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Krisenberatung am Telefon und per Video in Zeiten von Corona – aktualisierte Handreichung!

Die bereits im März erschienene Handreichung zur Krisenberatung am Telefon und per Video in Zeiten von Corona wurde aktualisiert. Darin wird auf die aktuelle Situation im Herbst 2020 eingegangen, erste Studien zu Auswirkungen der Coronakrise benannt und nun auch das Thema „Beziehungen und Sexualität bei Kontaktbeschränkungen“ beleuchtet.

Hier gehts zur Handreichung (klick)

Kommt jetzt die zweite Welle!?

Ja na klar – bei der Überschrift denken sich manche jetzt „Hä, lebt die hinterm Mond? Wir sind doch schon mittendrin!“. Das stimmt natürlich, wenn es auf die Pandemieentwicklung bezogen wird. Meine Frage zielt aber in Richtung der Notwendigkeit (wieder) Onlineberatung anbieten zu müssen/können/dürfen.

Aber zunächst ein kurzer Rückblick auf die letzten acht Monate. Schon relativ zu Beginn der Pandemie in Deutschland und Europa haben viele Beratungsstellen (notgedrungen) auf Onlineberatung umgestellt. Einige waren ohnehin schon online und haben einfach mehr von dem gemacht, was es bereits gab. Es konnte daher auch auf vorhandene Strukturen relativ unproblematisch aufgesetzt werden: Die PCs waren da, die Fachkräfte geschult, die Software für sichere Kommunikation vorhanden und vor allem war das Angebot bereits vielen Klient*innen bekannt.

Andere mussten ins kalte Wasser springen und haben diesen Sprung mal mehr mal weniger elegant vollzogen: Träger, die die entsprechenden (finanziellen) Ressourcen zur Verfügung hatten, haben Schulungen organisiert und noch schnell eine Software eingekauft. Denn auch das ist momentan, so hört man, ein Problem. Zumindest bei einem Onlineberatungs-Softwareanbieter, der sicherlich zu den führenden in Deutschland gehört, scheint das Telefon und damit der Kundenservice seit einigen Monaten kaum besetzt zu sein. Die Nachfrage nach adäquaten Lösungen zur Umsetzung eines Onlineberatungsangebots scheint also auch exponentiell gewachsen zu sein…

Bei anderen, die vielleicht auch nicht die Mittel und Möglichkeiten hatten, wurde dann teils sehr kreativ nach Lösungen gesucht und autodidaktisch ins Onlineberatungsgeschäft eingestiegen. Und leider gibt es auch (ob großer oder kleiner Träger) Beispiele, die leider etwas grausig sind. Das Thema Datenschutz ist immer „das Problem“. Und dies kann man oftmals gar nicht nur allein denen zum Vorwurf machen, die eben versuchen schnell und unkompliziert für ihre Klientel ein Angebot aus dem Boden zu stampfen. Wie bei den Schulen wurde das Thema „Digitalisierung“ auch in der Sozialen Arbeit in den letzten Jahren größtenteils verpennt.

Dann kam der Sommer und endlich durfte man wieder „richtig“ beraten – ja, so habe ich das durchaus häufiger gehört. Richtige Beratung geht also, wenn zwei (oder mehr) in einer Beratungsstelle zusammen in einem Raum sitzen und miteinander sprechen. Hm, irgendwie komisch – haben also davor alle „falsch“ beraten? Oder eben „nicht so richtig gut“ oder…

Ja oder! Oder haben sich einige Beratende dabei einfach nicht so wohl, so sicher und versiert wie sonst gefühlt? Ich tippe auf letzteres, denn natürlich weiß jede*r der*die Onlineberatung richtig gelernt hat, dass man auch schriftlich oder gar per Video „richtig“ beraten kann. Man muss es eben können. Gleiches gilt ja auch für die, die nicht gelernt haben ein mündliches Beratungsgespräch in der Präsenz zu führen – auch die fühlen sich dabei ja nicht richtig wohl.

Und dennoch: Es war eine Bärenaufgabe, die viele Beratende in den letzten Monaten zu bewältigen hatten. Mit wenig Mitteln, kaum technischer Ausstattung und manchmal ganz ohne Schulungsmaßnahme in das Onlineberatungsgeschäft, noch hinzu in einer so unsicheren Zeit, zu starten, das war und ist wirklich eine Leistung! Und die gilt es auch zu würdigen.

