Webserie DRUCK – ein Beispiel für mediatisierte Lebenswelten

Heute ist es soweit: Die 3. Staffel der Webserie DRUCK endet und die Zuschauer*innen-Community, die sich „druckaddicts“ nennen leidet. Auf twitter und diversen tumblr Seiten wird getrauert und gleichzeitig Dankbarkeit für die letzten 10 Wochen, in denen die 3. Staffel lief, zum Ausdruck gebracht.

DRUCK ist ein Remake der norwegischen TV- und Webserie SKAM, die zwischen 2015 und 2017 ausgestrahlt wurde und mit im Schnitt 1,2 Mio Zuschauer*innen als die erfolgreichste norwegische Webserie aller Zeiten gilt und auch beachtliche Abrufe der Episoden in der Mediathek des ausstrahlenden Senders vorweisen kann.

Das Konzept von SKAM/DRUCK ist simple und bestechend zugleich: Jede Staffel wird aus der Sicht einer*eines Hauptcharakterin*Hauptcharakters erzählt. Über die Woche verteilt werden in Echtzeit kurze Clips bei YouTube veröffentlicht, am Freitag werden diese zu einer Episode zusammengefügt und durch einen weiteren Clip ergänzt. Man kann also wählen, ob man über die Woche die Serie „live“ mitverfolgt oder bis Freitag wartet um eine 20-30 minütige Folge zu schauen.

Der Reiz des Serienkonzepts liegt aber in der Tat im mitverfolgen der einzelnen Clips. Und hierzu nutzt DRUCK unterschiedliche Social Media Kanäle: Die Hauptcharaktere verfügen über Instagram-Profile über die weiterer Content zwischen den Clips publiziert wird und die Zuschauer*innen können über eine WhatsApp-Gruppe Chatverläufe „mitlesen“ und erhalten Benachrichtigungen, wenn ein neuer Clip erscheint. Produziert wird DRUCK von Bantry Bay im Auftrag von funk (ARD/ZDF) unter der Regie von Pola Beck (Am Himmel der Tag).

Was bringt mich nun aber dazu, hierüber zu schreiben? Faszinierend am Konzept von DRUCK ist, was „drumherum“ passiert. In der aktuellen Staffel, die heute Abend mit der letzten Episode zu Ende gehen wird, geht es um Matteo (Michelangelo Fortuzzi, der die Hauptrolle im vielbeachteten Film „Alles Isy“ spielt). Der seit der 2. Staffel gefühlt dauerbekiffte Abiturient hadert mit seiner sexuellen Orientierung und verliebt sich in David (Lukas von Horbatschewsky) , einem etwas mysteriösen Jungen, der – so ahnt die Community schnell – ein Geheimnis mit sich trägt.

Und hier geht’s los: Über die Kommentarspalten bei YouTube, Instagram sowie bei Twitter #druck und tumblr wird eifrig diskutiert. Ist David bipolar, so wie Even im norwegischen Original? Hat Matteo ein Drogenproblem und ist zudem depressiv? Zu allem Überfluss schreiben alle gerade Abi. Wenn also am Montagmorgen ein Clip erscheint, in dem die Protagonisten gerade in die Schule gehen, um die nächste Klausur zu schreiben, sind sie nah an den Zuschauer*innen, die ebenfalls gerade in den Abiprüfungen stecken. In den Kommentaren sprechen sich die Zuschauer*innen gegenseitig Mut zu: „Mir geht’s wie Matteo, ich schreib heut auch Spanisch“ schreibt Eine, worauf hin der Nächste antwortet „Das schaffst Du!“.

Nach einigen Wochen lüftet David sein Geheimnis: Er ist transgender. Der Großteil der Zuschauer*innen hatte dies schon vermutet, zumal in den Sozialen Medien schon Infos kursierten, dass der Darsteller von David tatsächlich selbst trans sei. Dies ist ein großer Pluspunkt der Serie: es wird großer Wert auf Authentizität der Charaktere gelegt.
Ab dieser Folge nimmt die Diskussion in den Social Media Kanälen eine spannende Wendung: Das Thema Transidentität – im TV nach wie vor komplett unterrepräsentiert – rückt in den Mittelpunkt und die Community setzt sich neugierig, interessiert und größtenteils sehr sensibel damit auseinander (was nicht zuletzt der ebenso sensiblen wie authentischen Realisierung durch die Schauspieler*innen und Regie zu verdanken ist). Der Anteil an hate-speech in den YouTube Kommentaren ist vergleichsweise gering und wird von der Community selbst abgestraft – wer diskriminierende Kommentare loslässt wird sogleich von anderen Nutzer*innen zur Ordnung gerufen.
Es entspinnen sich so auf YouTube auch ganze Kommentarstränge, in denen Zuschauer*innen die selbst trans sind anderen Rede und Antwort stehen oder einfach „nur“ Bestärkung erhalten, dass sie gut sind, wie sie sind oder man ihren Weg respektiert.

