instituts für E-Beratung online stehen.

Ich wünsche allen Leser*innen hier eine gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Start in das Jahr 2019!

 

Nachlese vom 11. Fachforum Onlineberatung

Gestern endete das 11. Fachforum Onlineberatung und in diesem Jahr blicken wir auf die bislang größte Tagung zur Onlineberatung in Nürnberg zurück. Mehr als 200 Teilnehmer*innen als ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und Dänemark haben an zwei Tagen in Vorträgen und Workshops rund um das Thema „Onlineberatung in Zeiten der Digitalisierung“ Neues erfahren, diskutiert und Impulse gesetzt.

Der Eröffnungsvortrag von Prof.’in Nadia Kutscher von der Universität zu Köln führte in „Befunde und Entwicklungen“ zur Onlineberatung in Zeiten der Digitalisierung ein. Wissenschaftlich fundiert, anschaulich und nachdrücklich lieferte Nadia Kutscher einen Überblick über wichtige Entwicklungen, Auswirkungen von Big Data und wies auf wichtige datenschutzrechtliche aber auch ethische Fragestellungen für Onlineberater*innen aber auch in der Sozialen Arbeit Tätige ganz allgemein hin. Wie gehen wir künftig zum Beispiel mit der Möglichkeit um, dass wir über unsere Klient*innen weitaus mehr Informationen erhalten können, indem wir eine Netzrecherche durchführen? Und was bedeutet es für Berater*innen und ihre Klient*innen, wenn über ungeschützte digitale Kommunikationswege vertrauliche Inhalte ausgetauscht werden? In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal auf den wirklich sehenswerten Beitrag der Sendung Quarks und Co. zum Thema „Die Macht der Daten“ hingewiesen, den auch Nadia Kutscher in ihrem Vortrag nachdrücklich empfohlen hat.

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Foto einer Folie aus dem Vortrag von Nadia Kutscher zum Thema Big Data und seine Folgen.

Sehr eindrücklich appellierte Nadia Kutscher außerdem dafür, dass sich Onlineberater*innen als Pionier*innen der und Expert*innen für Digitalisierung in den aktuellen Diskurs einbringen sollen!

Im Anschluss wurde in sechs unterschiedlichen Workshops zu Themen wie DSGVO, Traumatherapeutische Interventionen und Cross-medialer Beratung diskutiert und informiert. Die Dokumentation der gesamten Tagung und damit auch der Workshops, werden wir in den nächsten Wochen auf www.fachforum-onlineberatung.de zum Download zur Verfügung stellen, soweit uns die Referent*innen ihre Unterlagen zur Verfügung stellen.

Ich habe einen Workshop zum Thema ‚gute‘ E-Mailberatung angeboten, in dem sich erfahrene Onlineberater*innen und Neulinge mit verschiedenen Methoden und Technik vertraut gemacht haben. Deutlich wurde: Einen Text mit unterschiedlichen Lesarten zu bearbeiten, wie es Alex Brunner in seinem Artikel zum „Digitalen Lesen und Schreiben“ in der Onlineberatung beschreibt, eröffnet Berater*innen neue Zugänge zur Mailberatung.

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Foto einer Pinnwand mit Kartensammlung der Teilnehmer*innen zur Frage welche Methoden der Mailberatung sie bereits kennen und anwenden.

In den Pausen gab es genügend (?) Zeit zum Austauschen und Netzwerken. Neben Ausstellungen von Onlineberatungsanbieter*innen, Softwareanbietern und einem Büchertisch, der aktuelle Literatur zur Onlineberatung bereit hielt, gab es einen ThinkTank, in dem die Teilnehmer*innen interaktiv ihre Erfahrungen mit Onlineberatungssoftware (mit)teilen konnten. Die Ergebnisse werden wir ebenfalls in Kürze online stellen.

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Foto von zwei Tafeln mit Fragen zum Ist-Zustand der Softwarenutzung und Sammlung von künftigen Wünschen an die Onlineberatungssoftware.

