Archiv der Kategorie: Datenschutz

Nachlese vom 11. Fachforum Onlineberatung

Gestern endete das 11. Fachforum Onlineberatung und in diesem Jahr blicken wir auf die bislang größte Tagung zur Onlineberatung in Nürnberg zurück. Mehr als 200 Teilnehmer*innen als ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und Dänemark haben an zwei Tagen in Vorträgen und Workshops rund um das Thema „Onlineberatung in Zeiten der Digitalisierung“ Neues erfahren, diskutiert und Impulse gesetzt.

Der Eröffnungsvortrag von Prof.’in Nadia Kutscher von der Universität zu Köln führte in „Befunde und Entwicklungen“ zur Onlineberatung in Zeiten der Digitalisierung ein. Wissenschaftlich fundiert, anschaulich und nachdrücklich lieferte Nadia Kutscher einen Überblick über wichtige Entwicklungen, Auswirkungen von Big Data und wies auf wichtige datenschutzrechtliche aber auch ethische Fragestellungen für Onlineberater*innen aber auch in der Sozialen Arbeit Tätige ganz allgemein hin. Wie gehen wir künftig zum Beispiel mit der Möglichkeit um, dass wir über unsere Klient*innen weitaus mehr Informationen erhalten können, indem wir eine Netzrecherche durchführen? Und was bedeutet es für Berater*innen und ihre Klient*innen, wenn über ungeschützte digitale Kommunikationswege vertrauliche Inhalte ausgetauscht werden? In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal auf den wirklich sehenswerten Beitrag der Sendung Quarks und Co. zum Thema „Die Macht der Daten“ hingewiesen, den auch Nadia Kutscher in ihrem Vortrag nachdrücklich empfohlen hat.

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Foto einer Folie aus dem Vortrag von Nadia Kutscher zum Thema Big Data und seine Folgen.

Sehr eindrücklich appellierte Nadia Kutscher außerdem dafür, dass sich Onlineberater*innen als Pionier*innen der und Expert*innen für Digitalisierung in den aktuellen Diskurs einbringen sollen!

Im Anschluss wurde in sechs unterschiedlichen Workshops zu Themen wie DSGVO, Traumatherapeutische Interventionen und Cross-medialer Beratung diskutiert und informiert. Die Dokumentation der gesamten Tagung und damit auch der Workshops, werden wir in den nächsten Wochen auf www.fachforum-onlineberatung.de zum Download zur Verfügung stellen, soweit uns die Referent*innen ihre Unterlagen zur Verfügung stellen.

Ich habe einen Workshop zum Thema ‚gute‘ E-Mailberatung angeboten, in dem sich erfahrene Onlineberater*innen und Neulinge mit verschiedenen Methoden und Technik vertraut gemacht haben. Deutlich wurde: Einen Text mit unterschiedlichen Lesarten zu bearbeiten, wie es Alex Brunner in seinem Artikel zum „Digitalen Lesen und Schreiben“ in der Onlineberatung beschreibt, eröffnet Berater*innen neue Zugänge zur Mailberatung.

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Foto einer Pinnwand mit Kartensammlung der Teilnehmer*innen zur Frage welche Methoden der Mailberatung sie bereits kennen und anwenden.

In den Pausen gab es genügend (?) Zeit zum Austauschen und Netzwerken. Neben Ausstellungen von Onlineberatungsanbieter*innen, Softwareanbietern und einem Büchertisch, der aktuelle Literatur zur Onlineberatung bereit hielt, gab es einen ThinkTank, in dem die Teilnehmer*innen interaktiv ihre Erfahrungen mit Onlineberatungssoftware (mit)teilen konnten. Die Ergebnisse werden wir ebenfalls in Kürze online stellen.

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Foto von zwei Tafeln mit Fragen zum Ist-Zustand der Softwarenutzung und Sammlung von künftigen Wünschen an die Onlineberatungssoftware.

Den Abschlussvortrag hielt Jona Höldere aus Berlin, der sich mit der Frage beschäftigte, wie wir neue Zielgruppen in der Onlineberatung erreichen können. Hölderle machte darauf aufmerksam, dass die Onlineberatung oftmals nur von Menschen genutzt wird, die ohnehin in der Lage sind, sich nach Hilfsmöglichkeiten im Netz umzusehen und dann gezielt nach diesen nutzen (s. auch Joachim Wenzel 2013). Ein viel größerer Teil, der aber eigentlich dringend die Hilfe benötigen würde, findet die Angebote gar nicht erst, da die Suchkriterien der Nutzer*innen ganz andere sind, als die gebotenen Andockpunkte der Onlineberatungsanbieter.

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Foto einer Folie aus dem Vortrag von Jona Hölderle zum Thema Conversion-Trichter.

Deutlich wurde, dass die Soziale Arbeit/Beratung sich intensiver mit der Frage beschäftigen muss, wie bedürftige Zielgruppen besser erreicht werden können. Ein paar Anhaltspunkte lieferte Hölderle in seinem Vortrag – gleichwohl wird vor allem die Ressourcenfrage für Einrichtungen der Sozialen Arbeit hierbei eine wesentliche Rolle spielen.