DRUCK schafft so etwas ganz spannendes: Eine zunächst einmal auf Unterhaltung angelegte Serie geht in die Tiefe und regt dazu an, sich mit unterschiedlichen Themen auseinander zu setzen (in Staffel 2 z. B. „me too“, in Staffel 1 das große Thema „Vertrauen“). Durch die hohe Identifikationskraft der jugendlichen Schauspieler*innen, fühlen sich die Zuschauer*innen in unterschiedlichster Form repräsentiert und teilen ihre eigenen Erfahrungen und Lebenswelten mit den anderen in der Community. Die Diskussionen drehen sich so auch um mehr als nur die veröffentlichten Clips, sondern auch um die Bedeutung von Davids Instagram Posts oder die Chatverläufe von Matteo Freunden. Nach Aussage der Social Media Crew, die alle Kanäle bespielt, werden die Kommentare der Zuschauer*innen alle gelesen und deren Wünsche und Anregungen – soweit möglich – in die Serie eingebracht (siehe hierzu den TINCON Talk mit einer Redakteurin und einem Produzenten vom DRUCK Team)

Das Ganze wird noch getoppt durch den länderübergreifenden Austausch, der über DRUCK erfolgt. Die deutsche Fassung ist nämlich nur eines von vielen Remakes über die die Community diskutiert: Es gibt weitere remakes SKAM-Originals, z. B. in den Niederlanden, Frankreich, Spanien und Italien. So findet auf Twitter der Austausch vor allem auf Englisch statt und auf der tumblr Seite drucktranslations hat es sich eine kleine Gruppe zur Aufgabe gemacht, alle Clips mit Untertiteln zu versehen und ins Netz zu stellen, damit auch fremdsprachige Zuschauer*innen die Serie verfolgen können. In den Diskussionen über die unterschiedlichen remakes werden so auch Fragen zu sprachlichen Ausdrücken („wtf does ’na‘ even mean!?“) beantwortet.

Was kann man nun mit alldem anfangen? Die Clips aus den drei bislang veröffentlichten Staffeln lassen sich aus meiner Sicht ganz vielfältig nutzen. Die Repräsentation der Lebenswelt dieser Zielgruppe (wohlgemerkt Abiturient*innen) bietet ein hohes Maß an Authentizität und ermöglicht so einen Einblick in diese. Die kurzen Clips könnten im Unterricht genutzt werden, um Diskussionen über unterschiedliche Themen anzuregen. Und auch in Beratungskontexten wäre denkbar, gemeinsam einen Clip anzuschauen und darüber zu sprechen. Es scheint, dass sich gerade junge Zuschauer*innen von den Charakteren angesprochen fühlen, die nicht perfekt geschminkt, sondern auch pickelig und mit nicht an Germanys Next Topmodel angelehnten Körpermaßen vor der Kamera agieren. Liest man die Kommentare zur Serie aufmerksam wird aber auch deutlich, dass die Zuschauer*innen nicht nur im Teeniealter sind, sondern durchaus auch ältere Altersgruppen vertreten sind.

Auf twitter bereitet sich die Community gerade darauf vor, heute Abend von ‚Davenzi‘ (so der shipname von Matteo und David) Abschied zu nehmen. Man findet Kommentare, wie „Noch nie habe ich von einer Serie so viel gelernt“ oder „bitte folgt mir, ich brauche Leute, die sich mit mir weiter austauschen“ oder „gemeinsam stehen wir das durch“.

Mal sehen, was das Staffelfinale heute Abend bringt – es wird ein Happy End erwartet und eine „große Botschaft“. Im Original was dies „Alt er Love“ – bislang hat DRUCK seine Zuschauer*innen jedoch immer überrascht. Es bleibt also spannend und Staffel 4 ist schon bestätigt. Dranbleiben lohnt sich… 🙂

Fachtag der DGSF zum Digitalen Wandel in der systemischen Praxis & Lehre

Mit etwas Verzögerung komme ich endlich dazu ein paar Zeilen zu dem wirklich anregenden Fachtag des Fort- und Weiterbildungausschusses (FWA) der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V (DGSF) zu schreiben. Gemeinsam von FWA und Fachgruppe „Onlineberatung und Medien“ der DGSF organisiert, wurde am 7./8. April 2019 in Karlsruhe an zwei intensiv über die Auswirkungen, Chancen und „Gefahren“ der digitalen Transformation für Systemische Praxis und Lehre diskutiert und in Arbeitsgruppen Wissen geteilt.

Ich durfte zu diesem Anlass die Keynote sprechen und habe versucht in meinem Vortrag „Systemische Praxis und Lehre im digitalen Wandel – Wohin bewegt sich die Systemische Beratung?“ ein paar Impulse zu setzen und – wie es sich als Systemikerin gehört – die eine oder andere Verstörung auszulösen.

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Im Anschluss wurde in zwei Workshoprunden zu verschiedenen Themen gearbeitet. So haben Kerstin Lambert (WISPO) und Peter Martin Thomas (Praxis Institut) in ihrem Workshop ganz konkret vorgestellt, wie bereits in der Systemischen Lehre mit digitalen Tools und Lernplattformen gearbeitet wird. Bei Sabine Gottschalk wurde in Form eines Tetra Lemmas sichtbar, wie Systemische Onlineberatung in der Praxis aussieht. Am zweiten Tag stellte Prof.’in Martina Hörmann (FHNW) Anforderungen und Kompetenzen an Beratende im Medienzeitalter vor. Und bei Prof. Marc Weinhardt (FH Darmstadt) gab es spannende Einblicke in digitale Lehr-/Lernformate.
Valentin Frangen stellte zudem die spannenden Ergebnisse seiner Bachelor-Arbeit zum Kompetenzempfinden von Beratenden vor dem Hintergrund der digitalen Transformation vor.

