Beratung und mobile Internet – Herausforderungen für die Gegenwart und Zukunft

Vor einigen Wochen erschien die neue ARD/ZDF-Onlinestudie 2013, in die jede/r einen Blick werfen sollte, der/die sich ein Bild über den aktuellen Entwicklungsstand der Internetnutzung in Deutschland machen möchte. Die wesentlichen Ergebnisse lassen sich in dieser Zusammenfassung lesen – unterm Strich lässt sich feststellen, dass die Onliner immer länger im online sind, was nicht zuletzt an der immer stärkeren Verbreitung der mobilen Endgeräte liegt. Interessant, wenn auch nicht überraschend, ist in diesem Zusammenhang, dass diejenigen, die ein Smartphone nutzen auch wesentlich länger online sind, als die, die „nur“ mit Laptop und/oder PC ins Netz gehen.

Mit dieser immer größeren Verfügbarkeit des Internet und der steigenden Selbstverständlichkeit irgendwie doch immer online zu sein, geht eine zweite Entwicklung einher: Auch Beratung und Coaching über das Netz werden mobil genutzt. Hierauf reagieren zu allererst die Anbieter von Onlineberatungs-Software, die Ihre Produkte insofern optimieren, dass sie auch problemlos über’s Tablet und mobile Endgeräte nutzbar sind.

Doch was bedeutet das für uns Beratende? Kürzlich sprach ich auf einer Tagung mit ein paar Onlineberatern, die mir zu dieser Entwicklung sagten „ich kann doch nicht auch ständig online sein – irgendwann ist doch auch mal gut?“. Auf mein Nachhaken stellte sich heraus: Es ging ihnen gar nicht so sehr um das „ständig online sein“ an sich, sondern vielmehr darum, dass sie in Frage stellten, welchen Wert ihre Beratungsleistung noch habe, wenn sie von den Empfängern „nebenbei in der U-Bahn“ abgerufen und gelesen werde.

Eine durchaus verständliche Frage, die ich mir auch stelle. Braucht Beratung über das Netz bestimmte Rahmenbedingungen? Ist es überhaupt noch „Beratung“, wenn Berater/in und Ratsuchende/r sich nur noch kurze Textnachrichten hin und her senden? Und wenn die Antwort „Nein“ lautet – was ist es denn dann und was wollen wir damit anfangen?

Vielleicht sollte die Frage aber in eine andere Richtung gehen und eher lauten: Wie wollen wir die Möglichkeiten (und Chancen!) die in der Nutzung auch des mobilen Internet stecken künftig für Beratungs-/Coachingprozesse nutzen?

Aus meiner Sicht müssen sich die Beratenden vor allem mit der Frage beschäftigen, wie sie ihr Gesamt-Beratungs-/Coachingangebot gestalten wollen. Unter dem Stichwort „Blended Counseling“ also der systematischen Verknüpfung der unterschiedlichen Beratungssettings (face-to-face, online, telefonisch, mobil…) lassen sich einige Antworten finden.

Es wird künftig nicht darum gehen, die Wertigkeit des Einen oder Anderen in Frage zu stellen. Vielmehr werden wir Konzepte entwickeln müssen, die sowohl das Eine als auch das Andere erlauben und uns als Beratende/Coaches im Sinne der Prozessverantwortung ermöglichen, für unsere Klient/innen und Kund/innen das bestmögliche Beratungssetting anzubieten.

Hierzu gehört neben der Entscheidung „Was biete ich wann und unter welchen Bedingungen an?“ auch das Bewusstsein für die Besonderheiten der jeweiligen Kommunikationsformen. Wem es gelingt ein stimmiges Konzept zu entwickeln, der wird auch künftig seine Zielgruppen erreichen und beraten können. (Und wer weiß, ob nicht auch manche Menschen wenn sie in der Bahn unterwegs sind, mehr Ruhe haben, als wenn sie Zuhause vorm Rechner säßen…)