Archiv der Kategorie: Digitalisierung

Hilfreiche Ressourcen rund um die digitale Beratung in Zeiten der Coronakrise

In den letzten zwei Wochen hat sich einiges getan und so wurden inzwischen viele hilfreiche Ressourcen entwickelt und größtenteils öffentlich zur Verfügung gestellt. Ich nenne hier nur ein paar, die aber größtenteils auf weitere Quellen verweisen.

Empfehlungen der Fachgruppe Onlineberatung & Medien zur Onlineberatung in Zeiten der Coronakrise (Engelhardt & Wenzel):

https://www.dgsf.org/ueber-uns/gruppen/fachgruppen/online-beratung/onlineberatung-in-zeiten-der-coronakrise

Handlungsempfehlungen zur kurzfristigen Umsetzung von Onlineberatung in Zeiten der Coronakrise (Reindl & Engelhardt):

https://www.e-beratungsinstitut.de/wordpress/wp-content/uploads/2020/03/IEB_1012_INFO_Onlineberatung_Corona_public.pdf   

Handreichung zur Krisenberatung am Telefon und per Video (Wenzel/Jaschke/Engelhardt)

https://www.e-beratungsjournal.net/wp-content/uploads/2020/04/wenzel_et_al.pdf  

Empfehlungen und FAQ für Fachkräfte in den Frühen Hilfen (Sammlung zu verschiedenen Themen):

https://www.fruehehilfen.de/service/antworten-auf-praxisfragen/corona-zeiten-empfehlungen-und-faq-fuer-fachkraefte-in-den-fruehen-hilfen/

Empfehlungen von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie zur Durchführung von videobasierter Psychotherapie:

https://lppkjp.de/wp-content/uploads/2020/03/EmpfehlungenVideobasierte-Psychotherapie_DGPs_IG-E-Health_20200326.pdf  

Artikel Kühne/Hintenberger Zur Onlineberatung und -therapie in Zeiten der Krise (e-beratungsjournal.net):

https://www.e-beratungsjournal.net/wp-content/uploads/2020/03/kuehne_hintenberger.pdf  

book-and-pen-on-notebook-895465

Bitte kein digitaler Aktionismus – Beratung in Krisenzeiten!

Seit gestern steht nun fest, in Deutschland wird sich in den nächsten Wochen das öffentliche Leben auf das Nötigste reduzieren – Ausgang offen. Dies hat massive Auswirkungen auch auf Beratungsstellen und therapeutische Praxen.

Menschen, die Rat, Hilfe, Unterstützung und (therapeutische) Begleitung brauchen werden diese in den nächsten Wochen weniger Möglichkeiten haben, diese Angebote in Anspruch zu nehmen. Sei es, weil sie unter häuslicher Quarantäne stehen oder Angst haben, sich ins öffentliche Leben zu begeben oder aber weil zumindest denkbar ist, dass auch Beratungsstellen in den nächsten Wochen ihren Präsenzbetrieb zeitweilig einstellen oder reduzieren müssen (Eltern, die daheim bleiben müssen, um Kinder zu betreuen usw.).

Und so entwickeln sich derzeit auch viele Überlegungen, wie in der aktuellen Situation reagiert werden kann. Das ist gut und es ist naheliegend, dass nun auch Einrichtungen/Fachkräfte, die Onlineberatung bislang für sich nicht in Betracht gezogen haben, sich nun mit der Frage beschäftigen, wie sie ab kommender Woche für ihre Klientel auch über digitale Wege erreichbar sind.

Doch hier müssen wir jetzt aufpassen: Bitte kein digitaler Aktionismus!! Wenn ab Montag „alle einfach mal online gehen“ setzen wir damit zwei fatale Signale:

  1. Onlineberatung kann man einfach so per (unverschlüsselter) Mail, Chat, Messenger oder Video machen – das ist nicht der Fall! Auch (und gerade) in Zeiten der Krise benötigen wir verlässliche und sichere Kommunikationskanäle. Denn die Regeln des Datenschutzes (DSGVO) und die gesetzlichen Regelungen für ganz bestimmte Berufsgruppen (und dazu gehören in der Regel alle Berater*innen in den einschlägigen Beratungsstellen, Stichwort §203 StGB) ändern sich nicht aufgrund einer weltweiten Pandemie.
  2. Jede*r der*die Beratung kann, kann auch einfach Onlineberatung – auch das ist nicht richtig! Onlineberatung benötigt besondere Kompetenzen, die zunächst erlernt werden müssen. Auch face-to-face Beratung wurde vorher gelernt – wir setzen jetzt ja auch nicht Maschinenbauingenieur*innen oder Bäckermeister*innen  in die psychosoziale Krisenberatung, nur weil diese vielleicht gut reden können.