Bereits am ersten Tag gab es eine angeregte Diskussion nach meiner Keynote, die sich – angereichert durch die Workshops – am zweiten Tag im Rahmen der Abschluss-Podiumsdiskussion vertiefte. Für mich waren die wesentlichen Erkenntnisse:

  • in der DGSF liegt ein große Bereitschaft, ja Neugier vor, sich mit den Herausforderungen, Chancen und „Gefahren“ der digitalen Transformation zu befassen
  • es findet ein Generationenwechsel statt – dieser wird aber auch von den „Alten“ (wie wir von Valentin lernen durften „ab 40-Jährigen“ 😉 ) mit begleitet und gestaltet wird
  • es gibt Skeptiker und „Bewahrer“ – diese sind wichtig in jedem System
  • es geschieht schon mehr, als manchen bewusst und bekannt ist – wir müssen darüber sprechen!

Die gesamte Tagungsdoku sowie ein weiterer Bericht von Marc kann online nachgelesen werden! Und auch auf dem YouTube Channel der DGSF ist einiges spannendes zum Anschauen und Zuhören 🙂

Störungen in der Onlineberatung

Das mit den Störungen ist ja immer so eine Sache – aber sie haben natürlich Vorgang (vgl. Ruth Cohn, TZI). Letzte Woche hatte ich zum Thema Beziehungsgestaltung online gebloggt und angekündigt, diese Woche das Thema „Störungen“ aufzugreifen.

In einem Onlineberatungsgespräch (und ich schreibe ich von textgebundener Onlineberatung, also einem Mail-, Foren- oder Chatkontakt) sind Störungen manchmal gar nicht so leicht zu bearbeiten. Ich glaube, es gibt hierfür mehrere Gründe. Einer ist aber vermutlich, dass wir uns in einem geschriebenen Gespräch noch mehr an einzelnen Worten festhalten und den wortwörtlich festgehaltenen Gesprächsablauf immer wieder zur Hand nehmen können. Dies ist einerseits vorteilhaft, weil es uns ermöglicht, uns selbst beim Beraten zu beobachten (und zu hinterfragen), gleichzeitig führt es aber auch dazu, dass wir manchmal etwas zu tief in die Kommunikation eintauchen und jedes Wort drehen und wenden können.

Was gibt es nun aber möglicherweise für „Störungen“ in der Onlineberatung? Ich möchte mal vier Szenarien anbieten:

  • Das Sympathie-Problem
  • Die mangelnde Kooperationsbereitschaft
  • Der Fake-Verdacht
  • Die Beziehungsverschiebung

Das Sympathie-Problem
Menschen sind uns nicht immer sympathisch. In der Präsenzberatung taucht dieses Problem manchmal schon in dem Moment auf, wo der*die Ratsuchende den Raum betritt und beide Seiten sich zum ersten Mal sehen.
Texte sind uns auch nicht immer sympathisch! Und das ist ein kleines Paradoxon der Onlineberatung: Hier treffen ja zunächst einmal Texte aufeinander oder vielmehr ein Text trifft mit einem*r Leser*in zusammen. Dies beschreiben wir oftmals als eine Stärke der Onlineberatung, weil wir eben nicht durch ablenkende Hinweisreize in eine Richtung gedrängt werden – ich treffe nicht auf einen Menschen, sondern auf ein Produkt das er erschaffen hat.

Gleichwohl kann es eben sein, dass ich mit einem Text einfach nicht „warm“ werde. Was kann ich also tun? Hilfreich ist hier aus meiner Sicht, einmal ganz bewusst unterschiedliche Lesetechniken anzuwenden, wie sie Alexander Brunner (2006) in seinem Artikel „Methoden des digitalen Lesens und Schreibens in der Online-Beratung“ (Ich gehe an dieser Stelle nicht ausführlicher hierauf ein, da der Artikel lesenswert ist und die Methodik umfassend erklärt)

Die mangelnde Kooperationsbereitschaft
Der*die Ratsuchende macht einfach nicht mit! Na sowas! 🙂
Zeigen Ratsuchende Widerstände, so sollte ich darin nicht „Beratungsresistenz“ vermuten, sondern zunächst einmal davon ausgehen, dass diese Widerstände einen Nutzen haben. Mangelende Kooperationsbereitschaft gibt es eigentlich nicht – und wenn doch, so hat sie einen guten Grund!
Fragen, die ich als Berater*in mir in diesem Moment stellen muss: Habe ich den Auftrag geklärt? Bin ich an den Zielen und Wünschen des*der Ratsuchenden orientiert oder verfolge ich vielleicht eigene Ziele?
Hilfreich ist es aus meiner Sicht in solchen Situationen auch einfach einmal auf die Meta-Ebene zu wechseln: Wenn es mir gelingt dem*der Ratsuchenden meine Irritationen mitzuteilen kann hierüber auch wieder ein Austausch und eine Klärung erfolgen.