Drumherum: Während des Fachforums wurde auch ein bisschen getwittert – unter dem Hashtag #ffob18 🙂

Das nächste Fachforum Onlineberatung findet am 16./17. September 2019 in Nürnberg statt.

Die DSGVO aus Sicht der (Online-)Beratung

Nun ist sie also da – die lange angekündigte und dann doch ganz plötzlich aus dem Nix aufgetauchte DSGVO! Ein bisschen so wie Weihnachten: Alles wissen, das es bald soweit ist und dann läuft man doch ganz erstaunt und gestresst einen Tag vor Heilig Abend los um Geschenke zu kaufen. So ähnlich äußerte sich Peter Schaar, der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte, zum Thema DSGVO. Seine intelligente und unaufgeregte Analyse des neuen Datenschutzgesetzes ist sehr lesenswert.

Viele Onlineberater*innen fragen sich nun, was die DSGVO eigentlich für die Onlineberatung bringt. In der Regel wird dort zwar sehr wenig mit personenbezogenen Daten gearbeitet, da die Ratsuchenden zumeist anonym bleiben wollen, jedoch gehören auch Dinge wie Standortdaten oder IP-Adresse zu Daten, die sich einer bestimmten Person zuordnen lassen. Es ist Aufgabe der Leitung einer (Online)Beratungsstelle dafür Sorge zu tragen, dass der Datenschutz auch künftig nach den Regeln der DSGVO umgesetzt wird, also auch die entsprechenden Voraussetzungen hierfür geschaffen werden (technische Aspekte, ggf. Datenschutzbeauftragte*r usw.)

Heute morgen habe ich mal bei ein paar großen Onlineberatungsstellen gegoogelt, wie sie ihre neuen Datenschutzerklärungen formuliert haben und es war ganz interessant…einige Seiten waren „under construction“ beim Menüpunkt „Datenschutzerklärung“, andere hatten noch die alte Version online und bei einigen gab es bereits eine DSGVO-konforme Variante. Es ist davon auszugehen, dass alle in den nächsten Tagen und Wochen ihre Erklärungen entsprechend angepasst haben.

Was mich in dem Zusammenhang aber viel mehr beschäftigt ist die Frage, ob der ganze DSGVO-Hype nun zu einer Sensibilisierung der Berater*innen (und ihrer Leitungen!) geführt hat und damit auch ein Ende der (leider immer noch stattfindenden) Mailberatungen über Outlook-Clients und Messengerberatungen per WhatsApp (zumal man da ja nur noch ab dem Alter 16 mitmachen darf 😉 )zu erwarten ist? DAS wäre eine echte Innovation!

 

Am 25. Mai tritt die DSGVO in Kraft

…und viele wissen noch nicht wirklich, was das bedeutet.

Mit dem neuen Gesetz werden die Rechte der Nutzer*innen gestärkt, was natürlich gut ist, da auch Anbieter*innen irgendwo im Netz mal ans Nutzer*innen unterwegs sind. Das Gesetz schützt uns also alle. Gleichzeitig ist momentan im Netz vor allem unter Bloggern ein großer Aufschrei zu hören, da für viele unklar ist, wie sie künftig ihre Blogs DSGVO-konform weiter betreiben können. Manches wird sich erst mit der Zeit zeigen und es stehen vermutlich ein paar Anwälte in den Starlöchern, die das Inkrafttreten der DSGVO für eine Abmahnwelle nutzen werden – leicht verdientes Geld.

Ich habe meine Datenschutzerklärung hier auf meiner Webseite angepasst und die Kommentarfunktion bis auf weiteres deaktiviert, da ich selbst noch nicht weiß, ob ich als  Wordpress-Nutzer*in die nötigen Vorkehrungen treffen kann bzw. WordPress mir dies ohne weiteres ermöglicht.

Meine E-Mail-Follower möchte ich daher auch bitten zu prüfen, ob sie dem Blog weiterhin folgen möchten (was mich natürlich sehr freuen würde). Ich bin jedoch dazu verpflichtet, sie darauf aufmerksam zu machen, dass sie die Möglichkeit haben (wie auch schon vorher) ihre Einwilligung zu widerrufen. Am einfachsten geht das, indem man den Blog einfach wieder „entfolgt“. Neue Follower weise ich in der Datenschutzerklärung auf ihre Rechte entsprechend hin.

Für alle, die sich im Kontext Onlineberatung für die DSGVO interessieren: Beim diesjährigen Fachforum Onlineberatung wird Corinna Gekeler zu diesem Thema einen Workshop anbieten!

DGSF und DGOB veröffentlichen gemeinsame Stellungnahme zur Vertraulichkeit von Onlineberatung

In einer gestern veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme äußern sich die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) und die Deutschsprachige Gesellschaft für psychosoziale Onlineberatung (DGOB) zur Notwendigkeit eines umfassenden Gesamtkonzepts zum Berufsgeheimnisschutz in einer Digitalisierten Gesellschaft und Beratungslandschaft.