Wenn sich diese beiden Vorstellungen in den Köpfen derer, die Entscheidungen treffen müssen, verfestigen, hat dies dramatische Auswirkungen auf die Qualität und Sicherheit von Beratung.

Wir brauchen also – wie in allen anderen Felder die aktuell von der Pandemie und der daraus resultierenden Krise betroffen sind – besonnene und durchdachte Lösungen. Datenschutzhinweise können nicht aufgeweicht werden, Beratungskompetenz darf nicht reduziert werden.

Das was wir jetzt gerade in der Sozialwirtschaft erleben ist ein weiterer Hinweis dafür, was langfristig wird passieren müssen: Plattformökonomie.

Doch was gibt es jetzt für kurzfristige Lösungen: Meine Empfehlung wäre, dass die, die über Onlineberatungskompetenzen verfügen, diese nun verstärkt anbieten und einsetzen. Gleichzeitig halte ich es für vertretbar, wenn nicht für Onlineberatung qualifizierte Berater*innen per datensicherer/verschlüsselter Videoberatung ein Angebot zur Verfügung stellen. Es gibt hierfür technisch sichere Lösungen – es kommt darauf an, dass die Kommunikation verschlüsselt stattfindet, so wenig Daten wir möglich gespeichert werden und der Serverstandort möglichst in Deutschland ist. Weitere Anregungen und Empfehlungen für sichere Kommunikationswege gibt es hier (klick)

Ärzte, die Videosprechstunden anbieten können hier Hinweise für gute Softwarelösungen geben. Auch Videoberatung ist nicht Face-to-Face Beratung. Ich halte dies aber insofern für vertretbar, da Kommunikation in Form eines mündlichen Gesprächs stattfindet und dafür sind Beratungsfachkräfte gut ausgebildet. Weitere (methodische) Hinweise zur Videoberatung gibt es hier (klick)

Und ganz wichtig: Wir dürfen jetzt nicht die vergessen, für die ein Onlinekanal – aus welchen Gründen auch immer – nicht erreichbar oder nutzbar ist. „Einfach“ auf Onlineberatung umzusteigen bedeutet auch, dass wir viele Menschen allein lassen, für die nur eine face-to-face Beratung in Frage kommt. Onlinekommunikation, ob textbasiert oder per Video, hat Begrenzungen. Wir dürfen nicht vergessen, dass gerade jetzt für manche Menschen der Rückzug aus dem öffentlichen Raum auch höchst problematische Folgen haben kann, die nicht (ausschließlich) online „aufgefangen“ werden können.

Es braucht also mehr als eine Lösung. Eine gemeinsame Plattform der großen Träger, über die Beratungsangebote unterschiedlichster Art bereitgestellt und koordiniert werden…das wär’s, finde ich.

Beratung in Zeiten der Pandemie…

Es ist erstaunlich, was gerade passiert. Wir erleben weltweit eine der größten Gesundheitskatastrophen der letzten Jahrzehnte und noch ist nicht klar, wie und wann das Ganze enden wird. Neben Hysterie und unerklärlichen Toilettenpapier-Hamsterkäufen passieren gerade im Netz momentan spannende Dinge.

Natürlich lebe ich in meiner Twitter-Bubble – die Accounts, denen ich folge, werden in der Regel von netzaffinen Menschen betrieben, die sich mit der Frage beschäftigen, wie die Digitalisierung, insbesondere in der Sozialen Arbeit, menschlich und sinnstiftend gestaltet werden kann. Das was ich da beobachte ist eine Mischung aus Solidaritätsaktionen (wie die #NachbarschaftsChallenge die Benedikt Geyer von Natascha Strobl aufgegriffen hat) und konstruktiven Ideenpools, die sich mit der Beantwortung der Frage beschäftigen, wie wir unsere Erwerbsarbeit in Zeiten von Covid-19 und der heute von der WHO ausgerufenen Pandemie digital gestalten können.

Diese Frage betrifft natürlich auch in besonderem Maße das Arbeitsfeld von Berater*innen und Therapeut*innen. Unsere Klientel ist auch weiterhin auf Beratung/Begleitung/Unterstützung angewiesen – vielleicht gerade jetzt. Und häufig haben wir es hierbei auch mit Menschen zu tun, die aus unterschiedlichsten Gründen zu den sogenannten Risikogruppen gehören, für die die aktuelle Situation besonders schwer zu bewältigen ist.