Der Fake-Verdacht
In der Onlineberatung wird immer wieder über das Thema „fake“ diskutiert – und der fake-Begriff hat nicht zuletzt durch Donald Trump oder Pegida, AfD und Co. inzwischen eine Bedeutung erhalten, so dass ich ihn eigentlich gar nicht mehr benutze.
Gemeint ist aber letztlich der Moment, in dem wir als Beratende stark anzweifeln, was uns der*die Ratsuchende mitteilt. Der Text bietet sich natürlich an, um Widersprüche aufzudecken und Ungereimtheiten zu entdecken. Beim Gespräch bleiben hingegen nur einzelne Worte hängen und meine subjektive Dokumentation in Form eines Gedächtnisprotokolls.
Werde ich also in der Onlineberatung mit diesem „Unwahrheits-Gefühl“ konfrontiert bieten sich aus meiner Sicht folgende Schritte an: Zunächst überprüfe ich, welche Rolle die Ungereimtheiten spielen – was will mir der*die Ratsuchende ggf. mitteilen? Geht es um eine Inszenierung, die der*die Ratsuchende in diesem Kontext bewusst nutzen kann (und darf!)? Dann spreche ich ggf. meine Unsicherheiten an. Hierbei muss es mir gelingen deutlich zu machen, dass mein Vertrauen weiter gilt, ich aber mit den Störungen die entstanden sind, nicht gut weiterberaten kann. Wenn es mir gelingt dem*der Ratsuchenden eine Brücke zu bauen, die es ihm*ihr ermöglichst, sich ggf. neu zu öffnen, kann der Kontakt auch nach einer solchen Phase gestärkt weitergeführt werden.

Die Beziehungsverschiebung
Oder: Wenn aus Onlineberatung eine digitale Brieffreundschaft wird. Es gibt Beratungen, die machen unendlich viel Freude – und so laufen sie dann vielleicht auch unendlich lang weiter. Liegt aber kein Beratungsauftrag mehr vor oder bin ich tief enttäuscht, wenn mein*e Ratsuchende*r nicht zur gewohnten Zeit eine Antwort sendet, steht eine gute Selbstreflexion an! Ab zur Supervision und klären, was da los ist! Das ist jedem*jeder von uns schon einmal passiert – aber es bedarf einer guten Klärung und dann auch eines Berater*innenwechsels oder Beratungsabschlusses.

Störungen gehören zur Onlineberatung dazu – sie können aber online genauso gelöst werden (oder nicht), wie offline.

Podcast „LandschaftsgärtnerInnen der Neurosen“

Christina Frank und Gerhard Hintenberger führen in einer neuen Folge ihres Podcasts „LandschaftsgärtnerInnen der Neurosen“ ein Gespräch mit der Psychoanalytikerin Evelyn Böhmer-Laufer über ihr Projekt „Peacecamp“. Israelische und palästinensische Jugendliche aus Israel, Jugendliche aus Ungarn und Österreich sowie geflüchtete Jugendliche beschäftigen sich jedes Jahr 10 Tage lang gemeinsam aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen Methoden mit dem Thema „Frieden“.

Reinhören hier:

Beziehungsgestaltung in der Onlineberatung

Am Samstag war ich in Stuttgart eingeladen, um als Referentin bei einem Fachtag der Telefonseelsorge etwas zum Thema „Beziehungsgestaltung in der Onlineberatung“ zu erzählen. Es wurde ein richtig spannender Tag…!

Das Thema „Beziehung“ spielt in der Beratung (und Therapie) ja ganz grundsätzlich eine wichtige Rolle. Ob eine Beratung gelingt hängt so auch stark davon ab, ob es gelingt, dass Berater*in und Ratsuchende*r eine tragfähige Beziehung zueinander aufbauen können. Es bedarf also Beziehungskompetenz, die aus drei Sphären gefüttert wird: Methodenkompetenz, Sozialkompetenz und Selbstkompetenz (vgl. Schäfter 2010). Während ich die erste Form erlernen kann, entwicklen sich die letztern beiden aus meiner Persönlichkeit und meiner (beruflichen) Sozialisation.

Schon Virginia Satir hat darauf hingewiesen, dass der Selbstwert einer Person und eine stimmige Kommunikation eine entscheidende Grundlage für eine vertrauensvolle berberische Beziehung und die Entstehung von Veränderungsprozessen sind.

Was bedeutet dies nun für die Onlineberatung und insbesondere für eine textbasierte Form der Kommunikation? Durch die entstehende Kanalreduktion muss es Beratenden über das Schreiben gelingen Empathie, Akzeptanz und Echtheit (vgl. Rogers) zu vermitteln – Aspekte, die im gesprochenen Gespräch geradezu „nebenbei“ transportiert werden können. Sei es durch Mimik oder Gestik oder die Art und Weise, wie ein Raum atmosphärisch „gefüllt“ werden kann, wenn Einrichtung, Beleuchtung, Farben usw. in Einklang stehen.

Das Thema „Atmosphäre“ spielt also eine große Rolle bei der Gestaltung einer Onlineberatungsbeziehung. Vor wenigen Wochen wurde genau diese Frage von Teilnehmenden in der Weiterbildung „Hochschulzertifikat Onlineberatung“ (Institut für E-Beratung, TH Nürnberg) diskutiert. Das Bild unten zeigt einige der Ergebnisse:

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Neben technischen und gestalterischen Aspekten, die die Webseite betreffen, wurde der Schwerpunkt auf die Kompetenzen der Beratenden gelegt. Ihnen muss es gelingen, Atmosphäre und eine gute Beziehung herzustellen, damit der*die Ratsuchende sich im Onlineberatungsprozess wohlfühlen und die Beratung gelingen kann.