Jetzt kommt der Herbst und Winter und wir werden wieder über Monate mit unterschiedlichen Beschränkungen (ob nun angeordnet oder selbstverordnet) leben müssen. Kommt jetzt also „die zweite Welle der Onlineberatung“?! Ich wünschte, ich könnte jetzt schreiben: Nein! Und zwar nicht, weil Corona einfach verschwindet, sondern weil wir Onlineberatung nicht als eine zwangsläufige und temporär begrenzte Reaktion auf pandemiebedingte Einschränkungen einsetzen. Sondern weil sie sich nun endlich etabliert und als Regelangebot (inkl. Finanzierungsstruktur!) in die Beratungs- (und Therapie-) Landschaft verankert wird.

Dazu bräuchte es aber neben dem politischen Willen über die Finanzierungsstrukturen von Beratungsangeboten neu nachzudenken und diese zukunftsfähig zu regeln auch die Bereitschaft sich von einem beratungstheoretischen Verständnis zu lösen, dass nach wie vor Mündlichkeit und Präsenz in den Mittelpunkt rückt. Oder wie Joachim Wenzel 2013 schon vorschlug,

„…dass Berater nicht länger das Gespräch als ihr zentrales Medium ansehen, sondern ihr Beratungsverständnis generell auf Kommunikation hin erweitern, wie auch immer diese konkret realisiert wird. Wenn die Kommunikation im Mittelpunkt des professionellen Beratungshandelns stehen würde, wäre es möglich, die Beratung insgesamt theoretisch neu zu fassen, und Fragen der Medienbildung würden damit in die Beratungsfachlichkeit mit hineingenommen werden.“ (S. 228)

Wenn es uns gelingt, die nun bevorstehenden Monate zu nutzen, um weitern an Konzepten zu feilen, Berater*innen zu qualifizieren, Klient*innen mit einzubeziehen und die Beschränkungen als Spielraum für neue Möglichkeiten zu interpretieren, sind wir besser gerüstet für das nächste Jahr und die Zeit danach. Ob mit oder ohne Virus.

13. Fachforum Onlineberatung

Am 21. und 22. September ist es wieder soweit: Zum 13. Mal veranstalten wir am Institut für die Beratung der Technischen Hochschule Nürnberg das Fachforum Onlineberatung – in diesem Jahr, wegen Corona, komplett als online Tagung!

Und so wird alles etwas anders als sonst und ist für uns alle extra aufregend! Wir hoffen und drücken die Daumen, dass mit der Technik alles klappt und die Teilnehmenden viel aus den zwei Tagen mitnehmen können!

Ich werde in diesem Jahr einen Workshop zum Thema „Lessons Learned – Beratung nach Corona“ anbieten und bin sehr gespannt auf die Erfahrungen und Reflektionen der Teilnehmer*innen!

Kann jetzt jeder Onlineberatung? Podcast-Interview

Es ist schon einige Zeit her, dass mich Hendrik Epe für seinen Ideequadrat Podcast interviewt hat. Das Interview fand im April statt, als die Corona-Pandemie gerade Ihren Höhepunkt erreicht hatte und viele Beratende auf Onlineberatung „umgestiegen“ sind.

Im Podcast sprechen wir über Qualität und Kompetenzen und das, was sich auch in Zukunft in Sachen (Online)Beratung verändern wird und muss.

Hier geht’s zur Podcastfolge (klick)

Corona-Reflexion, Teil 2

Nun sind schon wieder fast 7 Wochen vergangen, seit ich das letzte Mal hier darüber schrieb, was sich bei mir durch die irre Corona-Situation (gibt es irgendein gute Wort dafür!?) getan hat. Zeit mal wieder kurz durchzuschnaufen und zu schauen, was heute ist.

Und eigentlich beschreibt das „durchschnaufen“ schon ganz gut die Situation. Mein Eindruck ist, dass sich die erste hektische Phase des „Wir müssen jetzt unbedingt auch alle online beraten können!“ ein bisschen gelegt hat. Inzwischen gehen natürlich auch einige Einrichtungen schon wieder zurück in die Präsenzberatung und dennoch beschäftigen sich viele noch mit der Frage „Was sollen wir tun, wenn ein zweiter Lockdown kommt?“.

Aus meiner Perspektive ist dies wieder zu kurz gedacht: Nur zu reagieren (und sich ggf. jetzt mal ein bisschen darauf vorzubereiten), weil eine Situation die anderen Möglichkeiten des Arbeitens beschränkt, halte ich weder für die beraterische Arbeit, noch für diejenigen, die auf diese angewiesen sind und/oder sie in Anspruch nehmen möchten für besonders zielführend. Insofern begrüße auch auch die durchaus sehr differenzierten Auseinandersetzungen mit der Situation, die eher langfristige Perspektiven des Beratens in einer digitalen Welt betrachten – ganz unabhängig von Coronaviren und deren Folgen.

