Archiv für den Monat Februar 2016

Stärken, Schwächen? Ressourcen! Beitrag zur Blogparade von Svenja Hofert

Svenja Hofert hat auf ihrem HR- und Karriereblog zur Blogparade rund um das Thema „Stärken“ eingeladen. Also mal sehen, was mir dazu in den Sinn kommt…

Für mich fängt es schon beim Wort selbst an. Stärken. In meinem Kopf geht eine fast endlose Assoziationskette los: Stärke zeigen, stärker sein, sich stärken…und auch gleichzeitig Schwäche, schwächer werden, eine Schwäche für etwas haben…

Bewusst wird mir bei meinem Gedankenspiel aber auch, dass ich die Begriffe „Stärken“ und „Schwächen“ in meinem Wortschatz gar nicht so sehr häufig verwende. Auch im Kontakt mit meinen Kund*innen in Supervisions- anderen Beratungsprozessen spreche ich eigentlich so gut wie nie von Stärken und Schwächen. Ich benutze vorwiegend das Wort Ressourcen.

Ressourcen können sowohl Stärken als auch Schwächen sein und beide haben in unserem Leben einen Platz, denn sie haben auch einen Nutzen. Dinge, die uns stark machen, die wir gut können, die uns helfen psychisch und physisch gesund zu leben sind ebenso wichtig wie all Jenes , das uns vermeintlich schwach macht. Sie bringen uns dazu inne zu halten, uns zu prüfen, auch mal „Pause“ zu machen und zu schauen, wie es weitergehen kann. Eine Schwäche wahrzunehmen und eingestehen zu können ist also auch eine Stärke. Vielleicht eine der größten überhaupt – denn sie ermöglicht uns ein großes Geschenk: uns weiterentwickeln zu können.

Nun kommen Beratungssituationen häufig zustande, da sich jemand nicht gut fühlt, eine „Schwäche“ bei sich (oder auch anderen) empfindet und – so höre ich es oft – „Klarheit“ gewinnen möchten. Durch diese erhofft sich der Eine oder die Andere vielleicht auch wieder Stärke zu spüren und wieder tatkräftig werden zu können. Man kann ein Beratungsgespräch also auch mit diesem Fokus führen: Was schwächt sie gerade? Warum ist das so usw.?

Als Systemikerin arbeite ich natürlich eher lösungs- und – da kommt es wieder – ressorcenorientiert. Ich interessiere mich zu erfahren, was „da“ ist – ohne es in Stärken und Schwächen zu kategorisieren und damit auch zu bewerten. Mit dem was da ist dann weiter zu arbeiten und Lösungsideen zu entwickeln macht Beratung für mich so spannend! Das auf Virginia Satir zurückgehende Konzept des „Reframing“ knüpft genau hier an: Das was als „Schwäche“ erlebt wird, kann zu einer „Stärke“ umgedeutet werden. So können Eigenschaften, die zunächst als belastend oder „schlecht“ empfunden werden in einem neuen Licht erscheinen. Ihr Nutzen wird sichtbar.

Nichts anderes tun in der Regel auch Menschen in Bewerbungsgesprächen, wenn sie zu ihren Stärken und Schwächen befragt werden. Kaum einer nennt wirklich seine Schwächen („Ich kann schlecht mit Zahlen umgehen“). Meistens deutet man eine Schwäche charmant zu einer Stärke um. „Ich bin oft ungeduldig – mir ist es einfach wichtig, dass Projekte gut vorangehen und Themen nicht auf der Strecke bleiben.“ Na, das klingt doch gar nicht so schlecht…

Da ein wesentlicher Anteil meiner Beratungsgespräche in schriftlicher Form stattfindet, gewinnt das Thema Stärken oftmals eine doppelte Bedeutung: Im Schreiben erkennen viele Menschen erst ihre Stärken – und oft ist das Schreiben selbst dann eine unerwartete oder bis dahin unbekannte Stärke.

Zurück noch einmal zu den Ressourcen. Laut Duden ist dies ein Bestand, ein Vorrat oder auch eine Substanz. Dies umfasst sowohl Stärken, als auch Schwächen. Ein guter Bestand an Stärken und Schwächen rüstet uns aus für’s Leben. Wer über gute Vorräte verfügt, auf die  in entsprechenden Situationen zurückgegriffen werden kann, ist reich an (Lebens-)Erfahrung. Die Substanz auf der unser Leben steht und auf die wir zurückgreifen können, hilft uns die „richtigen“ Entscheidungen zu treffen.