Aus meiner Sicht spielen hierbei folgende Faktoren (die ich auch in meinem Lehrbuch Onlineberatung beschreibe) eine wichtige Rolle:

  • Neutralität & Neugier
  • Empathie & Wertschätzung
  • Kongruenz & Transparenz
  • Konstruktivismus

Diese Grundhaltungen sind nicht onlineberatungs-spezifisch, sie finden in der Onlineberatung jedoch einen besonderen Ausdruck und sich ihrer zu vergegenwärtigen schafft eine wichtige Grundlage, um Beziehung online gestalten zu können.

So mache ich als Berater*in z. B. durch gezieltes Eingehen auf einzelne Textstellen deutlich, dass ich um Verstehen bemüht bin. Indem es mir gelingt, die Zwischentöne des Textes zu erfassen, kann ich dem großen Vertrauensvorschuss, den Ratsuchende insbesondere in der E-Mail-Beratung geben, wertschätzen. Und letztlich geht es auch darum, dass ich als Beratende*r meine beim Lesen entstandenen Bilder und Phantasien konstruktiv in den Beratungsprozess einbringe und dem*der Ratsuchenden auch meine innere Landkarte mitteile.
Als einen ganz wesentlichen Punkt erlebe ich jedoch eine konstruktivistische Haltung für die Onlineberatung. Indem ich mir darüber bewusst bin, dass es nicht „die eine“ Wirklichkeit gibt und Menschen Dinge oftmals vermutlich anders ‚beschreiben‘ als sie sie ‚besprechen‘ würden, kann mir der Spagat zwischen eigener Interpretation des Textes und Offenheit für die Konstruktionen der ratsuchenden Person gelingen.

Natürlich gehören zu jeder Beziehung auch Störungen. In der Onlineberatung tauchen diese beispielsweise in Form von Widerständen der Ratsuchenden, Fake-Verdacht oder Beziehungsverschiebungen auf. Was darunter zu verstehen ist und wie man als Berater*in hiermit konstruktiv umgehen kann beschreibe ich nächste Woche 🙂

Warum kein Weg an Blended Counseling vorbei führt

Kürzlich wurde der spannende und sehr lesenswerte Abschlussbericht  zum Forschungsprojekt „Face-to-Face und mehr – neue Modelle für Mediennutzung in der Beratung“ der Fachhochschule Nordwestschweiz veröffentlicht (Projektleitung: Prof.’in Martina Hörmann).

Hinter dem Titel der Studie verbirgt sich letztlich nichts anderes als „Blended Counseling“ – einer systematischen Verknüpfung von Präsenz- und Distanzberatung, die durch unterschiedliche Kommunikationsmedien realisiert wird.

Ich beschäftigte mich seit 2011 mit dem Thema „Blended Counseling“ und nehme wahr, dass sich in den letzten Jahren immer mehr Beratungsstellen mit der Frage beschäftigen, wie sie auf die gesellschaftlichen Entwicklungen im Zuge der digitalen Transformation und deren Auswirkung auf die Beratung reagieren können. Während in den ersten Jahren der stärkeren Verbreitung und Nutzung des Internet die Onlineberatung als Antwort auf veränderte Bedürfnisse von Ratsuchenden verstanden wurde, findet inzwischen ein Umdenken statt. Welchen Platz hat die Onlineberatung im Gesamtberatungsgefüge? Oder etwas weniger sperrig formuliert: Wie wollen wir künftig sicherstellen, dass wir Ratsuchende über die Kommunikationskanäle/medien erreichen, die sie (auch im Alltag) nutzen?

Daher 5 Thesen, warum kein Weg an „Blended Counseling“ vorbei führt:

1. Ratsuchende werden künftig nicht mehr über die „alten“ Wege erreicht!

Der Blick in die Gelben Seiten ist von Ratsuchenden schon jetzt und in Zukunft wohl kaum noch zu erwarten. Wer nach Informationen sucht, nutzt hierfür in den allermeisten Fällen das Internet. Über die Suchmaschine wird nach einer Antwort auf eine Frage gesucht. Wenn Beratungsstellen es nicht schaffen, sich hier gut zu platzieren, ist künftig nicht sichergestellt, dass Ratsuchende an seriöse und fachlich fundierte Hilfsangebote kommen. Es besteht sogar vielmehr die Gefahr, dass sie (unwissend) Angebote nutzen, die sie mit falschen oder unzureichenden bzw. nicht auf ihre individuelle Situation zugeschnittene Informationen versorgen. Und ich meine hiermit nicht irgendwelche automatisierten Systeme/Bots, die die Beratung übernehmen, sondern Angebote, die kommerziell ausgerichtet die Hilfsbedürftigkeit von Ratsuchenden gezielt ausnutzen.

2. Berater*innen, die nicht in der Lage sind über das face-to-face Gespräch hinaus Beratung anzubieten, werden auf lange Sicht gar keine Beratung mehr anbieten können!