Den Abschlussvortrag hielt Jona Höldere aus Berlin, der sich mit der Frage beschäftigte, wie wir neue Zielgruppen in der Onlineberatung erreichen können. Hölderle machte darauf aufmerksam, dass die Onlineberatung oftmals nur von Menschen genutzt wird, die ohnehin in der Lage sind, sich nach Hilfsmöglichkeiten im Netz umzusehen und dann gezielt nach diesen nutzen (s. auch Joachim Wenzel 2013). Ein viel größerer Teil, der aber eigentlich dringend die Hilfe benötigen würde, findet die Angebote gar nicht erst, da die Suchkriterien der Nutzer*innen ganz andere sind, als die gebotenen Andockpunkte der Onlineberatungsanbieter.

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Foto einer Folie aus dem Vortrag von Jona Hölderle zum Thema Conversion-Trichter.

Deutlich wurde, dass die Soziale Arbeit/Beratung sich intensiver mit der Frage beschäftigen muss, wie bedürftige Zielgruppen besser erreicht werden können. Ein paar Anhaltspunkte lieferte Hölderle in seinem Vortrag – gleichwohl wird vor allem die Ressourcenfrage für Einrichtungen der Sozialen Arbeit hierbei eine wesentliche Rolle spielen.

Drumherum: Während des Fachforums wurde auch ein bisschen getwittert – unter dem Hashtag #ffob18 🙂

Das nächste Fachforum Onlineberatung findet am 16./17. September 2019 in Nürnberg statt.

Podcasts für die Beratung?

Gestern las ich bei der Vorbereitung eines Workshops einen Beitrag der Bitkom, in dem beschrieben wurde, dass 22% der Deutschen regelmäßig Podcasts hören.

Da mich schon länger die Frage beschäftigt, wie sich Podcast auch in der psychosozialen Beratung einsetzen lassen, habe ich mal in die Twitterrunde gefragt, wer da etwas kennt. Das Ergebnis war überraschend für mich, denn es entspann sich eine kleine aber feine Diskussion, ob Podcasts in der Beratung überhaupt gehen und wenn ja, ob es dann überhaupt noch Podcasts sind.

Aber zurück zum Anfang: Podcasts, wer es noch nicht weiß, sind Audio- oder Videodateien, die man sich aus dem Netz herunterladen und anhören kann. Es geht also zunächst einmal um das Zuhören und dann ggf. reagieren in Form von Kommentaren auf einem dazugehörigen Blog o. ä.

Wenn jeder Fünfte Deutsche gerne Podcasts hört, ist für mich die Frage naheliegend, ob dies auch ein Format ist, mit dem Beratung angeboten werden kann. Denn scheinbar gibt es Leute, die sich lieber etwas anhören, als es z. B. zu lesen (wie es bei der Mailberatung der Fall wäre).

Und hier entwickelte sich die Diskussion gestern auf Twitter ganz interessant weiter: Es wurde zu Recht darauf hingewiesen, dass sich Podcast ja an eine größere Zuhörerschaft wenden und für die Beratung deswegen auch weniger geeignet wären, da sie sich nicht mit den individuellen Fragstellungen einer ratsuchenden Person beschäftigen würden. Dem stimme ich zu, frage aber gleichzeitig nach, inwiefern denn nicht auch Podcasts individualisiert angeboten werden können. Und hierbei lernte ich: Dann sind es eigentlich keine Podcasts, sondern wir müssten das Ganze Audioberatung nennen.

Die Frage, ob auch für eine größere Zuhörerschaft ein Beratungspodcast angeboten werden kann ist insofern interessant, als das Onlineberatungsforum ja ähnlich funktioniert: Eine ratsuchende Person erstellt eine Anfrage und viele weitere lesen (und schreiben) mit. Die Anzahl der „lurker“, also derer, die „nur“ mitlesen und nie selbst schreibend in Erscheinung treten ist in Beratungs-Foren enorm groß im Vergleich zu denen, die aktiv schreiben. Die Hypothese die hierzu häufig angeboten wird: Durch das Mitlesen holen sich die anderen Personen bereits einen Teil ihrer Beratung mit ab. Ähnlich könnte man jetzt zum Thema Podcast/Audionachrichten in der Beratung davon ausgehen, dass das Zuhören bereits einige Fragen klärt und vielleicht im Anschluss dazu einlädt, sich mit individuellen Fragestellungen an den*die Berater*in zu wenden.