Was also tun? Es liegt nahe auch Beratungsgespräche in den virtuellen Raum zu verlegen und damit sicher zu stellen, dass Menschen, die gerade jetzt unsere Hilfe und Unterstützung benötigen, diese weiterhin in Anspruch nehmen können.

Nun tauchen aber zwei Probleme auf, für die es eine schnelle Lösung braucht: Auf der einen Seite benötigen Beratungsstellen – sofern sie nicht bereits Onlineberatung anbieten –  eine geeignete technische Ausstattung. Auch wenn wir uns in einer Krisensituation befinden, die manche auch als „Ausnahmesituation“ interpretieren, gelten weiterhin die wichtigen Grundsätze der Beratung, wie Vertraulichkeit des Wortes und Datenschutz.  Auf der anderen Seite müssen Berater*innen in der Lage sein, Software und Hardware zu bedienen und ihre Beratungskompetenzen auch im virtuellen Raum methodisch fundiert einzusetzen. Und dann braucht es in den Einrichtungen Menschen, die ein Onlineberatungsangebot auch technisch implementieren können. Es scheitert hierbei an Fachkompetenz und finanziellen Mitteln – beide Aspekte können nicht den Berater*innen vor Ort zum Vorwurf gemacht werden, es ist vielmehr ein strukturelles Problem, das in der Sozialen Arbeit immer wieder auftaucht.

Und beide Punkte lassen sich nicht kurzfristig lösen und so ist davon auszugehen, dass die bestehenden Onlineberatungsangebote in den nächsten Wochen vermehrte Nachfrage erleben werden. Viele Menschen, die verunsichert sind, werden alle möglichen Kanäle nutzen, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten – und so werden vermutlich auch in den Onlineberatungsstellen Fragestellungen auftauchen, die eigentlich in die (ohnehin schon überlastete) Hotline der Gesundheitsämter und ähnlicher Expert*innenangebote gehören.

(Hoch)Schulen machen sich Gedanken, wie sie ihr Lehrangebot online abbilden können. Größere und kleinere Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter*innen ins Homeoffice – eine sinnvolle und präventive Maßnahme. Aber was heißt das für die Berater*innen in den psychosozialen Beratungsstellen? Möglich wäre einiges, wenn Rahmenbedingungen und Infrastruktur hierfür geschaffen werden können (s. o.).

Deutschland zeigt gerade, zu was es fähig ist, wenn es will (oder muss) – ich wünsche mir, dass wir aus dieser Krise lernen und die kreativen Lösungen, die wir jetzt erarbeiten werden, nachhaltig und auch über den Pandemie-Zeitraum hinaus systematisch weiterentwickeln.

Messenger in der Onlineberatung

Zunächst einmal: Es heißt wirklich Messenger und nicht Messanger wie ich immer wieder an unterschiedlichsten Stellen lese. Messenger ist – wer hätte es gedacht 😉 – englisch und bedeutet nichts anderes als „Bote“ oder „Kurier“ es hat also mit der Message  (Nachricht), die die Botin zwar bringt, erstmal nur indirekt zu tun.

Im Laufe des letzten Jahres tauchte vermehrt die Fragestellung auf, ob und wie Messenger in der Onlineberatung eingesetzt werden (können). Diese Diskussion ist nicht zuletzt aufgrund der Tatsache entstanden, dass (private) Mailkommunikation, gerade bei jüngeren Altersgruppen, immer mehr abnimmt. Die Nutzung von Messengerdiensten, vor allem von WhatsApp hingegen ist auf einen neuen Höchststand angelangt. So wird WhatsApp von 91% der  14-29jährigen und von immerhin 81% der 30-49jährigen täglich genutzt (s. ARD/ZDF Onlinestudie 2019).

Insofern liegt die Frage nahe, wenn „Alle“ per Messenger kommunizieren, ob nicht auch künftig ein Teil der (Online)Beratung über diesen Kommunikationskanal stattfinden kann oder soll.

Zunächst einmal ist klar: Onlineberatung per WhatsApp geht natürlich aus Datenschutzgründen auf keinen Fall. Es braucht also eine sichere Alternative. Und da scheiden sich schon die Geister. Threema wird hier häufig herangeführt, ist aber im Gegensatz zu den anderen gängigen Messengern (z. B. Signal, Telegram) nicht kostenlos. Kann ich also Ratsuchenden zumuten, dass sich sich diesen Messenger überhaupt leisten?