Wieso ist es eigentlich möglich, dass sich Berater*innen aus den unterschiedlichsten Gründen einer Beratung über das Internet widersetzen!? Es würde vermutlich auch kein*e Berater*in auf die Idee kommen, die Annahme eines Telefongesprächs zu verweigern und als Begründung seine kritische Haltung gegenüber „diesem Telefon“ anzuführen? Berater*innen werden es künftig noch mehr mit einer Generation von Ratsuchenden zu tun bekommen, die medial vollkommen anders sozialisiert wurde, als die Generationen davor. Ablehnung und Skepsis erfolgen nicht willkürlich: Sie entstehen, da Fachkräfte in der Regel keinerlei Kompetenzen in medialer Beratung erwerben, sofern sie sich nicht gezielt darum bemühen. Insofern bedarf es einer grundlegenden Überarbeitung von Hochschul- und Weiterbildungscurricula in den einschlägigen Disziplinen.

3. Blended Counseling ermöglicht Ratsuchenden Zugänge zur Beratung, die sonst keine Beratung in Anspruch nehmen würden!

Es ist keine neue Erkenntnis, dass das Aufsuchen einer Beratungsstelle für viele Ratsuchende eine unüberwindbare Hürde darstellt. Ein „Onlinezugang“ hingegen, hat für bestimmte Zielgruppen eine türöffnende Funktion. Über die Onlineberatung können Ratsuchende also auch in eine face-to-face-Beratung begleitet werden, die diesen Weg für sich sonst ausschließen würden.
Dies bringt uns aber wieder zu den Thesen eins und zwei: Ohne die Bereitstellung dieses Zugangswegs, keine Ratsuchenden. Ohne Kompetenz bei den Beratenden, kein Übergang in die Beratung vor Ort!

4. Veränderte Lebensbedingungen erfordern flexiblere Beratungsmöglichkeiten!

Beratung über mehr als einen Weg (face-to-face oder online) anzubieten, schafft neue Spielräume. Wir leben in einer Welt die geprägt ist durch Globalisierung und Flexibilisierung. Für viele Menschen, die einen Beratungsbedarf hätten, ist es nicht möglich, eine Beratungsstelle vor Ort aufzusuchen – entweder, weil es die geeignete Stelle gar nicht gibt oder aber, weil die Öffnungszeiten nicht kompatibel mit Arbeits- oder Familienversorgungszeiten (Stichwort Pflegende Angehörige) sind. Die Medien des Distance-Counseling ermöglichen hier mehr Flexibilität. So können kurze Informationen per Messenger ausgetauscht werden, eigene Beobachtungen in einer Mail auch über unterschiedliche Zeitzonen hinaus reflektiert werden und per Chat Personen von unterschiedlichen Standorten zu einem Thema beraten werden.

5. Berater*innen sollten Kommunikation und nicht das Gespräch in den Mittelpunkt ihres Beratungshandelns stellen!

Diese These stammt nicht von mir, sondern von Dr. Joachim Wenzel, der in seinem Buch „Wandel der Beratung durch Neue Medien“ (2013) zu dem Ergebnis kommt, dass Beratende künftig umdenken müssen. Bislang ist Beratung nach wie vor stark am persönlichen Gespräch orientiert. Rückt man aber die Kommunikation in den Fokus ergeben sich neue Spielräume: Kommunikation kann über unterschiedliche Wege und mit Hilfe verschiedener Medien realisiert werden. Es gilt für den Beratungsprozess die Vorteile der jeweiligen Medien zu nutzen und diese gezielt einzusetzen. So kann für Beratende und Ratsuchende ein Mehrwert entstehen, der bei einer Beschränkung nur auf das Gespräch per se ausgeschlossen wird.
Es lohnt sich in diesem Zusammenhang auch Joachims Artikel zum Thema „Mythos Unmittelbarkeit im Face-to-Face-Kontakt – Weiterentwicklung von Beratung und Therapie durch gezielte methodische Nutzung der Medien“ im e-beratungsjournal zu lesen!

Neuer Lexikon-Artikel zur Onlineberatung bei socialnet.de

So ziemlich jedem*r der*die im Sozialen Bereich unterwegs ist wird die Webseite socialnet.de etwas sagen. Man findet dort neben zahlreichen Materialien rund um die Sozialwirtschaft, einen umfangreichen Stellenmarkt und Rezensionen zu Fach- und Sachbüchern aus diesem Feld.

Seit einiger Zeit befindet sich auf der Seite auch ein Lexikon zum Schwerpunkt Sozial- und Gesundheitswesen im Aufbauc, das sich stetig mit Artikeln füllt. Ich habe mich sehr über die Anfrage für einen Beitrag zum Thema „Onlineberatung“ gefreut, der heute online gestellt wurde und hier abrufbar ist: https://www.socialnet.de/lexikon/Onlineberatung

Das Lexikon lebt vom Mitmachen – mehr Infos dazu unter: https://www.socialnet.de/lexikon/

Meine eigene Onlineberatungs-Geschichte

Der erste Monat des Jahres 2019 ist fast schon wieder rum und ich habe festgestellt, dass ich dieses Jahr mit der Onlineberatung „volljährig“ werde. Vor genau 18 Jahren habe ich angefangen selbst online zu beraten. Die Zeit (im Netz) vergeht wie im Flug…

Ich erzähle meine eigene Onlineberatungs-Geschichte immer wieder mal in Seminaren oder bei Vorträgen, weil man meistens ja doch gefragt wird, wie lange man das selbst schon macht, über das man spricht. Ich erinnere mich ziemlich genau an meinen ersten Kontakt zur Onlineberatung, weil dieser eng verknüpft ist mit einem weltverändernden Ereignis: Dem 11. September 2001.