Und was „richtig“ ist, wissen wir oft erst nachdem wir eine Erfahrung gemacht haben – vielleicht haben wir Stärke gespürt, vielleicht Schwäche erlebt. Im besten Fall aber haben wir etwas gelernt, das uns voran bringt. Stark.

 

Über die Bedeutung von Sprache im Online-Coaching

In letzter Zeit habe ich mir viele Coaching-Angebote angeschaut, die mit „Online-Coaching“ für sich werben. Dabei findet man allerhand spannendes, vieles hat mich aber auch erstaunt und ziemlich nachdenklich gemacht. Das mag daran liegen, dass ich mich selbst nicht als Coach beszeichnen würde, sondern Supervisorin bin und dahinter (vielleicht ein typisches Klischee?) für mich eine andere Haltung steckt.

Mir scheint es, als sprächen manche (nicht alle!) Coaches eine ganz eigene Sprache, die sehr leistungsorientiert klingt und mit plakativen und teils provokanten Adjektiven bestückt ist. Auffällig wird dies dann besonders im Online-Coaching oder zumindest in den Beschreibungen der Coaches, die man auf den entsprechenden Webseiten findet. Da ist dann die Rede von „Top Leistungsträgern„, es wird mit „8 radikalen Tipps für mehr Erfolg“ geworben und ähnlichem. Mich schreckt dies eher ab (vielleicht bin ich aber auch einfach nicht der Kunde für so ein Coaching?).

Die Bedeutsamkeit von Sprache im Onlinekommunikationsprozess, wo jedes Wort eine Wirkung entfalten soll ist ein Thema, dass mich in den letzten Jahren immer wieder beschäftigt hat. Achtsamkeit in der Sprache und Wortwahl halte ich für ein – wenn nicht das – wesentliches Element für eine gute Onlineberatung/supervision und ja, auch für ein gutes Online-Coaching. Und für mich tun sich Fragen auf, wenn ich dann solche (in meinem Empfinden) „krassen“ Beschreibungen lese: Richtet sich (Online-)Coaching nur an Menschen, die an „mehr Leistung“ und „extremen“ Lösungen interessiert sind? Werden auch Menschen von solchen Aussagen angesprochen, die noch auf der Suche sind und vielleicht sogar unter „zuviel Leistungsdruck“ leiden? Ich bin unsicher…

Vielleicht mag es aber auch am stärkeren Marketingfaktor liegen, der im Coachingbereich eher vorhanden ist, als im Feld von (meist kostenfreier) Beratung oder Supervision?

Wer aufmerksam liest wird sich und mich jetzt fragen: Warum heißt denn dann dieser Blog „Online-Coaching-Blog“, wenn für mich manches im Coaching so negativ klingt?  🙂 Eine berechtigte Frage, die ich gerne so beantworte: Der Name geht zurück auf mein persönliches Verständnis von „Coaching“. Nämlich einer ergebnisoffenen Form der Anregung und Unterstützung für Menschen, die Lust haben etwas Neues kennen zu lernen und auszuprobieren und dafür gerne auf das Wissen und die Erfahrung einer anderen Person (Coach) zurückgreifen möchten, um sich inspirieren zu lassen. Und genau dazu dient dieser Blog!

 

Onlineberatung beim Schweizer Sorgentelefon nimmt zu – Telefonberatung erstmals rückläufig

In diesem kurzen Pressebericht erfährt man, dass die Telefonberatung des Schweizer Sorgentelefon Tel143 zum ersten Mal rückläufig ist – in der Onlineberatung hingegen steigen die Zahlen an. Nicht überraschend ist, dass die Nutzer*innen der Onlineberatung jünger sind als die Anrufer. Auch hier erhält wieder das Thema „Suizid“ einen wichtigen Stellenwert.

In Deutschland berät rund um das Thema „Suizid“ vor allem YouthLifeLine vom Arbeitskreis Leben e. V. seit vielen Jahren kompetent und mit dem besonderen Ansatz der Peer-to-Peer-Beratung. Das Angebot wurde zudem Ende vergangenen Jahres mit dem Deutschen Engagementpreis ausgezeichnet.