Die Stellungnahme kann hier abgerufen werden: https://www.dgsf.org/themen/stellungnahmen-1/vertraulichkeit-onlineberatung

 

Artikel zu den Qualitätsmerkmalen guter Onlineberatung

Im vergangenen Jahr wurde ich von der Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung eingeladen einen Artikel zum Thema „Qualität in der Onlineberatung“ zu schreiben. Ein Thema, dass man ständig aktualisieren müsste, da die Entwicklungen in diesem Feld außerordentlich dynamisch sind. Insofern gibt dieser Artikel auch „nur“ einen Überblick über die zu beachtenden Aspekte – eine übergeordnete Qualitätsempfehlung (so dies überhaupt möglich ist), steht noch aus.

Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung, Heft 03/2013

Qualitätsmerkmale guter Onlineberatung ‐ Aktuelle Anforderungen an Forschung und
Praxis
Zusammenfassung: Die Diskussion über die Entwicklung von Qualitätskriterien und die Sicherstellung und Überprüfbarkeit von Qualität in der Onlineberatung ist im vollen Gang. Onlineberatung hat sich inzwischen soweit etabliert, dass es nicht mehr um die Frage geht „ob“ sondern „wie“ Onlineberatung stattfinden muss. Hierbei gilt es die Erfahrungen aus der Pionierphase der internetgestützten Beratung strukturiert aufzuarbeiten und daraus Qualitätsempfehlungen für die aktuelle Praxis der Onlineberatung zu formulieren. Der vorliegende Artikel soll dazu anregen Qualitätsaspekte für eine gute Praxis der Onlineberatung zu überdenken und einen Ausblick auf die noch offenen „Baustellen“
schaffen.

Quality characteristics of good online counseling ‐ Current requirements for research and
practice
Summary: The debate on the development of quality standards and ensuring quality and

verifiability of online counseling is in full swing. Online counseling has now established itself
as far as it no longer comes to the question of „if“ but „how“ online counseling should be
realized. To formulate recommendations for the quality of current practice of online
counseling it is helpful to analyze the experiences of the pioneer phase of web‐based
counseling. This article wants to invite the readers to discuss and reconsider aspects of good
practice of online counseling and provides an outlook on prospective challenges.

1. Einleitung
Die Entwicklung der Onlineberatung im deutschsprachigen Raum hat mehrere Phasen durchlaufen: Mit den ersten virtuellen Beratungsangeboten Anfang und Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde der Grundstein für eine neue Form der Beratung gelegt. Dem Auftakt dieser Angebote mit Pioniercharakter und einem hohen Maß an Experimentierfreude folgte bald der Ruf nach Standards und Qualitätssicherungsmaßnahmen. Es wurden die ersten qualifizierenden Ausbildungen in Onlineberatung ins Leben gerufen und diverse Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit der Entwicklung von Qualitätsstandards und Empfehlungen zur Umsetzung und Durchführung von Onlineberatungsangeboten. So führte der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen 2001 ein ‚Gütezeichen für psychologische Online‐Beratung‘ ein. „Ziel dieses Gütezeichens ist es, eine Orientierung zum Auffinden qualitativ hochwertiger Beratungen zu geben.“ (Bundesverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen 2001). Hier ist jedoch anzumerken, dass die Kriterien für die Vergabe eines solchen Gütezeichens eine spezifizierte Ausbildung in Onlineberatung nicht voraussetzen. Die Föderation Schweizer PsychologInnen entwickelte im Rahmen der Kommission Fortbildung Online‐Beratung (KFOB) im Frühjahr 2003 ein ‚Kompetenzprofil der psychologischen Online‐BeraterInnen‘ in dem ein umfangreicher Katalog an Fähigkeiten und Kompetenzen aufgeführt ist (KFOB 2003). In unterschiedlichen Arbeitskreisen wurden Empfehlungen und Standards für Onlineberatung entwickelt (z. B. Verein Wiener Sozialprojekte 2006, Deutscher Caritasverband e. V. 2007, Deutscher Arbeitskreis für Jugend‐, Ehe‐ und Familienberatung 2010).
Als ein „unabhängiges Forum zur Weiterentwicklung der Online‐Beratung“ (DGOB 2005) wurde 2005 die Deutsche Gesellschaft für Online‐Beratung gegründet. Mit dem seit 2008 jährlich stattfindenden ‚Fachforum Onlineberatung‘ an der Technischen Hochschule Nürnberg wurde eine weitere trägerübergreifende Plattform für Onlineberatung geschaffen.
Im Rahmen einer hieraus resultierenden Arbeitsgemeinschaft verschiedener Träger der
Onlineberatung wurde ein gemeinsames Curriculum mit Mindeststandards für die
Onlineberatungsausbildung verabschiedet (Trägertreffen 2011). Mit der Gründung eines
Fachbeirats und Zertifizierungsausschusses für Onlineberatungsausbildungen im März diesen
Jahres wurde ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Qualitätssicherung unternommen.