Und so höre ich inzwischen auch vermehrt Stimmen, die eher diskutieren möchten, was man aus den letzten Wochen lernen kann, wie man die Erfahrungen nun reflektiert bewerten und daraus Strategien und Konzepte für die Zukunft entwickeln kann. Nicht in erster Linie, um für einen zweiten ‚lock down‘ gewappnet zu sein, sondern vielmehr, um die Dinge auf Spur zu bringen, die ohnehin schon angestanden hätten.

Sorge bereitet mir nach wie vor der Umgang mit Standards und Qualität. Während in vielen Bereich Datenschutz und Beratungsqualität (hinterlegt mit einer entsprechenden Qualifizierung für das eigene Tun) schon immer als ‚das Wichtigste überhaupt!‘ benannt wurden, scheinen im digitalen Raum nun andere Regeln zu gelten – manchmal nämlich: gar keine.

Wir haben die letzte 20 Jahre so vieles für die Qualität von Onlineberatung und entsprechende Standards in diesem Feld getan – hier muss nun gut aufgepasst werden, dass nicht Beliebigkeit und Wildwuchs Überhand gewinnen.

Insofern müssen sich Entscheider*innen in den Organisationen dafür einsetzen, dass Beratungsfachkräfte qualifiziert werden, technologische Voraussetzungen geschaffen werden und Qualitätsstandards diskutiert und umgesetzt werden. Hier muss das Rad nicht neu erfunden werden – es gibt ja schon alles Mögliche hierzu!

Die Beratungsfachgesellschaften müssen sich ebenso positionieren und – auch in ihrem eigenen Interesse – Anforderungen definieren, die von Beratenden zu erfüllen sind. Hierzu gehören Ethikrichtlinien, wie beispielsweise bei der DGSF:

„Bei der medial vermittelten Form der Beratung bedarf es dabei der Aneignung grundlegender Kompetenzen in Bezug auf das genutzte Beratungsmedium sowie einer medienspezifischen fachlichen Auseinandersetzung und Reflexion dieser Beratungsprozesse.“

Und auch wenn ich vollstes Verständnis für die vielen selbständig beratend tätigen Personen habe, denen durch die Beschränkungen der vergangenen Wochen Existenznot droht(e): Auch diese müssen daran interessiert sein, sich entsprechend zu qualifizieren, um die Menschen, die sie begleiten weiterhin fachlich gut zu beraten!

Vieles tut sich: Weiterbildungsinstitute nehmen Onlineberatungs-Fortbildungen in ihr Programm auf, Fachverbände stellen Infos zur Verfügung, Organisationen qualifizieren Mitarbeiter*innen…

Und dennoch gibt es weiterhin viel zu tun. Es wird kein „nach Corona können wir endlich wieder ’normal‘ beraten“ geben – wer das noch denkt hat wirklich nichts kapiert.

Onlinekurs zur „Systemischen Onlineberatung“ bei tandem praxis & institut

Ich bin sehr dankbar, dass mich Jochen Leucht (Leiter tandem praxis & Institut, Freiburg) im Herbst letzten Jahres fragte, ob ich den Onlinekurs von des leider verstorbenen Josef Lang in Systemischer Onlineberatung übernehmen möchte. Josef Lang war einer der Pioniere der Onlineberatung und hatte so auch einen der ersten Qualifizierungskurse entwickelt.

Diesen Kurs durfte ich nun „erben“ und mit einem Update in eine neue Ausbildungsrunde schicken. Wir starten – coronabedingt – so nun auch schon etwas früher, nämlich am 17. August 2020.

Wer Lust hat in einem rein online stattfindenden Kurs eine umfassende Qualifizierung in Onlineberatung zu absolvieren und an einer Ausbildung teilzunehmen, die auch von der Deutschsprachigen Gesellschaft für psychosoziale Onlineberatung (DGOB) e. V. anerkannt ist, findet hier alle Infos zum Kurs:

https://tandem-freiburg.org/programm/1-onlinekurs-zur-qualifizierung-als-systemische-r-onlineberaterin-mit-dgob-anerkennung/ 

Oder hier zum Download

Coronakrise, Homeoffice, Durchbruch der Onlineberatung – eine Zwischenbilanz

Am 10. März hatte ich dies auf meine Instagram-Account gepostet:

An dem Tag wusste ich noch nicht, dass es weitaus mehr als 16 Tage werden würden, die ich im Homeoffice verbringen würde. Denn eigentlich war nur geplant, für die Zeit des Umbaus bei uns im Institut, in das Homeoffice auszuweichen. Rückblickend war es ein großes Glück, denn ich habe mich zu einer Zeit „Homeoffice-fit“ machen können (also mit LAN-Kabel, Headset, gutem Arbeitsplatz etc.), als noch nicht das ganze Chaos losging und alles mögliche an Hardware bestellt und schnell vergriffen war.

