Buchtipp und was sonst so ansteht

Gerade eben saß ich noch mit Fachkräften aus der offenen Jugendarbeit zusammen und diskutierte mit ihnen darüber, ob und wie man die einschlägigen Sozialen Netzwerke für die Jugendarbeit nutzen kann und wie niedrigschwellige Zugänge zur Beratung gestaltet werden können. Ein Thema, das nicht ganz einfach zu beantworten ist, zumal gerade in der offenen Jugendarbeit die Grenzen zwischen „einfach nur mal miteinander Quatschen“ und dem Einsteig in ein Beratungsgespräch naturgemäß sehr fließend sind. Deutlich wurde in dem kurzen Gespräch, dass Sozialpädagog_innen/Sozialarbeiter_innen ein gutes Bewusstsein dafür haben, dass ihre Klientel viele Kanäle nutzen, um in Kontakt zu kommen und sich Rat und Unterstützung zu holen. Gleichwohl bleiben viele Fragen auf Seiten der Fachkräfte unbeantwortet, weil das Studium auf diese Realität (noch) nicht vorbereitet. Spannend und gleichsam schön zu sehen, dass sich was tut in der „Sozialen Szene“.

Ein ganz anderes Thema (oder irgendwie auch nicht) ist ein Buch, dass ich gerne empfehlen möchte. Es handelt sich um die veröffentlichte Dissertation von Joachim Wenzel zum Thema „Wandel der Beratung durch Neue Medien“ (unter dem Link findet man auf Wenzels Homepage eine Zusammenfassung, Leseprobe sowie das Inhaltsverzeichnis des Werks). Eine pointierte Rezension von Bernd Reiners findet man hier.

Kurz und knapp: Wenzels Studie zeigt auf, dass wir Beratung ganz neu denken müssen, da die Mediatisierung unserer Alltagswelt dazu führt, dass ’neue Medien‘ auch Veränderungen in der Beratung mit sich bringen. Er stellt hierzu nicht ‚Onlineberatung‘ der klassischen ‚face-to-face-Beratung‘ gegenüber, sondern regt vielmehr dazu an Beratung als Kommunikationsprozess zu betrachten, der mit Unterstützung unterschiedlicher Medien stattfinden kann. Und diese können eben analog wie auch digital sein. Wenn das jetzt noch die Beratungsverbände und Aus-/Weiterbildungsinstitute begreifen und das Thema ‚Onlinekommunikation‘ und ‚digitale Beratung’/’internetgestützte Beratung‘ in ihre Qualitätsstandards und Ausbildungscurricula aufnehmen – das wär’s!

Womit wir doch wieder beim Ausgangspunkt wären: Es ist dringend an der Zeit, dass sich auch in den Hochschulen etwas tut und die Studierenden der Sozialen Arbeit (und ähnlich einschlägigen Fachrichtungen) vermittelt bekommen, wie unterschiedlich Kommunikations/Beratungsprozesse gestaltet werden können – mit all ihren Chancen, Grenzen und Herausforderungen. Vor allem aber Chancen…