Wie auch immer man das Ganze am Ende nennen möchte, ob Audioberatung oder Onlineberatung per Audio oder Beratungspodcast, ich bin nach wie vor auf der Suche nach jemanden, der*die sowas macht: Klient*innen per Audionachrichten Beratung anzubieten.

Und eigentlich steckt für mich hinter diesem ganzen Thema noch etwas viel Grundsätzlicheres: Nämlich die Frage, inwieweit Berater*innen bereit sind, sich mit den Möglichkeiten der neuen Medien auseinander zu setzen und Angebote zu entwickeln, die das Spektrum der erreichten Zielgruppen erweitern könnte. Ich höre, wenn ich diese Frage stelle allzu oft „Was sollen wir denn noch alles machen!?“ – und so sehr ich diese Rückmeldung (auch aus eigener Erfahrung) verstehen kann, so wenig kann ich sie doch gelten lassen. Denn wir werden es in den nächsten Jahren zunehmend mit (potentiellen) Klient*innen zu tun bekommen, die medial anders sozialisiert wurden, als die, die wir vor 20 Jahren beraten haben. Insofern geht es vielleicht manchmal auch um die Frage „Was brauche ich künftig nicht mehr tun!?“ – und damit meine ich nicht, dass die face-to-face Beratung obsolet werden wird.

Was ich mir konkret vorstellen und wünsche: Berater*innen, die das eine oder andere digitale Medium nutzen, um sich und ihr Angebot zu präsentieren (z. B. ein Vorstellungsvideo auf YouTube, welches die Beratungsstelle und ihr Angebot erklärt, oder kurze Videos, die bestimmte Themen aufgreifen und darstellen, wie hier https://www.erziehungsberatung-passau.de/links/beispiel-videos/beispiel-videos ), die aber auch die digitalen Medien im Beratungsprozess einsetzen, wo sie gut passen. Sei es, indem gemeinsam im Netz zu einem Thema recherchiert wird, indem über ein Onlineberatungstool per Mail, Chat oder Video kommuniziert wird oder eben indem auch Audiosequenzen zur Verfügung gestellt werden, die den*die Ratsuchenden im Alltag begleiten können.

Und wer solange selbst ein paar Podcast (rund um das Thema Digitalisierung der Beratung) hören möchte, hier ein paar der Empfehlungen, die ich gestern dazu selbst auf Twitter bekam:

https://www.sozial-pr.net/

https://ideequadrat.org/

https://irgendwas-mit-menschen.com/

https://www.sozifon.de/

auch spannend, eine Plattform zum Thema crowdmoving https://helpteers.net/info/

und hier noch eine Übersichtsliste weiterer Podcasts: https://www.digital-sozial.net/themen/item/12-podcast-soziales

Über die ständige Erreichbarkeit der Onlineberater*innen

Heute früh habe ich mit 11 Onlineberater*innen über das Thema „Blended Counseling“ diskutiert und wir landeten an vielen spannenden Punkten, die mich jetzt noch beschäftigen. Ein Thema war die Frage, ob Onlineberater*innen denn nun ständig erreichbar sein müssten, da die Klient*innen ja schließlich dauernd online und mit dem Netz verbunden sind. Natürlich lautet die Antwort erstmal „nein“, denn selbst wenn wir das – aus welchen Gründen auch immer – wollen würden, wäre es nicht möglich. Die Strukturen und Arbeitsbedingungen von Berater*innen in psychosozialen Arbeitsfelder lassen dies gar nicht zu und nicht zuletzt geht es natürlich auch um das Thema Psychohygiene und einen gesunden Abstand von Klient*innen und Beratungsgeschehen.