Mit seiner Master‐Thesis zum Thema „Qualitätsmanagement in der psychosozialen
Onlineberatung“ (Kühne 2012) legt Stefan Kühne die erste systematische Übersicht und
Analyse der vorhandenen Konzepte zur Qualität und zur Aus‐ und Weiterbildung im Bereich
Onlineberatung vor. Offen bleiben nach Kühne jedoch die Definition von allgemeingültigen
Standards zur Onlineberatung sowie eine Untersuchung zur realen Praxis (Kühne 2012, S.
86f.).
Mit eben dieser Frage der zentralen Qualitätsmerkmale einer „guten“ und sicheren
Onlineberatung befasst sich das von der STAEDTLER Stiftung unterstützte Forschungsprojekt
zu einer ‚Vorstudie zur Entwicklung eines Gütesiegels für Onlineberatung‘ am Institut für E-Beratung an der Technischen Hochschule Nürnberg. Das im Herbst 2012 neu gegründete
Institut der Fakultät Sozialwissenschaften bündelt Projekte, Expertenwissen und Aktivitäten
elektronisch vermittelter Kommunikation im psychosozialen Beratungsbereich. Das Institut
für E‐Beratung knüpft hierbei an die bisher gemachten Erfahrungen im Bereich der
Onlineberatung an und erweitert den Fokus auf weitere Formen internetgestützter und
elektronisch vermittelter Beratungsleistungen (wie z. B. 3‐D‐Onlineberatung oder SMSgestützte
Beratungsformen). Im Rahmen der genannten Vorstudie werden bereits vorhandene Qualitätsmerkmale erhoben und mit internationalen Standards vergleichen. Die daraus gewonnenen Qualitätsempfehlungen zur Onlineberatung werden mit den derzeitigen
Trägern der Onlineberatung im Konsens vereinbart, um eine möglichst breite Akzeptanz
herzustellen. Die daraus künftig resultierende Vergabe eines ‚Gütesiegels‘ hilft NutzerInnen
im Netz schnell eine geeignete, seriöse und fachlich fundierte internetgestützte Beratung
und Unterstützung zu erreichen.
Bei einem solchen Qualitätszeichen kann es jedoch nicht nur darum gehen, den NutzerInnen
Orientierung zu geben. Das Festlegen, Einhalten und Überprüfen von Standards ist der einzig
mögliche Weg, um Onlineberatung die nötige Substanz zu verleihen, die sie zu einem
durchweg ernstzunehmenden und damit auch finanziell förderungsfähigen Beratungsangebot in der sozialen Landschaft macht. Hier bedarf es nicht nur auf Seiten der Kostenträger eines Umdenkens. Insofern hat ein ‚Gütesiegel‘ für Onlineberatung auch eine starke Signalwirkung in Richtung Fachwelt und Kostenträger für soziale Beratungsleistungen.
Auch die Einrichtungen selbst stehen vor der Frage, wie sie die Onlineberatung in ihr bisheriges (Beratungs‐)Konzept integrieren und mit den konventionellen Beratungsangeboten verknüpfen, also Onlineberatung von einem Nebenangebot zu einer strukturierten Form von „Blended Counseling“ zu entwickeln (Weiß & Engelhardt 2012). Denn nach wie vor dient in der Onlineberatung die Face‐to‐Face‐Beratung als Referenzmodell anhand dessen man Unterschiede und Ähnlichkeiten aufzeigt und auch Schlüsse für die Weiterbildung in Onlineberatung definiert. Die (Weiter‐)Entwicklung eigener Onlineberatungskonzepte und ‐ansätze, die losgelöst von der konventionellen Beratung gedacht und entwickelt werden, stellt also eine weitere Herausforderung für die Zukunft dar, die maßgeblich dazu beitragen wird, Qualität zu schaffen.