So haben sich auch Onlineberatungssoftware-Anbieter an die Arbeit gemacht und sichere Messenger entwickelt, bzw. Tools, die für Ratsuchende auf dem Smartphone im „look and feel“ wie ein Messenger funktionieren, für die Beratenden allerdings als Desktopversion laufen.

4FA45D6A-8299-4CCA-86F1-735004A754B4_1_201_a

Denn das ist häufig die zweite Frage, die sich Berater*innen stellen: Heißt das, dass ich jetzt rund um die Uhr per Messenger und Smartphone für meine Klient*innen erreichbar sein muss?!
Nein, das heißt es nicht, denn das kann (in der Mehrzahl der Konstellationen) sicherlich nicht der Anspruch von einer psychosozialen Beratung sein – und ob dies überhaupt sinnvoll wäre sei zudem dahingestellt.

Es geht also vielmehr darum zu überlegen: Wie können wir Beratende auf das sich verändernde Onlinekommunikationsverhalten (potentieller) Ratsuchender reagieren. Und inwieweit lässt sich per Messenger eine Beratung überhaupt realisieren?

Ein häufiges „Problem“ hierbei ist aus meiner Sicht der fehlende Perspektivwechsel. Für Ratsuchende kann die Möglichkeit über einen Smartphone-Messenger dank mobilem Internet und Hotspots von nahezu jedem Ort aus eine Beratung in Anspruch zu nehmen ein großer Gewinn sein. Und nur weil unsereins vielleicht Schwierigkeiten hat, auf dem Display des Smartphones längere Nachrichten zu verfassen, so muss dies noch lange nicht für die Ratsuchenden gelten. Nicht zuletzt kann diese Schwierigkeit auch durch die Spracheingabefunktion des Smartphones umgangen werden und damit auch Zielgruppen einen Zugang zu einer textbasierten Beratung verschaffen, für die Schreiben eher hochschwellig ist.
Ebenso können Funktionen wie das Versenden von Bildern, Videos oder Sprachnachrichten die Möglichkeiten der Ratsuchenden, sich mitzuteilen, erweitern. Sie können so Tools verwenden, die sie häufig auch in ihrer privaten Kommunikation einsetzen und die ihnen vertraut und geläufig sind.

Für uns Beratende bedeutet dies zunächst einmal: Wir müssen uns umstellen. Wieder einmal. Nun hatten wir uns doch gerade daran gewöhnt mit Texten zu arbeiten und nun auch noch mit Bildern, Audios und Videos!? Oh Schreck! 🙂 Oder aber: Oh ja! Das könnte spannend werden!

Ich hoffe auf Letzteres und werde in den nächsten Wochen zu diesem Thema immer mal wieder etwas bloggen…

Was bringt 2020?

Für mich zunächst einmal ein paar berufliche Veränderungen. Neben der Geschäftsführung im Institut für E-Beratung (die ich ab Januar auf eine halbe Stelle reduziere) und der Tätigkeit als (Online-)Supervisorin und Trainerin für den Themenkomplex „Beratung und Digitalisierung“, werde ich in 2020 auch wieder mehr „offline“ arbeiten.

Ganz konkret bedeutet dies, dass ich freiberuflich als Dozentin für Systemische Beratung & Therapie tätig sein werde, was ich insofern spannend finde, weil es in den Seminaren, die ich übernehme, so gut wie gar nicht um „Digitales“ geht, sondern doch um ganz analoge Beratungsvorgänge. Für mich ist das eine schöne Herausforderung, da es bedeutet, dass ich mich nach vielen Onlineberatungsjahren jetzt wieder einmal ganz bewusst der face-to-face Beratung, bzw. der Vermittlung von Kompetenzen für diese, widme. Aktuell heißt das vor allem: Lesen, lesen, lesen… Ich muss mir wieder ein bisschen Wissen drauf schaffen und auch die Seminare wollen ganz anders konzipiert werden, als bei Onlineberatungsthemen, wo an irgendeiner Stelle dann ein Text und/oder Rechner zum Einsatz kommt.
Ich freue mich total darauf, mit ganz vielen tollen systemischen Kolleg*innen zusammen arbeiten zu dürfen und vor allem erstmal wieder ganz viel zu lernen (als Beisitzerin in den Weiterbildungsdurchgängen bei der WISPO)!