Dennoch weist auch Sabine Depew richtigerweise darauf hin: „Wer ständig online ist, erwartet schnelle Antworten, Tipps und sofortige Hilfe. Darauf müssen wir reagieren, wenn wir nah bei den Menschen bleiben wollen“

Wir werden es in den nächsten Jahren zunehmend mit einer Klientel zu tun bekommen, die mit dem Internet und seinen Kommunikationsmedien sozialisiert wurden und deren Kommunikationsverhalten stark durch Onlinemedien geprägt ist. Dies wird auch eine Auseinandersetzung mit der Frage, wie diese Zielgruppe Beratungsangebote wahrnimmt und nutzt unvermeidbar machen. Widerstände, die Berater*innen wahrnehmen, wenn sie sich mit einer „Beratung4.0“ beschäftigen (müssen), sollen ernstgenommen werden und dennoch werden wir Beratung künftig auch neu denken müssen. Neue Konzeptionen, Haltungen, Methoden und Angebote werden sich entwickeln müssen, damit die Soziale Arbeit auch künftig noch ihrem Leitgedanken „Die Menschen da abholen, wo sie stehen“ gerecht werden kann.

Das bedeutet zwar nicht ständig online und ständig erreichbar zu sein – es wird aber bedeuten, sich den Auswirkungen der Digitalisierung nicht zu verschließen und aktiv an der Weiterentwicklung der Sozialen Arbeit/Beratung mitzuwirken. Der Transformationsprozess ist bereits in vollem Gange…

DGSF Fachtag zum 20jährigen RIFS Jubiläum in Köln am 14.09.2018

Das Rheinische Institut für Familien- und Systemtherapie feiert am 14. September 2018 sein 20. Jubiläum mit einem Fachtag zum Thema „Aussichten – systemische Beratung und Therapie von morgen“

„Was sind die Aussichten? Unter welchen Bedingungen werden Systemiker arbeiten, was sind die Herausforderungen, die in Beratung und Therapie zunehmend Raum einnehmen, und wie bedeutsam ist ein Innehalten und die Rückschau, um die Zukunft in Zeiten gesellschaftlichen Wandels gestalten zu können?“ (Quelle: http://www.rifs.de/jubilaeum.html)

Ich freue mich über die Einladung,  eine der drei Keynotes zu halten. Mein Vortragsthema:  „Zukunft der Beratung – Was die Mediatisierung für Berater*innen/Therapeut*innen bedeutet“. 

Hier geht es zum ganzen Programm und der Anmeldemöglichkeit

 

Fachtag „Psychologische Beratung in einer digitalen Gesellschaft“ der EKFuL am 5. Juni 2018

Am 5. Juni 2018 veranstaltet die Evangelische Konferenz für Familien- und Lebenberatung einen Fachtag zum Thema „Psychologische Beratung in einer digitalen Gesellschaft“ in Frankfurt am Main.

Das Programm bietet einen breiten Überblick über den digitalen Transformationsprozess, dem auch die Beratung unterliegt. Programm und Anmeldemöglichkeiten

 

17. Wissenschaftliche Jahrestagung der DGSF – Fachgruppentreffen in München

Morgen geht’s nach München. Die DGSF veranstaltet zum 17. Mal ihre wissenschaftliche Jahrestagung und ein fester Programmpunkt ist das Treffen der Fachgruppen am Donnerstagabend.

Die Fachgruppe „Onlineberatung und Medien“ trifft sich zum Thema:

Systemische Kompetenzen 2020: Ankommen in der Mediengesellschaft

Beratung und Therapie erfolgen immer häufiger medial, sei es als Onlineberatung oder parallel zur Face-to-Face-Beratung. In den DGSF-Ethikrichtlinien heißt es dazu: „Bei der medial vermittelten Form der Beratung bedarf es dabei der Aneignung grundlegender Kompetenzen in Bezug auf das genutzte Beratungsmedium sowie einer medienspezifischen fachlichen Auseinandersetzung und Reflexion dieser Beratungsprozesse.“ Wie das bei zunehmender Digitalisierung auch tatsächlich umgesetzt werden kann, gilt es zu diskutieren. Ob das in den DGSF-Weiterbildungsrichtlinien konkretisiert und in Aus- und Weiterbildungen inhaltlich und didaktisch aufgegriffen werden sollte, gilt es zu klären.

Joachim Wenzel & ich laden herzlich hierzu ein!