2. Kriterien für gute Onlineberatung
Aber was macht gute Onlineberatung aus? Auf den ersten Blick lautet die Antwort vermutlich: hochqualifizierte Beratungskräfte, deren Angebot auf einer Plattform mit den höchsten Standards für eine datensichere Kommunikation stattfindet. Hier muss nun aber
eine vertiefte Betrachtung der einzelnen Punkte stattfinden, um zu einer tragfähigen und seriösen Beschreibung von „Güte“ in der Onlineberatung zu kommen. Die Ratsuchenden selbst werden ihrerseits eine „gute“ Beratung an ganz unterschiedlichen Aspekten festmachen: Hat mir die Beratung geholfen, mein Problem zu lösen, war mir meine Beraterin sympathisch, habe ich mich verstanden und angenommen gefühlt usw.?
Kriterien für die Vergabe eines ‚Gütesiegels‘ müssen folglich bei objektiv messbaren Faktoren auf Seiten der Beratungsstelle liegen. Hierfür wird es notwendig sein, einen Kriterienkatalog zu entwickeln, der auf unterschiedliche Qualitätsaspekte abzielt, hierbei jedoch nicht die Besonderheiten der einzelnen Angebotsformen unberücksichtigt lässt (z. B. Angebote, die nur online erfolgen gegenüber Angeboten, die als zusätzliche Zugangsmöglichkeit zur Beratung bereitgestellt werden).
Träger der Onlineberatung haben sich hierzu in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen Papieren und Statements intensive Gedanken gemacht. Als Qualitätskriterien werden beispielsweise Zugang, Erreichbarkeit und Wahlfreiheit der Ratsuchenden sowie Vernetzung genannt (Mitgliederversammlung KBK‐EFL 2007), ebenso finden Aspekte wie technische Sicherheit, Anwendungsbereiche von Onlineberatung und Personalkoordination Berücksichtigung (pro familia‐Bundesverband 2004). All diesen Erklärungen gemein ist, dass die fortlaufende Entwicklung der Qualitätskriterien insbesondere in Hinblick auf die stetigen Veränderungen und Neuerungen in der virtuellen Welt, als notwendig erachtet wird und eine damit einhergehende Selbstverpflichtung dieser nachzukommen formuliert wird.
Der vorliegende Artikel konzentriert sich auf drei Bereiche, die die Entwicklung der Qualität
von Onlineberatung entscheidend beeinflussen: Qualifizierung, technische Standards und
organisationale Strukturen.

2.1. Qualifizierung von Beratenden in der Onlineberatung
Onlineberatung bedarf auf Seiten der Beratenden besondere Fähigkeiten und Kompetenzen.
Eine grundständige Beratungsausbildung (im konventionellen face‐to‐face‐Beratungssetting)
ist eine wichtige Grundlage und hilfreich um grundlegende Prozesse in einer Beratung verstehen zu können (z. B. Übertragung und Gegenübertragung, Auftragsklärung etc.), sie
kann jedoch nicht allein zur Beratung im Onlinesetting qualifizieren.
In den vergangenen Jahren gab es unterschiedliche Versuche, Ausbildungsangebote in
Onlineberatung mit gemeinsamen Standards zu versehen. Dennoch unterscheiden sich viele
Ausbildungslehrgänge nach wie vor stark – vor allem in Hinblick auf ihren Umfang. Von Wochenendkursen mit theoretischen Einführungen, die stärker auf die Handhabung der Beratungssoftware abzielen bis hin zu umfangreichen mehrmonatigen und gestuften Ausbildungslehrgängen mit einer durch Mentoren begleiteten Fallpraxis (z. B. bke
Qualifizierung und Qualitätssicherung 2007/2010, Zertifikatskurs Online‐Beratung der
Technischen Hochschule Nürnberg 2008 ). Ein wichtiger Schritt zur Vereinheitlichung und
damit auch zur qualitativen Anhebung von Ausbildungsstandards in der Onlineberatung wurde mit dem 2011 verabschiedeten trägerübergreifenden „Ausbildungscurriculum Onlineberatung“ (ebd. 2011) gegangen.
Dieses Curriculum sieht als Zugangsvoraussetzung zu einer Onlineberatungsausbildung eine
„beratungsrelevante Grundausbildung […] sowie weitere beratungsspezifische Fort‐ und
Weiterbildungen“ und eine „arbeitsfeldspezifische Kompetenz“ vor (ebd. 2011). Somit wird also vorausgesetzt, dass Personen, die eine Qualifizierung in Onlineberatung anstreben, bereits eine Grundqualifizierung in Beratung besitzen. Die Ausbildung selbst kann dann auf diesen Kompetenzen aufbauen und die Beratenden zu den Besonderheiten von Onlineberatung zusätzlich schulen.
Eine Ausbildung zum/r Onlineberater/in soll einen Stundenumfang von mindestens 100
Unterrichtsstunden (im blended learning Verfahren) nicht unterschreiten, ebenso wird ein
Selbsterfahrungsanteil in Form von einer durch erfahrene Mentoren begleiteten Fallpraxis
empfohlen (ebd., 2011).
Inhaltlich wird von einem dreistufigen Konzept ausgegangen:
‐ Kompetenz in Onlinekommunikation
‐ Kompetenz in Onlineberatung
‐ Kenntnisse über rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen
Der Einstieg über die Grundlagen von Onlinekommunikation soll bei den Auszubildenden vor allem ein Bewusstsein dafür wecken, dass Onlineberatung keine face‐to‐face‐Beratung in einem anderen Medium ist (Brunner, 2006). Es geht vielmehr darum, sich auf eine ganz neue Form der Kommunikation und Interaktion einzulassen und deren Spezifika für die Gestaltung
eines Beratungsprozesses zu verinnerlichen.
Neben der theoretischen und praktischen Qualifizierung in Onlineberatung spielt für eine nachhaltige Qualitätssicherung in diesem Bereich auch regelmäßige Supervision für die Beratungskräfte eine wichtige Rolle. Die Bereitstellung dieses Angebots ist unter dem Stichwort „Strukturqualität“ von Seiten des Trägers sicher zu stellen. Inhaltlich interessant zu hinterfragen wäre, ob Supervision für Onlineberatende nicht auch in einem virtuellen Setting als Online‐Supervision anzubieten wäre. Reiners bemerkt in diesem Zusammenhang, dass von Supervisoren in diesem Feld „…Erfahrung mit Online‐Kommunikation und der besonderen Beziehungsgestaltung in diesem Bereich sowie den Wirkmechanismen der Online‐Beratung gewünscht [wird], zumindest aber, dass die Supervisorin diesen Themen offen gegenübersteht.“ (Reiners 2010, S. 13)
Die stetige Weiterentwicklung von virtualisierten Lebenswelten, technischen Möglichkeiten
und daraus resultierenden Kommunikationsstrukturen erfordert einen fortlaufenden Qualifizierungsprozess. Onlineberatende müssen sich darüber bewusst sein, wie sich die
fortschreitende Mediatisierung unserer Gesellschaft auch auf die Prozesse in der (Online)Beratung auswirkt. Sie sind dazu aufgefordert, sich immer wieder den aktuellen Stand der Entwicklung anzueignen und sich fortzubilden. Mit einer grundlegenden Onlineberatungsausbildung allein ist es also auf Dauer nicht getan. Dies bedeutet für die Träger und Anbieter von Onlineberatung die Bereitstellung entsprechender Angebote bzw. die Möglichkeit zur Teilnahme an Fortbildungen an entsprechenden Ausbildungsinstitutionen zu schaffen.