Eigentlich wollte ich in Sachen „Digitale Beratung“ in diesem Jahr auch in die Beratung per Video einsteigen und damit ein bisschen herumexperimentieren. Da ich Ende letzten Jahres aber nicht genügend Zeit hatte, das Ganze vernünftig vorzubereiten, schiebe ich das noch eine bisschen und hoffe im Frühjahr/Frühsommer eine Entscheidung für Software und Konzeption getroffen zu haben. Nach wie vor wird das Format Video relativ wenig genutzt, aber auch hier wird sich in den nächsten Jahres einiges bewegen, wie aktuelle Entwicklungen bei einigen Trägern vermuten lassen.

Aber – und das ist eine für mich ganz interessante Selbsterkenntnis der letzten Wochen – ich merke, dass mein Herzensthema Onlineberatung sich für mich in den letzten ein bis zwei Jahren ganz stark gewandelt hat. Schon etwas davor, als ich angefangen habe, mich intensiver mit Blended Counseling zu befassen, hat dieser Veränderungsprozess begonnen und ich habe deutlich gespürt, dass meine zweite Leidenschaft ganz sicher das „klassische“ face-to-face-Beratungsgespräch ist. Gerade die Verschmelzung/Kombination unterschiedlicher Kommunikationskanäle zur Gestaltung des Gesprächs, aber auch der Einsatz digitaler Tools in der Präsenz-Beratung faszinieren mich immer mehr. Das ist  für mich als eine, die zeitlich gesehen wohl noch zur „Pioniertruppe“ der Onlineberatung gehört, eine gute Entwicklung, weil ich nicht bei der Onlineberatung stehen geblieben bin, sondern die Möglichkeit hatte die Thematik weiter auszudifferenzieren. Und nicht zuletzt hat da das Buzzword „Digitalisierung“ seinen Anteil geleistet, weil es eben um viel mehr als „online zu beraten“ geht.

Was ich gerade lese/lesen werde (ich bekomme von dem Verlag nichts dafür, dass ich die Titel hier poste):

 

Da ich gefühlt den halben Januar im Zug verbringen werde – genug Lesestoff und Zeit! Und vielleicht auch zum Bloggen – ich geb mir Mühe 😉

Das eigene Mediennutzungsverhalten – eine Selbstreflexion

Gerade sitze ich im Zug auf dem Weg nach München. Auf den Ohren die Kopfhörer, um Musik zu hören, das Smartphone am Tisch im Lademodus und der Laptop vor der Nase, um diesen Blogbeitrag zu schreiben.

Tatsächlich entsteht dieser Beitrag, da ich ein wenig ein schlechtes Gewissen habe… Den Blog habe ich in den letzten Monaten zunehmend weniger bespielt, obwohl ich sogar extra vor einiger Zeit die Domain http://www.onlinecoachingblog.net gekauft habe, um auf den ganzen Werbekram hier verzichten zu können.

Ähnliches passiert auf meinem Twitteraccount, den ich eine ganze Weile doch recht intensiv genutzt habe und als eine gewinnbringende Möglichkeit empfunden habe, um kurze Mitteilungen los zu werden, über Themen und Menschen, die mich interessieren informiert zu bleiben und die Community zu nutzen, wenn eine Frage schnell geklärt werden sollte (noch nie hatte ich so schnell fünf mögliche Seminarräume in HH, wie in den 10 Minuten nachdem ich auf twitter nach Empfehlungen gefragt hatte!). Aber auch auf twitter bin ich inzwischen weniger aktiv, lese zwar noch hier und da mit, aber verfolge nicht mehr täglich, was in meiner timeline los ist.

Gestern Abend habe ich dann einen „Creator“-Account bei Instagram eröffnet. Das nächste Social Media Tool, dass ich nun mal teste und nutze. Teil des Problems oder Teil der Lösung? Diese Frage beschäftigt mich gerade und eine Antwort wird wohl erst in den nächsten Wochen entstehen. Gleichwohl frage ich mich, ob ich einfach nach einer Weile das Interesse an der Nutzung dieser Kanäle verliere oder ob es die Folge einer Überforderung durch zu viele Kommunikationskanäle ist. Wo muss und will ich überall dabei sein und worauf kann ich gut verzichten? Wo sind „die Anderen“ und was verpasse ich, wenn ich nicht dabei bin? Und wieviel Zeit will ich mit Social Media verbringen?