Ich saß zu dem Zeitpunkt in Kiel und grübelte über ein Thema für meine Magisterarbeit*. Mein Studienschwerpunktthema war Medienpädagogik und vor 18 Jahren gab es zwar auch schon das Internet, aber Vieles in der Medienpädagogik drehe sich auch noch um das Fernsehen. Es geschah also der 11. September 2001, der zu einem TV-Ereignis wurde, das dem der Mondlandung oder dem Attentat auf John F. Kennedy ziemlich nah kam. Jeder Sender berichtete – in ganz unterschiedlicher Ausprägung und Qualität. Rund um die Uhr konnte man live mitverfolgen, wie erst der eine und dann der andere Turm des World Trade Center, scheinbar wie ein Spielzeugmodell, in sich zusammenstürzten. Man war dabei, als das Pentagon angegriffen wurde und ein weiteres von Terroristen entführtes Flugzeug abstürzte. Es gab zu der Zeit noch kein Facebook oder twitter über das sich die Informationen hätten verbreiten können, wie es heute der Fall war.

Was hat das nun mit meiner Onlineberatung-Geschichte zu tun? Nun, es gab das Internet und es gab AltaVista und in eben jene Suchmaschine gab ich damals die folgenden Suchbegriffe ein: Kinder, Diskussion, 11. September 2001

Und es öffnete sich eine virtuelle Welt, die ich bis dato noch nicht kannte: Eine Onlineberatungsseite für Kinder und Jugendliche namens kids-hotline. Ich verlinke hier auf die Seite des Grimme-Online-Award, den wir mit der kids-hotline 2008 gewonnen haben, da es die kids-hotline inzwischen nicht mehr gibt (sie wurde 2014 mangels Finanzierungsmöglichkeiten vom Trägerverein Kinderschutz e. V. nach 15 Jahren „Betrieb“ geschlossen).

Die Suchmaschine hatte mich auf ein Beratungsforum gelenkt, in dem Jugendliche Beiträge eröffnet hatten, die sich mit den Ereignissen des 11. September 2001 beschäftigten. Ich war fasziniert von dieser Möglichkeit des Austausch unter Gleichaltrigen, begleitet durch professionelle (sozial)pädagogische Fachkräfte. Das Team bestand komplett aus Ehrenamtlichen und das Projekt selbst wurde so auch damals von den Gründern der Seite ehrenamtlich betrieben.

Zeitsprung ins Jahr 2006: Ich bin – nach einer kleinen Pause – weiter als ehrenamtliche Beraterin bei der kids-hotline tätig, die inzwischen so groß geworden ist, dass sie sich nicht mehr als kleines Projekt nebenbei betreiben ließ. Der Kinderschutz e. V. in München hatte vor ein paar Jahren die Trägerschaft übernommen und nun wurde eine hauptamtliche Leitung für die Beratungsstelle gesucht. Für mich ging es vom Norden in den Süden, nach München.

2008: Wir gewinnen den Grimme Online Award! In der Begründung der Jury heißt es:

„Erstmalig wird der Grimme Online Award an ein reines Beratungsangebot vergeben. Damit wird gezeigt, dass sich das publizistische Feld erweitert: Themen und Fragen werden von den Nutzern in hohem Maße selbst gesteuert. Gerade aufgrund dieser Nutzerorientierung entwickelt die Beratungsstelle „kids-hotline“ eine eigenständige und vorbildliche Funktion.“

Was für ein Wahnsinn! Im gleichen Jahr veranstalten wir zum ersten Mal mit der Fakultät Sozialwissenschaften der TH Nürnberg (damals noch Georg Simon Ohm Fachhochschule Nürnberg) das Fachforum Onlineberatung.

Nach viereinhalb Jahren als Leitung bei der kids-hotline zieht es mich zunächst für zwei in die „klassische Soziale Arbeit“ – eine wichtige Erfahrung und ganz ohne Onlineberatung!
Nebenbei war ich schon seit 2008 an der TH Nürnberg  in der Lehre tätig, da ich mit einer Kollegin das Konzept für eine studienbegleitende Weiterbildung zum*zur Onlineberater*in für Studierende der Sozialen Arbeit geschrieben und umgesetzt hatte. Und als inzwischen ausgebildete Supervisorin begann ich mein Wissen aus der Onlineberatung auf die Supervision zu übertragen und habe Online-Supervision angeboten.

2012: Gründung des Instituts für E-Beratung an der TH Nürnberg – ich darf als Geschäftsführerin das Institut strategisch aufbauen. Wir starten mit Weiterbildungskursen für externe Fachkräfte, Forschung rund um die Themen „Qualität“ oder „Unterstützung pflegender Angehöriger“ und helfen Einrichtungen ihr eigenes Onlineberatungsangebot zu realisieren.

Letztes Jahr dann noch ein echtes Highlight: Mein Lehrbuch Onlineberatung erscheint. Etwas, von dem ich insgeheim schon länger geträumt hatte, nämlich es einfach mal alles aufzuschreiben, war „einfach so“ passiert.