2.2. Technische Standards von Onlineberatung
Onlineberatung ist im Gegensatz zu den konventionellen Beratungsformen stark abhängig von einer soliden und datensicheren technischen Lösung. Hierin steckt auch ein Dilemma in der Zertifizierung von Onlineberatenden: keine noch so gute Qualifikation in Onlineberatung ersetzt die Tatsache, dass die Durchführung der Onlineberatung dann auch auf einer entsprechenden Beratungsplattform stattfinden muss. Wer sich als OnlineberaterIn zertifizieren lässt darf nicht auf eine unverschlüsselte E‐Mail zur Durchführung der Beratungsleistung zurückgreifen. Nicht zuletzt deshalb muss eine Ausbildung zum/r Onlineberater/in auch über die technischen Sicherheitsstandards, die beim Einsatz einer Onlineberatung notwendig sind, informieren.
Es lohnt sich deshalb in eine seriöse Beratungssoftware zu investieren, die inzwischen auf
dem Markt von unterschiedlichen Anbietern, die sich auf dieses Feld spezialisiert haben, angeboten wird. Im Wesentlichen sollten aber die zwei Kriterien bei einer Beratungssoftware
Berücksichtigung finden:
‐ Webbasierte Beratung, d.h. die Beratung findet ausschließlich auf einem
hochverfügbarem und verschlüsselten Server statt, es werden kein personen‐ und
beratungsbezogenen Daten auf den Rechnern von BeraterInnen und KlientInnen
gespeichert.
‐ SSL (Secure Sockets Layer)‐Verschlüsselung der Übertragungswege zur sicheren
Datenübertragung (bspw. bekannt vom Onlinebanking).
Hinzu kommen Aspekte, die die Handhabung der Software betreffen, wie beispielsweise ein barrierefreier Zugang, die Optimierung für verschiedene Endgeräte (PC, Tablet, Smartphone
etc.), ein umfangreiches und individuell anpassbares Rechte‐/Rollensystem. Ansprechendes Design und eine hohe Usability sowohl für Ratsuchende als auch für Beratende sowie ein regelmäßiges Update der Software und der Erscheinung der Beratungsstellenseite runden
diesen Punkt ab (Dzeyk 2005, Kühne 2012).

