Archiv für den Monat Oktober 2013

Muss man der NSA am Ende sogar dankbar sein…?

Nein, natürlich nicht. Denn „Ausspähen unter Freunden geht gar nicht“ (A. Merkel), da hat sie schon Recht (über Kontext und Zeitpunkt dieser Äußerung darf man sich aber durchaus empören). Im besten Fall führt dieser ganze Datenskandal aber bei den Nutzer/innen dazu, dass sie sich noch einmal prüfen und bewusst machen, wie sie mit ihren Daten im Netz umgehen und wo sie was wie kommunizieren. Interessante Auswüchse lassen sich aber feststellen: Google regt sich auf, dass die NSA Daten abzwackt und speichert. Bitte was? Google hat ja auch ganz eigene Vorstellungen, wie sie mit Nutzerdaten umgehen…

Für online-beratend Tätige ist die Frage des Datenschutzes natürlich ganz besonders relevant, machen doch 50% der Arbeit die Anwendung entsprechender technischer Lösungen aus. Ich kann noch so gut beraten – wenn ich keinen Wert auf Sicherheit lege oder zumindest transparent mache, wie mein Angebot gestrickt ist, ist das Murks. Hier werden die Softwareanbieter Antworten finden müssen, nicht zuletzt, um auch Vertrauen (zurück) zu gewinnen. Wir Beratende müssen uns gleichzeitig überlegen, wie wir auf Fragen unserer Ratsuchenden reagieren, wenn die sich nach dem Datenschutz unseres Angebotes erkundigen. Und hier geht es viel weniger um die NSA oder andere Behörden, die Daten abgreifen und speichern können, sondern vielmehr darum schon im Kleinen anzufangen und doch bitte keine „E-Mail-Beratung“ per Mail zu machen. Denn die können auch Leute knacken, die nicht einen riesen Geheimdienstapparat zur Verfügung haben und die vor allem ein ganz gezieltes Interesse an Daten haben könnten.

Ganz spannend, was heute auf Süddeutsche Online zum Thema  „Mailverschlüsselung“ zu lesen ist. Vielleicht rückt das bei dem Einen oder der Anderen online-beratend Tätigen nochmal ins Bewusstsein, dass wir mehr als nur eine Prozessverantwortung haben – auch die technischen Rahmenbedingungen müssen stimmen.

Artikelreihe „Digitales Morgen“ auf Süddeutsche Online

Seit einiger Zeit kann man auf sueddeutsche.de eine spannende Artikelreihe zum Thema „Digitales Morgen“ verfolgen. Am 18.10. war hier auch etwas zum Thema „Beziehungen in digitalen Zeiten“ zu lesen. Unter anderem mit ein paar Statements von Christiane Eichenberg und einem Hinweis auf Online-Paartherapie. Schade, dass in letzterem Zusammenhang nicht Josef Lang aus der Schweiz genannt wurde, dessen Paarberatung-Online gerade 15 Jahre alt wurde – ein echter Pionier auf diesem Gebiet…

Was ist eigentlich Onlineberatung?

Diese Frage mag auf den ersten Blick ja etwas banal erscheinen. aber wie das mit Begriffen nunmal so ist, werden sie oft nicht ganz trennscharf verwendet und wenn es um das Thema „Beratung“ geht, passiert dies vielleicht umso häufiger.

Beratung an sich ist schon ein so weit dehnbarer Begriff, was ist dann also mit der Onlineberatung. Wird das „Online“ einfach nur der Beratung vorangestellt und macht damit schon das Charakteristische aus?

Es scheint zudem so, dass je nach Kontext der Begriff Onlineberatung unterschiedlich „gefüllt“ wird: Im psychosozialen Beratungsbereich wird mit Onlineberatung meistens eine schriftliche Beratung assoziiert, im Coaching und unter Supervisoren scheint hier vermehrt von videogestützten Verfahren die Rede zu sein.

Die Vielzahl an oftmals synonym verwendeten Begriffen erschwert EinsteigerInnen und Fachfremden zudem oft die Orientierung. Nicht zuletzt deshalb, haben meine Kollegin Steffi Storch und ich versucht, die „Beratung im Netz“ einmal begrifflich systematisch zu untersuchen und den Versuch einer Einordnung vorzunehmen. Der Artikel ist – neben vielen anderen spannenden Themen – im neuen e-beratungsjournal erschienen.

Nachlese vom 6. Fachforum Onlineberatung in Nürnberg, Teil 2

Das Fachforum schaut schon seit Jahren auch über den „deutschen“ Tellerrand hinaus, was in den europäischen Nachbarländern in Sachen Onlineberatung so geboten wird. In diesem Jahr waren unter anderem Referent/innen aus den Niederlanden, der Schweiz, Österreich, Frankreich und Dänemark in Nürnberg und haben von Ihren Erfahrungen berichtet.

Besonders beeindruckt hat mich der Vortrag von Anette Jochumsen aus Dänemark, die uns deutlich vor Augen geführt hat, dass je weiter man auf der Weltkugel gen Norden geht, die Dinge doch oft auch einfach besser werden. Dieser Blickwinkel mag nun meiner eigenen Herkunft als Norddeutsche geschuldet sein (man muss ja den Bayern auch mal ein bisschen was entgegensetzen 😉 ), aber wenn man hört, wie Anette Jochumsen davon berichtet, was in nur wenigen Jahren in Sachen Online-Bildungs- und Berufsberatung vorangetrieben wurde, kann man schon etwas neidisch werden.

Dass mit dem Angebot der Bildungs- und Berufsberatung online in weniger als drei Jahren über 200.000 tausend Ratsuchende erreicht wurden, ist hierbei nur einer von vielen beeindruckenden Fakten, von denen Jochumsen in ihrem überaus spannenden Vortrag berichtete.

Sie erläuterte in ihrem Vortrag außerdem ein 4-K-Modell in dem die vier Phasen „Kontakt, Kontrakt, Kommunikation und Konklusion“ als Orientierung für die Gestaltung des Beratungsprozesses den Berater/innen an die Hand gegeben werden. Vorrangig findet die Beratung im Chat statt. Und in diesem tauschen sich auch die Berater/innen untereinander bei Fragen aus oder unterstützten sich gegenseitig in Form einer kollegialen Beratung. Das viele von ihnen problemlos bequem und flexibel von Zuhause aus arbeiten können würde man sich hierzulande auch öfter wünschen. In Webinaren erhalten die Nutzer/innen zudem Informationen zu bestimmten Themen der Bildungs- und Berufsberatung.

Einen kurzen Überblick über die Arbeit von Anette Jochumsen und ihren Kolleg/innen kann man sich außerdem in einem Interview, dass das e-beratungsjournal vor einiger Zeit mit ihr geführt hat, verschaffen.

Im November bin ich als Referentin zum Thema „Blended Counseling“ zum Gegenbesuch in Dänemark auf der Konferenz der Berufs- und Bildungsberater/innen eingeladen und bin jetzt schon sehr gespannt auf den Austausch mit einem Team, dass sich „jedes Jahr eine Innovation“ zum selbsterklärtem Ziel gesetzt hat.