Hinter allem steckt natürlich mein berufliches und persönliches Interesse an (digitaler) Kommunikation und dem, was mit den unterschiedlichen Plattformen transportiert werden kann. So erlebe ich es gerade auch als eine ganz neue Herausforderung für Instagram eine Bildsprache zu entwickeln, die Menschen dazu anregt, die Texte zu lesen, die ich unter den Bildern poste. Und ich stelle fest, dass gerade Instagram für mich auch persönlich eine Funktion hat: Es verhält sich wie ein Photoalbum, in dem ich dokumentieren kann, was ich wo gemacht habe – erstmal ohne den Anspruch, dass es jemanden anderen interessieren mag.

Immerhin hat die Hinzunahme eines weiteren Social Media Kanals auch dazu geführt, dass ich mal wieder gebloggt habe 😉 Insofern: Schauen wir mal, was sich daraus in den nächsten Wochen und Monaten ergibt. Und wer mag: Folgen kann man mir auf Instagram natürlich auch (username: emily.m.engelhardt)

12. Fachforum Onlineberatung – Programm jetzt online

Am 16./17.09.2019 ist es wieder soweit: Zum 12. Mal veranstaltet das Institut für E-Beratung gemeinsam mit der Onlineberatung der Caritas, der BKE Onlineberatung, SEXTRA (pro familia) und der DGOB die größte Tagung zur Onlineberatung im deutschsprachigen Raum.

Unter der Überschrift „Soziale Innovation braucht Onlineberatung“ wird an zwei Tagen in Nürberg in Vorträgen und Workshops diskutiert und genetzwerkt. Weil ich jeden einzelnen Workshop richtig gut und empfehlenswert finde, hier die ganze Themenübersicht:

 Außerdem gibt es in diesem Jahr vor dem Start des Fachforums am Montagmorgen einen „Einsteiger-Workshop“ für Neulinge in der Onlineberatung, der von Petra Risau und Stefan Kühne angeboten wird.

Alle Infos zum Programm, den Referent*innen und das Anmeldeformular findet man unter www.fachforum-onlineberatung.de

Also: Anmelden und dabeisein!! 🙂

Ausblick auf 2019

Das Jahr hat nur noch wenige Wochen und gefühlt begeben sich alle schon ein wenig in Winterschlaf. Ich sitze gerade im Zug nach Hannover zum „Netzwerk-Forschung“ der DGSv, das in Form eines barCamp stattfinden wird, um dort mit den anderen Teilnehmer*innen über die Nutzung digitaler Medien in der Supervision zu diskutieren. Aber danach ist auch für mich Schluss für dieses Jahr und Urlaub steht an 🙂

Bevor ich auf 2019 blicke, ein kurzer Rückblick auf das Jahr 2018. Es ist viel passiert in Sachen Digitalisierung & Mediatisierung der Beratung (Supervision und Coaching mit gedacht!). Zwei persönliche Highlights waren für mich dieses Jahr das 11. Fachforum Onlineberatung, das wir mit über 200 Teilnehmer*innen im September in Nürnberg veranstaltet haben. Und natürlich die Veröffentlichung meines Lehrbuchs Onlineberatung bei Vandenhoeck & Ruprecht im Herbst diesen Jahres.

Insgesamt nehme ich wahr, dass dieses Jahr an vielen Ecken und Enden sehr intensiv über das Thema „Digitalisierung“ diskutiert wurde. In zahlreichen Tagungen tauchte das Thema im Titel auf und in Arbeitskreisen etc. wurde das Thema aufgegriffen. Unklar ist für mich noch die Ausrichtung: Wird konstruktiv, zukunftsgerichtet und mit Offenheit gegenüber neuen Technologien diskutiert oder eher auf Defizite und mögliche Gefahren hingewiesen? Ersteres würde ich mir wünschen und das ist dann auch der Ausblick für 2019 – oder der Wunsch für das neue Jahr: Mehr mutige Ideen und das Umsetzen dieser!

Der Kalender für 2019 ist schon ganz schön voll, aber auf ein paar Veranstaltungen freue ich mich schon jetzt ganz besonders:

Wir werden zum 11. Mal unsere Weiterbildung zum*r zertifizierten Onlineberater*in anbieten. Im März startet ein Kurs und ein nächster dann im Oktober. Alle Infos dazu gibt es hier

Im April findet die Frühjahrstagung der DGSF zum Thema „Systemische Praxis und Lehre im digitalen Wandel!? – Aufgaben, Perspektiven und Chancen“ statt. Hierbei wird nun auch endlich die Frage der Qualifizierung von (systemischen) Berater*innen thematisiert.