Jetzt also volljährig und ich überlege, wie ich das Ganze gebührend feiere… Beschenkt wurde ich eigentlich schon all die Jahre und insofern bin ich vor allem dankbar. Dieser zufällige Moment – entstanden aus einer der größten Katastrophen, die die Menschheit sich vorstellen konnte – hat mein berufliches (aber auch mein privates) Leben entscheidend geprägt und unglaublich spannend gemacht. So darf es weitergehen…

*Achso, die Magisterarbeit ging dann doch um’s Fernseh-Thema – das Wort Onlineberatung kommt darin kein einziges Mal vor 😉

Ausblick auf 2019

Das Jahr hat nur noch wenige Wochen und gefühlt begeben sich alle schon ein wenig in Winterschlaf. Ich sitze gerade im Zug nach Hannover zum „Netzwerk-Forschung“ der DGSv, das in Form eines barCamp stattfinden wird, um dort mit den anderen Teilnehmer*innen über die Nutzung digitaler Medien in der Supervision zu diskutieren. Aber danach ist auch für mich Schluss für dieses Jahr und Urlaub steht an 🙂

Bevor ich auf 2019 blicke, ein kurzer Rückblick auf das Jahr 2018. Es ist viel passiert in Sachen Digitalisierung & Mediatisierung der Beratung (Supervision und Coaching mit gedacht!). Zwei persönliche Highlights waren für mich dieses Jahr das 11. Fachforum Onlineberatung, das wir mit über 200 Teilnehmer*innen im September in Nürnberg veranstaltet haben. Und natürlich die Veröffentlichung meines Lehrbuchs Onlineberatung bei Vandenhoeck & Ruprecht im Herbst diesen Jahres.

Insgesamt nehme ich wahr, dass dieses Jahr an vielen Ecken und Enden sehr intensiv über das Thema „Digitalisierung“ diskutiert wurde. In zahlreichen Tagungen tauchte das Thema im Titel auf und in Arbeitskreisen etc. wurde das Thema aufgegriffen. Unklar ist für mich noch die Ausrichtung: Wird konstruktiv, zukunftsgerichtet und mit Offenheit gegenüber neuen Technologien diskutiert oder eher auf Defizite und mögliche Gefahren hingewiesen? Ersteres würde ich mir wünschen und das ist dann auch der Ausblick für 2019 – oder der Wunsch für das neue Jahr: Mehr mutige Ideen und das Umsetzen dieser!

Der Kalender für 2019 ist schon ganz schön voll, aber auf ein paar Veranstaltungen freue ich mich schon jetzt ganz besonders:

Wir werden zum 11. Mal unsere Weiterbildung zum*r zertifizierten Onlineberater*in anbieten. Im März startet ein Kurs und ein nächster dann im Oktober. Alle Infos dazu gibt es hier

Im April findet die Frühjahrstagung der DGSF zum Thema „Systemische Praxis und Lehre im digitalen Wandel!? – Aufgaben, Perspektiven und Chancen“ statt. Hierbei wird nun auch endlich die Frage der Qualifizierung von (systemischen) Berater*innen thematisiert.

Gespannt bin ich auch auf die zweitägige Veranstaltung in Kiel, die ich im Juni beim Paritätischen Schleswig-Holstein leiten darf und bei der sich dezidiert Führungskräfte zur Digitalisierung der Beratung in Form eines Workshops informieren (und entscheiden!) können.

Und dann steht natürlich im September (16./17.09.2019) wieder das Fachforum Onlineberatung an – das Programm hierzu sollte im Mai auf der Webseite des Instituts für E-Beratung online stehen.

Ich wünsche allen Leser*innen hier eine gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Start in das Jahr 2019!

 

Digitalisierung menschlich gestalten – 20. ConSozial in Nürnberg

Unter dem Motto „Digitalisierung menschlich gestalten“ fand gestern und heute die 20. ConSozial in Nürnberg statt, der ich gestern einen kurzen Besuch abgestattet habe.

Zur Eröffnung des Kongresses sprach unter anderem Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, der mit eindringlichen Worten die Politik dazu aufgefordert hat, bei allen – auch finanziellen! – Anstrengungen rund um die Digitalisierung, die Unternehmen der Sozialwirtschaft nicht zu vergessen!

Anschließend bekam Prof. Heiner Keupp den Wissenschaftspreis der ConSozial für sein Lebenswerk verliehen und nutzte die Gelegenheit das im Frühjahr von der CSU auf den Weg gebrachte umstrittene Psychiatriegesetz zu kritisieren. Wäre dieses so umgesetzt worden, hätte Keupp die Annahme des Preises (der vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales verliehen wird) verweigert. Ein deutlicher Wink an die anwesende Noch-Sozialministerin Schreyer.

Im Anschluss an die Eröffnung habe ich den spannenden Vortrag von Benedikt Geyer zum Thema „Podcasts in der Sozialen Arbeit“ besucht. Spannend, was Benedikt an Ideen und Anregungen für die anwesenden Zuhörer*innen (vorrangig aus den Öffentlichkeitsarbeits- und den HR-Abteilungen) hatte. Wir warten gespannt, wann der CariCast, der PariPod und DRKonAir starten werden 😉
Die Doku zu seinem Vortrag gibt’s hier: https://benedikt-geyer.de/auf-die-ohren/
Und für die, die ihn noch nicht kennen: Benedikts Podcast „Irgendwas mit Menschen (IWMM) unbedingt mal reinhören!

Dann noch kurz etwas in eigener Sache: Gerhard Hintenberger hat eine Rezension zu meinem „Lehrbuch Onlineberatung“ für socialnet geschrieben. Vielen Dank dafür!