2.3. Organisatorische Aspekte von Onlineberatung
Der Umsetzung eines Onlineberatungsangebotes geht organisationsintern oft ein langer
Entscheidungsprozess voraus. Dieser ist insofern richtig und wichtig, als Anbietern einer
Onlineberatung klar sein muss, dass neben dem Einsatz einer datensicheren Software und
qualifizierten Onlineberatenden wichtige strukturelle und konzeptionelle Punkte zu
beachten sind.
So gilt es zu prüfen, wie die gewünschte Zielgruppe erreicht und ihr virtuelles Kommunikationsverhalten durch den Einsatz entsprechender Beratungstools (Foren, Chat,
webgestützte E‐Mailberatung) erreicht werden kann. Da Onlineberatung zwar oft regional organisiert angeboten wird, aber überregional erreichbar und zugänglich ist, muss die Frage
geklärt werden, wie mit der Beratung von KlientInnen, die nicht in die regionale Zuständigkeit der Einrichtung fallen, umgegangen werden kann. Da hierbei oft auch Finanzierungsfragen in enger Verknüpfung zum Tragen kommen, ist diese Frage durchaus trivial, oftmals aber nicht einfach zu lösen.
Ebenso spielen bei der Konzeption des Onlineberatungsangebots Aspekte der personellen und finanziellen Ressourcen eine wesentliche Rolle. Die Beitragsübernahme durch den/die BeraterIn muss unmittelbar, d. h. unter der Einhaltung kurzer Wartezeiten von i. d. R. nicht mehr als 48 Stunden erfolgen (KBK‐EFL 2007, pro familia 2004). Eine Einführung von Öffnungszeiten nur zu Bürozeiten oder von Wartelisten würde der Kernidee von Onlineberatung grundlegend widersprechen und sie hinfällig machen. Eine Rund‐um‐die‐Uhr‐Erreichbarkeit der Onlineberatungsstelle mit der Möglichkeit jederzeit eine Anfrage zu senden ist folglich ein wesentliches Qualitätskriterium für ein solches Angebot.
Kühne (2012) weist auf drei Dimensionen von Qualität hin, die in Form von Struktur, Prozess und Ergebnis sichtbar werden. Hierbei zählt er zu Aspekten der Strukturqualität unter anderem die Erreichbarkeit des Angebots, den niedrigschwelligen Zugang, einen ausreichende Personalausstattung (inkl. Overhead) sowie Informationen zu den möglicherweise entstehenden Kosten bei der Nutzung des Angebots.
Für die Prozessqualität weist er u.a. auf Aspekte wie Verschwiegenheit, fachliches Können, die Beratungsdokumentation, Fortbildung und Supervision hin. Ergebnisqualität wird nach Kühne in der Onlineberatung anhand der statistischen Aufbereitung und Evaluation des Angebots sichtbar und überprüfbar gemacht (Kühne 2012).
Es wird deutlich, dass Onlineberatung als eigenständige Form der Beratung und nicht als ein
„add‐on“ für die konventionellen Formen von Beratung verstanden werden muss. Die Verschränkung und Verknüpfung von Offline‐ und Onlineberatung stellt hierbei keinen Widerspruch dar, darf aber nicht dazu führen, dass der Eindruck entsteht, die Onlineberatung könne „nebenbei“ erfolgen. Unterstrichen wird die Bedeutung der Onlineberatung durch die schriftliche Fixierung in Form einer „Policy“, die nach innen für die Beratenden (Onlineberatungszeit ist Arbeitszeit!) aber auch nach außen für die Ratsuchenden Transparenz schafft.
Alle konzeptionellen und strukturellen Entscheidungen bei der Gestaltung des Angebots bedürfen also einer seriösen Abwägung der Machbarkeit, damit die Onlineberatung nicht zum bloßen Mittel zum Zweck gerät.

3. Ausblick und Entwicklungsperspektiven
Die Entwicklungsaufgaben rund um die Onlineberatung werden niemals abgeschlossen sein.
Es handelt sich um ein hochdynamisches Feld, das stetige Anpassungs‐ und Überprüfungsprozesse erfordert und von den Betreibern der Angebote ein hohes Maß an
Professionalität und Kompetenz in den oben genannten Bereichen voraussetzt.
Mit der Entwicklung eines ‚Gütesiegels‘ für die psychosoziale Onlineberatung wird ein wichtiger Entwicklungsschritt genommen, da gute Onlineberatung sichtbar und überprüfbar wird. Hierin steckt sowohl für die Ratsuchenden, die auf den ersten Blick erkennen können, ob ein Angebot seriös, sicher und fachlich kompetent betrieben wird, als auch für die Träger der Onlineberatung ein wesentlicher Mehrwert. Auf dem großen und unüberschaubaren Markt der Onlineberatungsangebote, die im Netz vertreten sind, können sich diejenigen Angebote von der Masse abheben, die tatsächlich die qualitativen Kriterien von Onlineberatung erfüllen und als hochwertig einzustufen sind. Hierin steckt auch ein wichtiges Signal hinsichtlich der Finanzierung von Onlineberatung, da mögliche Kostenträger bei der Entscheidung zur Förderung auf diese Maßstäbe zurückgreifen werden.