Gespannt bin ich auch auf die zweitägige Veranstaltung in Kiel, die ich im Juni beim Paritätischen Schleswig-Holstein leiten darf und bei der sich dezidiert Führungskräfte zur Digitalisierung der Beratung in Form eines Workshops informieren (und entscheiden!) können.

Und dann steht natürlich im September (16./17.09.2019) wieder das Fachforum Onlineberatung an – das Programm hierzu sollte im Mai auf der Webseite des Instituts für E-Beratung online stehen.

Ich wünsche allen Leser*innen hier eine gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Start in das Jahr 2019!

 

Nachlese vom 11. Fachforum Onlineberatung

Gestern endete das 11. Fachforum Onlineberatung und in diesem Jahr blicken wir auf die bislang größte Tagung zur Onlineberatung in Nürnberg zurück. Mehr als 200 Teilnehmer*innen als ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und Dänemark haben an zwei Tagen in Vorträgen und Workshops rund um das Thema „Onlineberatung in Zeiten der Digitalisierung“ Neues erfahren, diskutiert und Impulse gesetzt.

Der Eröffnungsvortrag von Prof.’in Nadia Kutscher von der Universität zu Köln führte in „Befunde und Entwicklungen“ zur Onlineberatung in Zeiten der Digitalisierung ein. Wissenschaftlich fundiert, anschaulich und nachdrücklich lieferte Nadia Kutscher einen Überblick über wichtige Entwicklungen, Auswirkungen von Big Data und wies auf wichtige datenschutzrechtliche aber auch ethische Fragestellungen für Onlineberater*innen aber auch in der Sozialen Arbeit Tätige ganz allgemein hin. Wie gehen wir künftig zum Beispiel mit der Möglichkeit um, dass wir über unsere Klient*innen weitaus mehr Informationen erhalten können, indem wir eine Netzrecherche durchführen? Und was bedeutet es für Berater*innen und ihre Klient*innen, wenn über ungeschützte digitale Kommunikationswege vertrauliche Inhalte ausgetauscht werden? In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal auf den wirklich sehenswerten Beitrag der Sendung Quarks und Co. zum Thema „Die Macht der Daten“ hingewiesen, den auch Nadia Kutscher in ihrem Vortrag nachdrücklich empfohlen hat.

IMG_4101.JPG

Foto einer Folie aus dem Vortrag von Nadia Kutscher zum Thema Big Data und seine Folgen.

Sehr eindrücklich appellierte Nadia Kutscher außerdem dafür, dass sich Onlineberater*innen als Pionier*innen der und Expert*innen für Digitalisierung in den aktuellen Diskurs einbringen sollen!

Im Anschluss wurde in sechs unterschiedlichen Workshops zu Themen wie DSGVO, Traumatherapeutische Interventionen und Cross-medialer Beratung diskutiert und informiert. Die Dokumentation der gesamten Tagung und damit auch der Workshops, werden wir in den nächsten Wochen auf www.fachforum-onlineberatung.de zum Download zur Verfügung stellen, soweit uns die Referent*innen ihre Unterlagen zur Verfügung stellen.

Ich habe einen Workshop zum Thema ‚gute‘ E-Mailberatung angeboten, in dem sich erfahrene Onlineberater*innen und Neulinge mit verschiedenen Methoden und Technik vertraut gemacht haben. Deutlich wurde: Einen Text mit unterschiedlichen Lesarten zu bearbeiten, wie es Alex Brunner in seinem Artikel zum „Digitalen Lesen und Schreiben“ in der Onlineberatung beschreibt, eröffnet Berater*innen neue Zugänge zur Mailberatung.

IMG_4103

Foto einer Pinnwand mit Kartensammlung der Teilnehmer*innen zur Frage welche Methoden der Mailberatung sie bereits kennen und anwenden.

In den Pausen gab es genügend (?) Zeit zum Austauschen und Netzwerken. Neben Ausstellungen von Onlineberatungsanbieter*innen, Softwareanbietern und einem Büchertisch, der aktuelle Literatur zur Onlineberatung bereit hielt, gab es einen ThinkTank, in dem die Teilnehmer*innen interaktiv ihre Erfahrungen mit Onlineberatungssoftware (mit)teilen konnten. Die Ergebnisse werden wir ebenfalls in Kürze online stellen.