Dann kam der „shut-down“ und die ersten Absagen von geplanten Präsenzveranstaltungen trudelten herein. In wenigen Tagen verlor ich viele wichtige Aufträge, die zunächst ins Ungewisse verschoben wurden oder eben ersatzlos gestrichen wurden.

Gleichzeitig das große Glück: Das was ich tue, wenn ich angestellt und selbständig arbeite ist größtenteils auch online möglich. Mir ist klar, dass dies in der aktuellen Situation ein unglaubliches Privileg ist. Und ich sehe, wie Kolleg*innen, die vollkommen auf die Präsenz angewiesen sind/waren, in massive wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten…

Es hat nicht mal eine Woche gedauert, dann explodierte mein Postfach: Eine Anfrage nach der nächsten, wie denn nun auf Onlineberatung umgesattelt werden könne und was dabei zu beachten wäre. Und auch in der medialen Wahrnehmung ist Onlineberatung plötzlich etwas ganz selbstverständliches. Und Bundesministerin Dr. Giffey weist z. B. explizit auf diese Möglichkeit Beratung in Anspruch zu nehmen hin und die NummergegenKummer erhält zusätzliche Mittel.

Ich stehe dieser ganzen Entwicklung nach wie vor mit ambivalenten Gefühlen gegenüber, was ich auch schon in meinem Blogpost am 14. März 2020 zum Ausdruck gebracht habe. Einerseits finde ich es gut und richtig, wie sich nun alle, die beratend und begleitend tätig sind, mit Onlineberatung zumindest als Option beschäftigen müssen. Andererseits stimmt es mich auch ein wenig traurig, dass es eine solche Notsituation braucht(e), damit nun endlich „alle“ aufwachen und sich bewusst machen, dass wir in einem Zeitalter der digitalen Transformation leben und dies eben auch die psychosoziale Beratung betrifft.

Meine Sorge ist auch nach wie vor, dass die Zeit „nach der Krise“ nicht unbedingt zu einer Verstetigung der jetzt entwickelten Konzepte und Maßnahmen im digitalen Raum führen wird, sondern vielmehr, dass Viele froh darüber sein werden, dass es nun auch wieder „wie gewohnt“ fact-to-face geht. Nicht zuletzt, da es gut möglich ist, dass einige jetzt gar nicht die allerbesten Erfahrungen mit der Onlineberatung machen werden.

Und bitte nicht falsch verstehen: Es ist gut und wichtig, dass es irgendwann auch wieder face-to-face gehen wird, nicht zuletzt weil viele Menschen aktuell exkludiert werden, für die Beratung über digitale Wege nicht geeignet oder realisierbar ist!

Gleichwohl: Ich wünsche mir, dass sich aus dieser Phase – deren Länge wir noch nicht kennen, aber es ist gut denkbar, dass wir noch einige Monate unter starken Einschränkungen Beratung realisieren müssen! – ein konstruktiver fachlicher Diskurs entwickelt, der es uns ermöglicht, Beratung konzeptionell neu zu fassen.

Ich hoffe, dies gelingt und nicht zuletzt empfehle ich derzeit allen, die (jetzt zum ersten Mal) Erfahrungen in der Onlineberatung sammeln, dies gut zu dokumentieren. Vielleicht bleibt jetzt auch an der einen oder anderen Stelle etwas Zeit, um im Team in regelmäßigen Abständen auszuwerten, was sich bewährt und gut funktioniert und wo noch immer blinde Flecken sind.
Aus diesen dokumentierten Erfahrungen lassen sich später dann Bedarfe für Konzeptentwicklung, Fort- und Weiterbildung sowie technische/Hardware-Anschaffungen formulieren.

Ich wünsche allen, die in der Beratung tätig sind, dass sie jetzt die Möglichkeit ergreifen können, an der Weiterentwicklung der digitalen Sozialen Arbeit aktiv mitzuwirken. Denn, wie das Caritasmotto 2019 schon sagte: Sozial braucht digital!

Neue Podcast-Episode: Digitale Wege in der Krise – Wie Beratung und Begleitung jetzt gelingen können

Was können wir aktuell tun, um mit Ratsuchenden und Menschen, die wir begleiten in Kontakt bleiben können?

Ich spreche über ein paar Möglichkeiten, um über digitale Wege und mit Hilfe der Medien, die uns zur Verfügung stehen, mit Hilfesuchenden Menschen in Kontakt und Austausch zu kommen.