Archiv für den Monat Januar 2020

Fragwürdige Beratungsanfrage – ein paar Gedanken zu sogenannten „fakes“ in der Onlineberatung

Ich hatte einige sehr spannende Supervisionsaufträge in den letzten Wochen und ich nehme als Supervisorin auch immer etwas mit. Dieses Mal eine neue Beschreibung für Anfragen oder Situationen in der Onlineberatung bei denen der Eindruck entsteht, dass das Geschriebene nicht der „Wahrheit“ entspricht.

Häufig höre ich dann in diesem Zusammengang den Begriff „fake“, den ich selbst nicht passend finde, da ein „fake“ in meinem Verständnis eine ganz bewusste Täuschung ist, die im Kern auch etwas bösartiges hat oder zumindest auf Kosten anderer Beteiligter stattfindet,

Eine Teilnehmer*in in der Supervision brachte die Beschreibung einer „fragwürdigen Anfrage“ ein und um diese Beschreibung sind wir länger gekreist.
Ich finde sie treffend, weil sie einen Moment beschreibt, in dem ich eine Anfrage als besonders würdig zu be- und hinterfragen empfinde. Dies ist übrigens auch die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „fragwürdig“: Etwas lädt zu einer Frage ein. Und wenn man bei dieser Ursprungsbedeutung bleibt, bietet sie eine ganz neue Perspektive auf das Geschriebene.

Es geht also nicht um negative Zuschreibungen und Bewertungen („Da will mich doch jemand verarschen“) dessen, was mir die Ratsuchende Person geschrieben hat, sondern vielmehr darum, dass ich meine Resonanz auf das Geschriebene ganz besonders würdige und be-/hinterfrage.

Das wird eine feste Beschreibung für mich – bis jemand eine bessere bringt!

Kleiner Podcast zum Thema „Vielschreibende Ratsuchende“

Da ich in den letzten Wochen in verschiedenen Supervisionskontexten mit Onlineberater*innen immer wieder mit dem Thema „Wie gehen wir mit Klient*innen um, die viel schreiben“ konfrontiert wurde, habe ich hierzu mal einen kleinen Podcast aufgenommen.

Ein paar Ideen und Anregungen stecken darin, vor allem aber ein paar Impulse zur Selbstreflexion. Vielleicht sind „Vielschreiber*innen“ ja auch richtig tolle Ratsuchende 😉

Viel Spaß beim Zuhören!

Was bringt 2020?

Für mich zunächst einmal ein paar berufliche Veränderungen. Neben der Geschäftsführung im Institut für E-Beratung (die ich ab Januar auf eine halbe Stelle reduziere) und der Tätigkeit als (Online-)Supervisorin und Trainerin für den Themenkomplex „Beratung und Digitalisierung“, werde ich in 2020 auch wieder mehr „offline“ arbeiten.

Ganz konkret bedeutet dies, dass ich freiberuflich als Dozentin für Systemische Beratung & Therapie tätig sein werde, was ich insofern spannend finde, weil es in den Seminaren, die ich übernehme, so gut wie gar nicht um „Digitales“ geht, sondern doch um ganz analoge Beratungsvorgänge. Für mich ist das eine schöne Herausforderung, da es bedeutet, dass ich mich nach vielen Onlineberatungsjahren jetzt wieder einmal ganz bewusst der face-to-face Beratung, bzw. der Vermittlung von Kompetenzen für diese, widme. Aktuell heißt das vor allem: Lesen, lesen, lesen… Ich muss mir wieder ein bisschen Wissen drauf schaffen und auch die Seminare wollen ganz anders konzipiert werden, als bei Onlineberatungsthemen, wo an irgendeiner Stelle dann ein Text und/oder Rechner zum Einsatz kommt.
Ich freue mich total darauf, mit ganz vielen tollen systemischen Kolleg*innen zusammen arbeiten zu dürfen und vor allem erstmal wieder ganz viel zu lernen (als Beisitzerin in den Weiterbildungsdurchgängen bei der WISPO)!

Eigentlich wollte ich in Sachen „Digitale Beratung“ in diesem Jahr auch in die Beratung per Video einsteigen und damit ein bisschen herumexperimentieren. Da ich Ende letzten Jahres aber nicht genügend Zeit hatte, das Ganze vernünftig vorzubereiten, schiebe ich das noch eine bisschen und hoffe im Frühjahr/Frühsommer eine Entscheidung für Software und Konzeption getroffen zu haben. Nach wie vor wird das Format Video relativ wenig genutzt, aber auch hier wird sich in den nächsten Jahres einiges bewegen, wie aktuelle Entwicklungen bei einigen Trägern vermuten lassen.

Aber – und das ist eine für mich ganz interessante Selbsterkenntnis der letzten Wochen – ich merke, dass mein Herzensthema Onlineberatung sich für mich in den letzten ein bis zwei Jahren ganz stark gewandelt hat. Schon etwas davor, als ich angefangen habe, mich intensiver mit Blended Counseling zu befassen, hat dieser Veränderungsprozess begonnen und ich habe deutlich gespürt, dass meine zweite Leidenschaft ganz sicher das „klassische“ face-to-face-Beratungsgespräch ist. Gerade die Verschmelzung/Kombination unterschiedlicher Kommunikationskanäle zur Gestaltung des Gesprächs, aber auch der Einsatz digitaler Tools in der Präsenz-Beratung faszinieren mich immer mehr. Das ist  für mich als eine, die zeitlich gesehen wohl noch zur „Pioniertruppe“ der Onlineberatung gehört, eine gute Entwicklung, weil ich nicht bei der Onlineberatung stehen geblieben bin, sondern die Möglichkeit hatte die Thematik weiter auszudifferenzieren. Und nicht zuletzt hat da das Buzzword „Digitalisierung“ seinen Anteil geleistet, weil es eben um viel mehr als „online zu beraten“ geht.

Was ich gerade lese/lesen werde (ich bekomme von dem Verlag nichts dafür, dass ich die Titel hier poste):

 

Da ich gefühlt den halben Januar im Zug verbringen werde – genug Lesestoff und Zeit! Und vielleicht auch zum Bloggen – ich geb mir Mühe 😉