IMG_4104

Foto von zwei Tafeln mit Fragen zum Ist-Zustand der Softwarenutzung und Sammlung von künftigen Wünschen an die Onlineberatungssoftware.

Den Abschlussvortrag hielt Jona Höldere aus Berlin, der sich mit der Frage beschäftigte, wie wir neue Zielgruppen in der Onlineberatung erreichen können. Hölderle machte darauf aufmerksam, dass die Onlineberatung oftmals nur von Menschen genutzt wird, die ohnehin in der Lage sind, sich nach Hilfsmöglichkeiten im Netz umzusehen und dann gezielt nach diesen nutzen (s. auch Joachim Wenzel 2013). Ein viel größerer Teil, der aber eigentlich dringend die Hilfe benötigen würde, findet die Angebote gar nicht erst, da die Suchkriterien der Nutzer*innen ganz andere sind, als die gebotenen Andockpunkte der Onlineberatungsanbieter.

IMG_4106.JPG

Foto einer Folie aus dem Vortrag von Jona Hölderle zum Thema Conversion-Trichter.

Deutlich wurde, dass die Soziale Arbeit/Beratung sich intensiver mit der Frage beschäftigen muss, wie bedürftige Zielgruppen besser erreicht werden können. Ein paar Anhaltspunkte lieferte Hölderle in seinem Vortrag – gleichwohl wird vor allem die Ressourcenfrage für Einrichtungen der Sozialen Arbeit hierbei eine wesentliche Rolle spielen.

Drumherum: Während des Fachforums wurde auch ein bisschen getwittert – unter dem Hashtag #ffob18 🙂

Das nächste Fachforum Onlineberatung findet am 16./17. September 2019 in Nürnberg statt.

Ich habe ein Buch geschrieben…

…und das erscheint in der kommenden Woche, am 10. September 2018.

Worum gehts? Das dürfte vermutlich wenig überraschen, denn es ist natürlich das Thema „Onlineberatung“. Es handelt sich um ein Lehrbuch, dass neben den theoretischen Hintergründen, die man als Onlineberater*in kennen sollte, vor allem eine sehr praxisnahe Einführung in die Onlineberatung ermöglicht.

Ein Buch zu schreiben, war eine ganz besondere Erfahrung und hat mir einerseits viel Spaß gemacht, mich andererseits in den letzten Monaten zeitlich aber auch enorm gefordert. Ich bin dankbar für die vielen Unterstützer*innen, die dazu beigetragen haben, dass das Ganze in einem überschaubaren Rahmen fertiggestellt werden konnte und hatte eine wirklich gute Unterstützung durch meine Verlags-Lektorin.

Ich hoffe, mit dem Buch auch einen Beitrag zur Digitalisierung der Sozialen Arbeit zu leisten und freue mich, dass mein Verlag, Vandenhoeck & Ruprecht, Onlineberatung als ein wichtiges Kernthema für die Soziale Arbeit und die Zukunft der Beratung ansieht.

Wo liegen Chancen und Grenzen von Onlineberatung? Wie gelingt eine professionelle Beziehungsgestaltung zwischen Fachkraft und Klient*in der digitalen Beratung? Was sind die Besonderheiten von Online-Kommunikation?

Der Einsatz digitaler Medien und Kommunikation spielt im Bereich der psychosozialen Beratung eine immer wichtigere Rolle. Dieses Lehrbuch vermittelt (angehenden) Fachkräften im Kontext von Beratung, Coaching und Supervision praktisches Handlungswissen zur Onlineberatung. Neben theoretischen Grundlagen veranschaulicht Emily Engelhardt anhand von praktischen Beispielen und Übungen, wie Onlineberatung konkret umgesetzt wird. Die Leser*innen lernen die unterschiedlichen Tools der textbasierten Onlineberatung (Mail-, Chat- und Forenberatung) sowie neuere Entwicklungen wie Video- und Messengerberatung kennen und setzen sich mit den Besonderheiten der Onlinekommunikation auseinander. Neben den Einsatzmöglichkeiten und -feldern von Onlineberatung werden rechtliche, technische und organisatorische Aspekte beleuchtet.

(Klappentext, Lehrbuch Onlineberatung, 2018)

Das „Lehrbuch Onlineberatung“ erscheint am 10. September 2018 bei Vandenhoeck & Ruprecht und kann direkt bei Verlag, den üblichen Online-Buchhändlern und natürlich in der Buchhandlung des Vertrauens erworben werden.