Literatur/Quellen:
Brunner, A. (2006). Methoden des digitalen Lesens und Schreibens in der Online‐Beratung.
e‐beratungsjournal.net 2 (2). Verfügbar unter: http://www.eberatungsjournal.net/ausgabe_0206/brunner.pdf [Zugriff 25.02.2013]
Bundesverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen über Gütesiegel.
https://www.bdp‐verband.de/html/service/siegel.html [Zugriff 25.02.2013]
Deutscher Arbeitskreis für Jugend‐, Ehe‐ und Familienberatung über Qualitätsstandards für
die psychosoziale und psychologische Beratung im Internet. http://www.dakjef.de/pdf/Qualitaetsstandards_psychosoziale_psychologische‐Beratung_im_Internet.pdf [Zugriff 25.02.2013]
Deutscher Caritasverband e. V. über Leitlinien zur Qualität der Beratung im Internet
im Rahmen des Beratungsportals des Deutschen Caritasverbandes e.V.
http://www.beratung‐caritas.de/fileadmin/user_upload/erziehungsberatung /QL_OnlineBer
atung_DCV_070912_Endf.pdf [Zugriff 25.02.2013]
Deutsche Gesellschaft für Online‐Beratung über Selbstverständnis. http://www.dg‐onlineberatung.de/ueber‐uns/ueber‐die‐dgob.html [Zugriff 25.02.2013]
Dzeyk, W. (2005). Vertrauen in Internetangebote. e‐beratungsjournal.net, 2 (2). Verfügbar
unter: http://www.e‐beratungsjournal.net/ausgabe_0206/dzeyk.pdf [Zugriff 08.04.2013]
Föderation Schweizer PsychologInnen, Kommission Fortbildung Online‐Beratung (KFOB) über
Kompetenzprofil der psychologischen Online‐BeraterInnen. http://www.psychologie.ch/de/publikationen/dokumentation/reglemente/kompetenz_onlin e.html [Zugriff 25.02.2013]
Kühne, S. (2012). Qualitätsmanagement in der psychosozialen Onlineberatung. Master‐
These. Verfügbar unter: http://webthesis.donau‐uni.ac.at/thesen/91457.pdf [Zugriff
08.04.2013]
Mitgliederversammlung der KBK‐EFL über Fachliche Rahmenbedingungen für Onlineberatung. http://www.katholische‐eheberatung.de/fileadmin/pdf/Flyer_onlineberatung/Rahmenbedingungen_Onlineberatung.pdf [Zugriff 08.04.2013]
pro familia‐Bundesverband über Standards zur Qualitätssicherung der Online‐Beratung bei
pro familia. http://www.profamilia.de/fileadmin/dateien/fachpersonal/standards_online‐beratung.pdf [Zugriff 08.04.2013]
Reiners, B. (2010). Supervision von Online‐Beratung. Verfügbar unter: http://www.ifsessen.
de/uploads/media/Aufsatz_von_Bernd_Reiners_Supervision_von_Online‐Beratung.pdf, S. 13f. [Zugriff 09.01.2013]
Trägertreffen Onlineberatung (2011). Gemeinsames Ausbildungscurriculum Onlineberatung.
Nürnberg: unveröffentlichtes Papier
Verein Wiener Sozialprojekte über Standards der Onlineberatung. http://www.e‐ beratungsjournal.net/ausgabe_0106/checkit_layout.pdf [Zugriff 25.02.2013]
Weiß, S., Engelhardt, E. (2012). Blended Counseling – Neue Herausforderungen für
Beratende (und Ratsuchende!). e‐beratungsjournal.net 8 (1). Verfügbar unter:
http://www.e‐beratungsjournal.net/ausgabe_0112/weiss_engelhardt.pdf [Zugriff
08.04.2013]

Muss man der NSA am Ende sogar dankbar sein…?

Nein, natürlich nicht. Denn „Ausspähen unter Freunden geht gar nicht“ (A. Merkel), da hat sie schon Recht (über Kontext und Zeitpunkt dieser Äußerung darf man sich aber durchaus empören). Im besten Fall führt dieser ganze Datenskandal aber bei den Nutzer/innen dazu, dass sie sich noch einmal prüfen und bewusst machen, wie sie mit ihren Daten im Netz umgehen und wo sie was wie kommunizieren. Interessante Auswüchse lassen sich aber feststellen: Google regt sich auf, dass die NSA Daten abzwackt und speichert. Bitte was? Google hat ja auch ganz eigene Vorstellungen, wie sie mit Nutzerdaten umgehen…

Für online-beratend Tätige ist die Frage des Datenschutzes natürlich ganz besonders relevant, machen doch 50% der Arbeit die Anwendung entsprechender technischer Lösungen aus. Ich kann noch so gut beraten – wenn ich keinen Wert auf Sicherheit lege oder zumindest transparent mache, wie mein Angebot gestrickt ist, ist das Murks. Hier werden die Softwareanbieter Antworten finden müssen, nicht zuletzt, um auch Vertrauen (zurück) zu gewinnen. Wir Beratende müssen uns gleichzeitig überlegen, wie wir auf Fragen unserer Ratsuchenden reagieren, wenn die sich nach dem Datenschutz unseres Angebotes erkundigen. Und hier geht es viel weniger um die NSA oder andere Behörden, die Daten abgreifen und speichern können, sondern vielmehr darum schon im Kleinen anzufangen und doch bitte keine „E-Mail-Beratung“ per Mail zu machen. Denn die können auch Leute knacken, die nicht einen riesen Geheimdienstapparat zur Verfügung haben und die vor allem ein ganz gezieltes Interesse an Daten haben könnten.

Ganz spannend, was heute auf Süddeutsche Online zum Thema  „Mailverschlüsselung“ zu lesen ist. Vielleicht rückt das bei dem Einen oder der Anderen online-beratend Tätigen nochmal ins Bewusstsein, dass wir mehr als nur eine Prozessverantwortung haben – auch die technischen Rahmenbedingungen müssen stimmen.